Inhaltsverzeichnis
Tag 1: Kiel - Müritz
Tag 2: Gryfino - Schulzewerder
Tag 3: Insel Schulzewerder
Tag 4: Czarne - Brusy - Camp Lipa
Tag 5: Malbork - Olsztyn
Tag 6: Dywity - Mikołajki
Tag 7: Mikołajki - Ełk - Kloster Wigry
Tag 8: Wigry - Goldap - Seeblick
Tag 9: Jeziorany - Elblag - Camp 69
Tag 10: Weichsel - Schulzewerder
Tag 11+12: Heimreise und Fazit
Platzhalter Motorradreise Polen Masuren
Platzhalter Motorradreise Masuren Polen
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Marienburg

Die ersten Sonnenstrahlen leuchten flach über den See als ich das Zelt aufmache, das noch im Schatten der Nacht steht. Die Szene hat etwas von einem Walt Disney Film. Es ist der 3. September, ein herrlicher Morgen in Kaschubien.

Sonnenaufgang Kaschubisches Meer Polen

Das Thermometer ist nachts nicht unter 11° C gefallen und den Schlafsack habe ich nur als Decke gebraucht. Ich ziehe mich an und schlendere schlaftrunken zum Waschhaus.

Die wenigen Camper schlafen noch, aber eine kleine Armada von Putzfrauen ist bereits emsig dabei, die Ferienhäuser zu reinigen. Sie schwatzen fröhlich miteinander, während sie routiniert ihrer Arbeit nachgehen.

Die Waschhäuser sind eine Überraschung für mich. Es gibt viele winzige Badezimmer, jedes Einzelne mit Dusche, Waschbecken und Toilette. Sowie ein Gast fertig ist, kommt eine eigens stationierte Putzfrau und stellt den Original­zustand wieder her.

Damit ist heute das zweite Vorurteil gefallen und diesmal eines von meinen: Die Sanitär­anlagen auf polnischen Campingplätzen sind nämlich nicht zwangsläufig oll und dreckig. Ganz im Gegenteil, diese sind hochmodern und blitzsauber.

Es war eine trockene Nacht und der Zeltstoff raschelt beim Zusammenlegen. Nicht ein Tropfen Tau liegt darauf, ungewöhnlich für einen Morgen im Herbst.

Sowie ich alles verstaut habe, fahre ich zur Rezeption zum Bezahlen. Der junge Mann von gestern abend ist schon wieder im Dienst und ich zahle 25 Zloty, etwa 6 Euro. Ein sehr günstiger Preis, zumal der Platz einiges zu bieten hat. Wenn ich da an diesen mega ätzenden Platz in Nordirland denke, wo sie für nichts 23 € genommen haben, dann kann ich jetzt noch sauer werden.

Ich lasse das Motorrad stehen und gehe zum Restaurant, vielleicht bekomme ich dort schon ein Frühstück. Die Tür ist offen, aber die Gastronomie erscheint noch geschlossen. "Hallo?", rufe ich in den leeren Saal hinein, warte einen Moment und dann noch einmal etwas lauter: "Hallo...?!"

Nach wenigen Augenblicken kommt ein junges Mädchen aus der Küche und spricht mich an, aber ich kann sie nicht verstehen. Sie sagt etwas wie "Momentski", und verschwindet wieder in der Küche. Kurz darauf erscheint sie erneut, diesmal in Begleitung einer energisch wirkenden Dame mittleren Alters, offensichtlich der Restaurantchefin.

"May I have breakfast, please?"
"We usually open at 10 but for you my colleague can open now. Lena...!? "

Es ist erst 9 Uhr, eine gute Stunde zu früh, und trotzdem wird für mich schon jetzt geöffnet und ein Frühstück zubereitet. Nach meinen Wünschen gefragt, erwidere ich: "Coffee, some cold Meat, Cheese and a little Bread, please."

Die Chefin übersetzt es und Lena, ein Mädchen von höchstens 18 Jahren, verschwindet wortlos nach hinten in die Küche, während ich mich in die Morgensonne setze.

"Oh, das sieht aber gut aus", entfährt es mir auf Deutsch, als Lena das Frühstück vor mich hinstellt. Ich bedanke mich mit einem strahlenden Lächeln und sie huscht schüchtern und ohne ein Wort zurück ins Restaurant.

Frühstück in Polen

Wohlwollend bemerke ich, dass keinerlei Marmelade oder Honig serviert wurde, nur Fleisch und Käse. So wurde Aufschnitt serviert, bevor man aus 80 g Wurst 12 Scheiben schneiden konnte. Der kalte Braten ist so herzhaft und mit großem Appetit mampfen Pieps und ich das leckere Frühstück in uns hinein.

Nach der dritten Tasse Kaffee bezahle ich und breche auf. Heute morgen fällt mir der tiefe, sandige Weg viel leichter als gestern. Mit reichlich Speed heize ich im MotoCross Stil fröhlich über die Piste und ziehe eine beeindruckende Staubwolke hinter mir her.

Innerhalb von Minuten habe ich die Piste aufgeraucht, die mir gestern solche Schwierigkeiten gemacht hat. Tagesform, nehme ich an. "KASZUBIA" verkündet das Graffiti an einer Bus­halte­stelle und darunter gesprüht eine Art Fadenkreuz. Ich habe keine Ahnung, was das bedeuten soll. Oder doch: Ich bin in Kaschubien und das gefällt mir.

Nach etwa 79 km erreiche ich eine größere Stadt, Tczew steht auf dem Ortsschild. Auf meiner Landkarte steht dazu in Klammern Dirschau unter dem polnischen Namen.

Am Ortsende taucht ein Fluß mit einer Brücke auf und als ich näher komme, sehe ich, dass es zwei Brücken sind, die dicht nebeneinander stehen, eine Eisenbahnbrücke und eine für Autos. Aber was ist das? Die Straßenbrücke ist gesperrt, verrammelt und verriegelt.

Weichselbrücke

Drei massive Betonpfeiler, die zusätzlich mit einer Stahlschiene verbunden sind, blockieren die Fahrbahn und selbst Fußgängern ist das Betreten der Brücke verboten. Ein wenig hatte ich mich natürlich gewundert, als Google sich geweigert hat, über diese Brücke zu routen.

Was soll denn mit der Brücke los sein? Die sieht doch total stabil aus. Ich denke, dass ich es schaffen könnte, mich an dem rechten Pfeiler vorbeizuquetschen. Das müsste gerade passen, auch ohne, dass ich vorher das Gepäck ablade. Soll ich? Sicher, es ist verboten, aber ich habe keine Ahnung, wie ich sonst über diesen blöden Fluss kommen soll. Ich weiß ja nicht mal, wie der heißt.

Vorsichtig quetsche ich mich durch die Straßensperre, wobei der Becher außen an meiner Tasche klangvoll gegen den Brückenpfeiler schlägt.

Weichselbrücke

Die Konstruktion der Brücke ist bemerkenswert. Wie in einem übergroßen Stahlkäfig fahre ich über den Fluss. Ich bin nur gespannt, ob ich drüben auch wieder rauskomme, oder ob dort ein neues Hindernis auf mich wartet. Ein bisschen ist diese Reise bisher wie Spiel ohne Grenzen nur ohne Camillo Felgen.

Ich bin nicht die Einzige, die sich über das Verbot hinwegsetzt: Zwei Mütter schieben ihre Kinderwagen über die Brücke und sehen einigermaßen erstaunt aus, als ihnen ein Motorrad entgegenkommt, aber ich grüße freundlich und fahre im zweiten Gang langsam weiter.

Das andere Ende der Brücke ist offen, es gibt kein weiteres Hindernis. Allein zwei gelbe Türme, die wie mittelalterliche Wehrtürme aussehen, bewachen die Zufahrt zur Brücke. Unbehelligt fahre ich auf der anderen Seite des Flusses weiter.

Weichselbrücke

Zu diesem Zeitpunkt kann ich das noch nicht wissen, aber bei den Recherchen für meinen Reisebericht ergibt sich eine unglaublich spannende und zugleich tragische Geschichte. Nicht auf der Westerplatte, sondern genau hier, an dieser Brücke über die Weichsel, sollen die ersten Schüsse des zweiten Weltkriegs gefallen sein. Und damit weiß ich jetzt auch, wie dieser Fluss heißt.

Auf derselben Website erfahre ich auch, weshalb die Brücke gesperrt ist und dass es einen großen Umweg für die Menschen bedeutet, die zur Arbeit, oder zur Schule nach Tczecw hinein wollen. Die nächste Brücke über die Weichsel liegt 6 km südlich. Wie gut, dass ich diese interessante alte Brücke auf meiner Reise gesehen habe.

Die nächsten 20 km sind entsetzlich langweilig zu fahren und erinnern an Schleswig-Holstein, nur dass hier mehr Bäume stehen, ein paar flache Hügel und dass die Straßen noch etwas schlechter sind als zuhause. Ansonsten Felder, Wiesen, Äcker und Kühe. Ich bin in Pommern.

In der Ferne taucht Malbork auf, zu Deutsch Marienburg und genau die möchte ich mir heute ansehen. Die Einfallstraße nach Malbork ist gut ausgebaut und am Ortseingang steht ein Tesco 24/7 Supermarkt, eine prima Gelegenheit zum Einkaufen.

Mit dem Einkaufskorb schlendere ich durch die breiten Gänge und sammele mir ein Abend­essen zusammen. Entrecote gibt es nicht, dafür nehme ich ein großes Paket dicker Bauern­bratwürste, dazu Zwiebeln und Pilze.

Es ist ein warmer, sonniger Tag kurz nach Mittag, als ich den Einkauf verstaue. Der Bratwurst sollte es nichts ausmachen, bis heute Abend im Tankrucksack zu schmoren, denn soweit ich weiß, können Wurstwaren gar nicht schlecht werden. Im Gegen­satz übrigens zu Gemüse, dass sehr schnell welk wird.

Stop and Go fahre ich im dichten Verkehr nach Malbork hinein. Die Sonne brennt vom Himmel und ich schwitze in meiner Motorradjacke fröhlich vor mich hin. Endlich geht es von der Hauptstraße hinunter auf die Straße, die am Fluss, der Nogat, entlangführt.

Am gegenüber­liegenden Flussufer taucht die gewaltige Marienburg auf. Bereits bei der Planung der Reise habe ich mir endlos Gedanken darüber gemacht, wo ich das Motorrad abstellen soll, während ich die Burg besichtige.

Normalerweise lasse ich die Enduro mit dem Gepäck einfach stehen und gehe davon, aber hier gibt es so viele bewachte Parkplätze, dass allein ihre Existenz und Anzahl mir das Gefühl vermitteln, es sei notwendig, sie zu benutzen.

Marienburg

Auf dem Großparkplatz, der der Burg am nächsten liegt, werde ich von einem kleinen Mann mit drahtigem, schwarzen Haar und einem blitzenden Goldzahn in Empfang genommen. Er selbst ist die beste Werbung für seine Dienste, verkörpert er doch genau den Typen, derentwegen man überhaupt bewachte Parkplätze in Anspruch nimmt.

Misstrauisch sehe ich mich um, bevor ich 15 PLN zahlen, immerhin fast 4 EUR, was angesichts des Preisniveaus in Polen eine ungeheuere Summe für zwei Stunden Parken ist. Auf der anderen Seite ist es eine kleine Summe für eine erst vier Jahre alte Kawasaki, eine komplette Camping­ausrüstung und ein Pfund Bratwurst.

bewachter Parkplatz Marienburg

Über eine breite Fußgängerbrücke schlendere ich über die Nogat auf die Marienburg zu. Ich hatte gelesen, dass sie die größte Backsteinburg der Welt sei, aber so riesig hatte ich sie mir doch nicht vorgestellt. Die Burg wurde irgendwann Anfang 1300 vom Deutschen Orden gebaut.

Wenn ich den Deutschen Orden richtig begriffen habe, dann war das damals eine Mischung aus Mönchen und Kreuzrittern. Entweder waren sie sehr brutale Priester mit Schwertern, oder besonders fromme Ritter, so ganz habe ich das nie verstanden.

Auf jeden Fall sind sie Nachfahren der Kreuzritter und haben ihren Hauptsitz heute in Wien. Allerdings wird inzwischen nicht mehr gekämpft, sondern nur noch gebetet und geholfen, obwohl ich das Gefühl habe, dass ihre alten Tugenden heute nützlicher wären.

Marienburg

Die Fußgängerbrücke führt bis an die Burgmauer heran und schon von weitem sehe ich die ersten Händler im Schatten der Burg. So muss es auch damals gewesen sein, als Marke­tender ihre Stände an der äußeren Burgmauer aufbauen und dort Handel treiben durften.

Marienburg Biergarten Restaurant

Pieps entdeckt einen Stand mit mittelalterlichen Waffen und Ausrüstung und ist hellauf begeistert. Sie will unbedingt ein Breitschwert, einen Helm und ein rosa Prinzessinnenkleid. Niemand hat mehr Verständnis für diese ungewöhnliche Mischung als ich, aber der Platz auf der Enduro ist begrenzt und es gibt einiges Gezeter, bevor wir endlich weitergehen können.

Mittelalterlicher Markt

Einer der Marktstände steht etwas abseits von den anderen und Pieps steuert unbeirrbar darauf zu. Das Prinzessinenkleid scheint vergessen. Es sind nicht die bunten Zelte, die uns anlocken, sondern dieser durchdringende, köstliche Duft von Gebratenem.

Mittelalterlicher Marktstand

Über einem Feuer hängt ein großer, schwarzer Kessel und ich muss unwillkürlich an den Zaubertrank von Miraculix denken. Ein echtes Profifeuer (siehe auch...), wie ich beim Näher­kommen anerkennend feststelle: Klare Flammen, kaum Rauch. Was da wohl drin ist in dem Topf?

Neugierig schaue ich in den Kessel hinein, aus dem leichter Dampf aufsteigt. Darin köchelt es geheimnisvoll. Das ist ja Sauerkraut. Nun esse ich normalerweise kein Obst, aber das hier duftet verführerisch, vermutlich weil jede Menge Speck darunter gemischt ist.

Topf Feuer Sauerkraut

Das ist Bigos, ein polnisches Nationalgericht, von dem ich schon viel gehört habe. Wenn ich ein deutsches Gericht ähnlicher Bedeutung nennen soll, dann fällt mir bloß Döner ein.

Ich gehe auf das bunte Zelt zu und trete ein. Meine Augen brauchen einen Moment, um sich auf das Dämmerlicht im Zelt umzustellen, aber dann sehe ich sie: Eine über­dimensional große gusseiserne Pfanne, in der die leckersten Köstlichkeiten schmoren, die dieser Planet zu bieten hat.

Darin schmort Bigos, wie ich es draußen im Topf gesehen habe, zusammen mit Schweins­haxen und Rouladen. Dann gibt es Bratkartoffeln mit Wurst und Speck, daneben dunkelrote Krakauer Würste und Schaschliks der berüchtigten 500 g Klasse.

Polnisches Essen Mittelalter

Pieps will 2 Schaschliks und eine Wurst, doch nach kurzer hitziger Debatte einigen wir uns auf eine Krakauer und eine Portion Sauerkraut mit Speck für uns beide.

Glücklich trage ich den Teller an eine der Gartenbänke, wo schon zahlreiche andere Touristen beim Essen sitzen. Deutlich höre ich Amerikaner, Franzosen und Sachsen heraus. Besonders Sachsen...

Nach dem deftigen Essen schlendere ich schwerfällig im Strom der anderen Touristen an der Burg entlang. Die Burg ist gute 700 Jahre alt, aber viele der Ziegelmauern sehen neuer aus, als die Ziegel des Hauses, in dem ich wohne.

Auf einer Hinweistafel im Burghof erfahre ich, dass die Marienburg im Zweiten Weltkrieg zu großen Teilen zerstört und danach vom polnischen Staat wieder­aufgebaut wurde. Das erklärt, weshalb viele Mauern so neu erscheinen: Sie sind es.

Marienburg Malbork Polen

In einem Souveniershop, eingelassen in die Nische unter einer Holztreppe, kaufe ich fünf Postkarten und frage nach Briefmarken, Stamps. Die Verkäuferin deutet auf die Treppe nach oben, es gibt ein Postamt im Innern der Burgmauer. Ich steige die Stufen hinauf und begegne einer kleinen, vierschrötigen Frau in Uniform, die auf dem Treppenabsatz steht und eine Zigarette raucht.

Postamt Marienburg

Die Postbeamtin schaut mich mit ernster Miene an, raucht in Ruhe ein paar Züge und drückt dann die Zigarette aus, bevor sie mir ins Innere des winzigen Postamtes folgt. Mit einem Schlüsselbund, das einem Aufseher in San Quentin Ehre gemacht hätte, öffnet sie den Schalter und schließt hinter sich sorgfältig wieder ab. Jeder Handgriff eine Amtshandlung.

Der Kauf dieser fünf Briefmarken ist ein Erlebnis für sich. Wer nie mit Beamten aus einem ehemals sozialistischen Staat zu tun hatte, der weiß nicht, was ihm entgeht.

Ich sehe mir noch Teile der Burg an, aber die Anlage ist so riesig, dass ich bald die Lust verliere. Bei diesem herrlichen Wetter möchte ich weiterfahren, früh mein Zelt aufbauen und noch einen schönen Nachmittag auf dem Campingplatz verbringen.

Das Motorrad steht so, wie ich es verlassen habe und auch mein Helm und die Handschuhe hängen noch am Lenker. Im dichten Verkehr fahre ich aus Malbork hinaus, biege kurz darauf von der Hauptstrecke ab und bin wieder ganz alleine unterwegs.

Einige Kilometer weiter überquere ich die Grenze zur Woiwodschaft Ermland-Masuren, von der Masuren ein Teil ist. Übrigens habe ich keinen Hinweis darauf gefunden, weshalb im Deutschen gerne von Die Masuren gesprochen wird, wenn der Landstrich gemeint ist.

In Jankowo biege ich von der 530 ab und gelange auf eine mit Feldsteinen gepflasterte Straße, die sich malerisch zwischen Feldern und Wiesen hindurch­schlängelt. Auf einer Kuppe bleibe ich stehen und genieße die Aussicht auf den Weg, der auf meiner Landkarte nicht verzeichnet ist.

Landstraße in Masuren

Die Landschaft wird mit jedem Kilometer hübscher. Für heute habe ich einen Campingplatz am Rand von Olsztyn ausgesucht. Olsztyn, zu Deutsch Allenstein, wird auch als Das Tor nach Masuren bezeichnet.

Kurz darauf erreiche ich den Campingplatz. Camp Dywity liegt auf einer Halbinsel in einer Schleife der Łyna, zu Deutsch Alle, einem 264 km langen Fluss im ehemaligen Ostpreußen.

Die Zufahrt ist mit einem Gittertor versperrt und weit und breit ist kein Mensch zu sehen. OPEN steht auf einem Schild am Tor. Ratlos stehe ich davor. Erst nach einer Weile werde ich auf das Symbol daneben aufmerksam, das eine Glocke zeigt. Ein Pfeil zeigt auf eine Klingel, die in die Mauer daneben eingelassen ist. Ich drücke auf den Knopf und warte.

Camp Dywity

Fast augenblicklich ertönt eine ohrenbetäubende Sirene, wie in Das Boot beim Alarmtauchen: "Auf Seerohrtiefe, LI." Gleichzeitig schwingen die beiden Torflügel von unsichtbarer Hand auf und ich fahre hindurch. Im Rückspiegel sehe ich, wie sich die Tore wieder schließen.

Kurz darauf komme ich an ein zweites, massiveres Tor, das mit stählernen Spitzen bewehrt ist. Campingplätze sind in Polen besser bewacht als Truppenübungsplätze. Haben die Angst, dass die Camper aus-, oder dass Fremde einbrechen?

Während ich noch überlege, kommt ein junger Mann auf mich zu und öffnet den Schalter der Rezeption. Er ist weder besonders freundlich noch unfreundlich, spricht gut deutsch und als ich bezahlt habe, öffnet er das zweite Gittertor. Ich bin in Camp Dywity angekommen.

Camping Dywity Polen Alle

Der Platz nimmt die komplette Halbinsel in der Flussschleife ein. An einer Seite erstreckt sich die Wiese hinunter bis ans Wasser und steigt am anderen Ende sanft an, bis man einen schönen Blick auf die Alle hat. Dort schlage ich mein Lager auf.

Camping Masuren Dywity Polen Alle

Nur eine Handvoll Camper verteilt sich auf dem großen Platz. Mir gegenüber stehen zwei Berliner mit ihrem Wohnwagen, ein junges Paar, zwei Männer, die sehr sympatisch sind, aber ihr kläffender Köter nervt. Sowie ich einen Schritt vors Zelt mache, gibt er Laut.

Ich lächele gütig und sage irgendwas Beruhigendes, wie man das so tut, wenn man keinen Streit will, aber innerlich koche ich. Solche Köter nerven total, aber wenn man sie kaputt macht, sind die Besitzer sauer und es gibt jedesmal einen Riesenterz.

Das Waschhaus ist ein großer alter Backsteinbau, aber die Einbauten und der Pflegezustand sind Premium. Es ist nicht zu glauben, wie gut die Polen ihre Anlagen in Ordnung halten. Ich wasche mir die Spuren der Reise ab und gehe zurück zum Zelt. Köter kläfft, Svenja lächelt. Wenn du wüsstest, denke ich.

Die Berliner holen den Hund zu sich in den Wohnwagen und von da an ist Ruhe. Danke, Jungs. Nun wird es Zeit, den Abendbrot­tisch zu decken. Ich habe das Zelt neben einen knorrigen alten Picknicktisch gestellt und fange an, die Küche aufzubauen: Den Kocher, die Pfanne, Teller, Besteck, eine kleine Flasche Rotwein, das Tagebuch und mein Kindle.

Camping Zelt Motorrad Masuren

Den Bratwürsten hat der Tag in der Sonne nichts ausgemacht, jedenfalls sehen sie prima aus. Ich lege drei von ihnen in die Pfanne und fülle die Lücken mit Zwiebeln und frischen Champignons auf.

Während ich auf das Essen warte, trinke ich ein Bier und nasche getrocknete Tomaten mit Mozzarella. Die Bratwürste sehen fertig aus, jedenfalls sind sie von beiden Seite schön dunkel. Ich lege zwei auf den Teller und häufe Zwiebeln und Champignons darüber. Die Würste schmecken ganz gut, aber die wahren Stars sind die gebratenen Pilze mit den Zwiebeln dazu.

Camping Dywity Masuren

Welch ein wunderschöner Abend. Es war eine gute Idee, im Herbst nach Masuren zu fahren, denn am 1. September ist die Saison zuende, dann fängt in Polen die Schule wieder an und auch die Mücken sind längst verschwunden.

Morgen sehe ich mir die Festung Boyen an und zelte abends in Nikolaiken, dem Venedig Masurens. Unter beidem kann ich mir noch nicht viel vorstellen, aber morgen um diese Zeit werde ich schlauer sein...

zum nächsten Tag...

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Das war ein toller Tag und der Besuch der Marienburg war klasse. Dort bin ich vielleicht nicht zum letzten Mal gewesen, ich komm wieder, keine Frage. Wenn ihr einen Kommentar beisteuern mögt, dann klickt bitte hier. Ich würde mich sehr freuen, aber natürlich auch über einen Kommentar per E-Mail.








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Svenja Svendura EndurowandernMade by Svenja Svendura on Apple iMac with Panic Coda and Photoshop Elements.