Inhaltsverzeichnis
Tag 1: Kiel - Müritz
Tag 2: Gryfino - Schulzewerder
Tag 3: Insel Schulzewerder
Tag 4: Czarne - Brusy - Camp Lipa
Tag 5: Malbork - Olsztyn
Tag 6: Dywity - Mikołajki
Tag 7: Mikołajki - Ełk - Kloster Wigry
Tag 8: Wigry - Goldap - Seeblick
Tag 9: Jeziorany - Elblag - Camp 69
Tag 10: Weichsel - Schulzewerder
Tag 11+12: Heimreise und Fazit
Platzhalter Motorradreise Polen Masuren
Platzhalter Motorradreise Masuren Polen
Platzhalter Motorradreise Polen Masuren
Platzhalter Motorradreise Masuren Polen
Platzhalter


Heimreise und Fazit

Als ich morgens aus dem Zelt krieche, steht die Sonne schon hoch am Himmel und ist dabei, den letzten Frühnebel vom Wasser zu vertreiben. Es muss geregnet haben in der Nacht, das Zelt und die Wiese sind noch nass.

Zelt Motorrad Sonnenaufgang

Während ich das feuchte Zelt zusammenlege, versucht eine gewisse Maus, Freundschaft mit einem Frosch zu schließen, aber das Gespräch bleibt einseitig. Der kleine Frosch wirft Pieps einen verwunderten Blick zu und hüpft ohne ein Wort hinunter zum See.

Frosch

Auf Schulzewerder habe ich meine erste Nacht in Polen verbracht und die letzte. Heute fahre ich zurück nach Deutschland. Die Grenze werde ich bei Stettin überqueren. Für diese Stadt benutze ich den deutschen Namen, weil ich Szczecin, wie die Stadt richtig heißt, weder merken noch aussprechen kann.

Motorrad Enduro Landstraße

Die Autobahn 20 in Richtung Westen ist grässlich zu fahren. Im dichten Verkehr rolle ich über eine Fahrbahn, deren Belag ständig wechselt zwischen Feldweg und Premiumasphalt in Flüsterqualität. Erst als in der Ferne Stettin in Sicht kommt, bessert sich die Straße.

Stettin Polen

Auf der 6-spurigen Stadtautobahn fahre ich weiter Richtung Zentrum, vorbei an der Hakenterrasse weiter in die Innenstadt.

Hakenterrasse Stettin Polen

In der City herrscht dichtes Gewühl aus Lastwagen, Straßenbahnen, Autos und Transportern. Sechsspurig geht es durchs Zentrum vorbei an sehenswerten, alten Fassaden, aber ich habe kaum einen Blick dafür übrig, denn der Verkehr ist beängstigend. Mehrspurig abbiegen, links, halblinks, oder scharf links? Dazu die Straßenbahn, die im kurzen Takt in beide Richtungen braust, Kopfsteinpflaster und Schienen.

Stettin Straßenbahn

Die Polen fahren engagiert, aber auch rücksichtsvoll. Sie hupen oder drängeln nicht, wenn ich mich falsch einordne und nun doch von ganz rechts über alle Spuren noch links abbiegen will.

Endlich steht Pasewalk auf einem Schild und ich bin heilfroh, als ich endlich aus Stettin raus bin und die Grenze nach Deutschland überquere. Einmal mehr empfinde ich, wie fehl am Platz ich mich in der Großstadt fühle.

Ostdeutschland Tristesse

Der Osten Deutschlands unterscheidet sich gar nicht so sehr von Polen. Mit dem Überqueren der Grenze findet kein scharfer Schnitt statt, sondern die Landschaften gleichen sich langsam aneinander an, bis man weiter im Hinterland ist und die Unterschiede deutlicher werden. Das Auffälligste ist das Fehlen der Skleps, der kleinen Läden, die es in Polen an jeder Ecke gibt.

ostdeutsche Tristesse

Die kleinen Supermärkte in Deutschland haben dafür über Mittag noch geschlossen, wie in der guten alten Zeit. In einem kleinen Ort mit dem Namen Lychow finde ich endlich ein offenes Geschäft, einen NETTO Markt. Die Kette kenne ich vom Wegschmeissen der Werbeflyer, war aber noch nie in einer ihrer Filialen. Mein erster ist zugleich auch mein letzter Einkauf bei NETTO. Ein Billigheimer, der mich an PENNY in Kiel erinnert. Ich kaufe nicht gerne beim Discounter, ich mag Musik in den Gängen, den Glanz polierter Äpfel (nicht, dass ich die kaufen würde) und Tresen mit Spezialitäten voll ungeahnter Schweinereien. Lieber kaufe ich was richtig Gutes und dafür etwas mehr.

Auf den verlassenen Landstraßen der Uckemark halte ich den Tacho der KLX bei 110 und komme gut vorran. Es sind etwa 600 km bis Kiel. Soll ich durchfahren, dann bin ich heute abend zu Hause? Nein, das hält mein Genick nicht durch. Nach spätestens 400 km ist es durch Fahrtwind und Erschütterung erledigt für den Tag. Also werde ich noch einmal übernachten.

Campingplatz am Röblinsee

Campingplatz am Röblinsee steht in meinem Reiseplan und wenn ich noch trocken aufbauen will, dann muss ich mich jetzt beeilen, es wird jeden Moment anfangen zu regnen.

Der Platz strahlt den Charme der 60er Jahre aus und hat sicher bessere Zeiten gesehen, aber ich mag ihn, erinnert er mich doch an die Zeit als Wölfling bei den Pfadfindern.

Campingplatz am Röblinsee Fürstenberg

Der Campingplatz am Röblinsee ist ein bekannter Kanustützpunkt in der Gegend und bis in den Abend hinein sind die langen Aluminiumboote auf dem See unterwegs.

Röblinsee Fürstenberg Kanu

Das Wetter ist ungemütlich und ich verziehe mich schon früh ins Zelt. Zum Abendbrot gibt es Oliven, polnische Wurst und etwas Ziegenkäse. Eine gewisse Maus ist einigermaßen empört über das einfache Mahl und auch ich frage mich, was mich geritten hat. Merke: Gehe niemals satt einkaufen.

Essen im Zelt

Am nächsten Morgen sind Pieps und ich schon früh abfahrbereit. Hier hält uns nichts und ein Blick zum Himmel sagt mir, dass wir froh sein müssen über jeden trockenen Kilometer. Ein letztes Mal auf dieser Reise schnalle ich das Gepäck aufs Motorrad, den Tankrucksack, die Ortlieb Tasche, das Zelt, die Regenkombi und das Stativ. Das Motorrad, das Gepäck, Pieps und ich wiegen zusammen knapp eine Vierteltonne!

Motorrad Gepäck Campingtour

In Wesenberg wird es Zeit für das erste Frühstück und ich halte auf einer MINOL Tankstelle. Die Brötchen und der Kaffee sind lecker, die Bedienung freundlich und gesprächig. Als sie sich anderen Kunden zuwendet, fällt mein Blick auf das Zeitschriftenregal. Bekannte Titel, wie die Bild-der-Frau neben Deutsche National-Zeitung und Der 2. Weltkrieg.

Rapsfeld im Herbst

Nach zwei Bechern Kaffee fahre ich weiter. Am Ende einer Urlaubsreise habe ich meistens die Nase voll vom Motorradfahren, aber heute kann ich gar nicht genug bekommen und genieße jeden Kilometer durch Mecklenburg-Vorpommern.

Verbotsschilder Waldwege

Schließlich überquere ich die Grenze nach Schleswig-Holstein. Meine Heimat, hier bin ich geboren. Manches sieht ganz ähnlich aus, wie in Masuren, aber der Unterschied ist, dass ich hier in einer dichten Kolonne fahre als 5. Fahrzeug von vorn. Jeder Meter in den Wald ist mit einer Schranke versprerrt, oder mit fetten, roten Verbotsschildern. Meistens mit Beidem.

Masuren ist so, wie Schleswig-Holstein vor 50 Jahren gewesen sein mag. Es ist nicht so modern, aber dafür ist viel Ursprüngliches erhalten, was das Land und seine Bewohner so liebenswert macht.

Schleswig Holstein



Masuren - Wahrheit oder Mythos?

Auf meiner Reise habe ich andere deutsche Touristen getroffen, die allesamt enttäuscht waren von dem Masuren, das sie fanden und auch ich selbst war anfangs nicht begeistert.

Woran mag das liegen? Ich bin mir sicher, es liegt an falschen Erwartungen, an einer Über­höhung des Mythos Masuren. Was wissen wir schon von diesem Landstrich, außer dem, was Siegfried Lenz in So zärtlich war Suleyken erzählt? Gar nichts, meine ich, und deshalb reist mancher mit falschen Erwartungen dorthin.

Ein weites, einsames Land...

Wahrheit! Masuren ist tatsächlich ziemlich dünn besiedelt und das merkt man auf Reisen auch. Außerhalb der Ortschaften begegnet man kaum einem anderen Menschen. In der Woiwodschaft Ermland-Masuren leben nämlich nur 59 Menschen pro km².
(Zum Vergleich: Baden-Württemberg 299 Einwohner pro km², Schleswig-Holstein 180/km², Värmland, Schweden 14 Bewohner pro km².)

Unendlich viele, tiefblaue Seen...

Mythos! In Masuren gibt es viele Seen, die im eiszeitlichen Geschiebe entstanden sind, aber sie sind nicht das vorherrschende Bild in der Gegend und nicht zu vergleichen mit Finnland und Schweden. Tatsächlich sieht es kaum anders aus, als in Schleswig-Holstein, oder in Mecklenburg-Vorpommern.

Land von unglaublicher Schönheit...

Mythos! Der vorherrschende Eindruck ist der einer lieblichen Hügelland­schaft mit Wiesen, Wäldern und Feldern, mit viel Natur also. Masuren ist ein hübsches Land, wer aber aus Schleswig-Holstein über Me-Vo dorthin reist, so wie ich, der mag anfangs ziemlich enttäuscht sein: "Das sieht ja aus wie Zuhause...?!"

Erst wenn man langsamer wird und genauer hinschaut, entdeckt man Unterschiede, die sanfte Hügellandschaft, die vielen Sandwege, das alte Kopfsteinpflaster, Dörfer ohne einen Meter befestigte Straßen und dann die Alleen. Sind wirklich alle Straßen in Masuren Alleen? Ja. Alle? Ja, alle und sie sind unglaublich schön zu fahren. Ein Paradies für Motorrad- und Cabriofahrer. Dagegen kann sich die Deutsche Alleenstraße gehackt legen! Nach Masuren habe ich diese Themenstraße jedenfalls von meiner Reiseliste gestrichen.

Viele, viele Störche...

Wahrheit! Ich war im Herbst unterwegs und die Störche waren bereits ausgeflogen, aber auf jedem zweiten Dach, Telefonmast und alten Schornstein sieht man eines der Wagenrad großen Nester. Man kann kein Dorf in Masuren fotografieren, ohne nicht mindestens ein Storchennest im Bild zu haben.

Die können alle Deutsch...

Mythos! Wenige alte Menschen konnten etwas Deutsch, aber das war die Ausnahme und nicht genug für eine Unterhaltung (Nix Wasser, nix Kaffee). Einige Jüngere sprachen ein wenig Englisch, aber so wie bei uns, sind das nicht die, die in Tankstellen und Supermärkten bedienen. Andererseits ist jeder Versuch, für die Reise etwas Polnisch zu lernen, zum Scheitern verurteilt. Diese Sprache ist zu fremd, zu schwierig, um mal eben ein paar Sätze zu lernen. Wer etwas anderes behauptet, will vermutlich angeben.

Die Menschen in Masuren habe ich als freundlich und hilfsbereit erlebt, aber auch als zurückhaltend und fast ein wenig schüchtern. Ich habe mich dort sehr wohl gefühlt.

Da kann man toll Enduro fahren...

Wahrheit! Ja, das kann man. Es gibt sehr viele Sandwege als Verbindungsstraßen zwischen den Dörfern, die auch mit der großen Reiseenduro eine Menge Fahrspaß versprechen. Wer es derber mag, findet Waldwege jeder Güte zum Endurowandern.

Fazit

Es hat eine Weile gedauert, in Masuren anzukommen, aber je länger ich unterwegs war, desto wohler habe ich mich dort gefühlt. Ich musste ganz schön abbremsen, um mich auf das Tempo von Masuren einzustellen und vielleicht war ich mit dem Motorrad fast schon zu schnell. Es ist eher ein Land zum Radwandern und zum Langsamsein, als mit 1200 Kubik und Bluetooth Funk in drei Tagen durchzuheizen. Es kann sein, dass man dann enttäuscht ist.

Ich weiß noch nicht, ob und wann ich wieder dorthin fahre, aber eines ist sicher: Meinen Sommer in Masuren werde ich niemals vergessen.



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Nun ist die Reise nach Masuren zu Ende erzählt. Wenn ihr einen Kommentar beisteuern mögt, dann klickt bitte hier. Ich würde mich freuen, aber natürlich auch über einen Kommentar per E-Mail. ACHTUNG: Inzwischen gibt es mehrere Seiten Kommentare, eurer erscheint auf der letzten Seite: Neueste.








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Svenja Svendura EndurowandernMade by Svenja Svendura on Apple iMac with Panic Coda and Photoshop Elements.