Inhaltsverzeichnis
Tag 1: Kiel - Göteborg
Tag 2: Göteborg - Lenhovda
Tag 3: Oskarshamn - Gotland
Tag 4: Gotland, der Süden
Tag 5: Fårö und die Raukar
Tag 6: Visby - Festland
Tag 7: Gålö - Mälaren - Sala
Tag 8: Avesta - Falun - Mora
Tag 9: Orsa - Särna - Idre
Tag 10: Fulufjället - Malung
Tag 11: Malung - Fredros
Tag 12: Arvika - Ärjang - Ed
Tag 13: Ed - Tanum - Kungshamn
Tag 14: Götheborg - Kiel
Motorradreise Gotland
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Info: Schloss Gripsholm
Schloss Gripsholm wurde 1537 von dem schwedischen König Gustav I. Wasa gebaut. Obwohl es wie eine Burg wirkt, war es schon damals nicht zur Vertei­digungs­anlage geeignet.
Platzhalter Beschreibung In Deutschland ist das Schloss durch Kurt Tucholskys Roman Schloss Gripsholm bekannt geworden, einer Liebes­ge­schichte, die 1963 mit Walter Giller und Nadja Tiller in den Haupt­rollen verfilmt worden ist.

Heute ist in dem Schloss die Staat­liche Porträt­sammlung Schwedens unter­gebracht, die mehr als 2000 Gemälde umfasst.

Das Schloss ist schwedisches Reichsinteresse, vergleichbar unse­rem Kulturerbe.

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Schloss Gripsholm

In der Nacht weckt mich ein Wolkenbruch, der laut­stark auf mein kleines Zelt prasselt. Einen Moment lang liege ich mit geschlossenen Augen in der Dunkelheit und lausche, bevor ich mit einem seligen Grunzer tiefer ins Bett rutsche und weiterschlafe.

Blick aus dem Zelt

Am nächsten Morgen erinnert nur noch die nasse Wiese an den Wolkenbruch der vergan­genen Nacht. Kai und ich packen unsere Sachen zusammen und brechen auf. Gestern habe ich in der Rezeption eine Kaffee­maschine gesehen und vielleicht können wir dort ein kleines Frühstück ergattern.

Schon an der Tür steigt mir der Geruch von frischem Gebäck in die Nase. Auf dem Tresen der Anmeldung steht ein Weidenkorb mit einem karierten Küchenhandtuch und darin einge­schlagen warme Kanelbuller, dem typisch schwedischen Zimtgebäck.

Ich kaufe zwei Becher Kaffee für Kai und mich und eine Zimtschnecke für Pieps. Auf einem Tablett balanciere ich unser Frühstück nach draußen auf die Terrasse, wo Kai bereits sehn­süchtig auf seinen Kaffee wartet.

Es ist später Vormittag, als wir endlich auf unsere Enduros steigen und losfahren. Kai wird mich noch ein Stück begleiten und es ist eine schöne Abwechslung, nicht alleine zu fahren.

Wir sind erst wenige Kilometer gefahren, als ein heftiger Platzregen niedergeht. An einer Bus­halte­stelle ziehe ich die Regenkombi an, während Kai auf seine Membransachen vertraut.

Regenkombi anziehen

Heute beginnt der zweite Teil meiner Reise. Nachdem Gotland hinter mir liegt, will ich in das Grenzgebiet zwischen Schweden und Norwegen fahren, nach Dalarna und in die Provinz Värmland. Diese beiden Provinzen sind besonders waldreich und gelten als die schönsten Schwedens. Die Gegend ist sehr dünn besiedelt und es gibt sehr viele, sehr lange Schotter­strecken. Värmland ist Enduroland.

Unser erstes Ziel ist Mariefred, eine Kleinstadt am Ufer des Mälaren, der durch Schloss Gripsholm bekannt ist, das wiederum durch einen Roman von Kurt Tucholsky bekannt ist. Ich habe von allen Dreien noch nichts gehört, aber das will ich heute nachholen und mir zumin­dest das Schloss ansehen.

Als wir nach Mariefred hineinfahren, fallen uns zuerst die vielen Plakate am Straßenrand auf. "Tag des Dampfes", über­setzt Kai-Uwe für mich. Hier gibt es eine alte Eisen­bahn­strecke mit Dampf­lokomotiven, die vom örtlichen Museumsverein liebevoll betreut wird, und am Ufer des Sees ist die Anlegestelle der S/S Mariefred (SS für Steam Ship), eines historischen Dampf­schiffs aus dem Jahr 1903.

Ganz Mariefred steht heute unter Dampf und das wollen wir uns ansehen. Wir fahren am Ufer entlang durch den Ort, als plötzlich Schloss Gripsholm vor uns auftaucht. Es liegt auf einer Halbinsel gegenüber am See. Wir stehen im strömenden Regen am Ufer des Mälaren und schauen hinüber zum Schloss.

Schloss Gripsholm

Es regnet so stark, dass wir nicht einmal die Helme absetzen mögen und unsere Schlossbe­sichtigung damit buchstäblich ins Wasser fällt. Nach einigen Schnapp­schüssen sind wir fertig mit Schlossbe­sichtigen und ich beschließe auf die Verfilmung des Romans zu warten.

Nun, vielleicht gibt es am Bahnhof mehr zu sehen, wo die Museumseisenbahn von Mariefred verkehrt. Gerade als wir dort ankommen, fährt eine Dampflok unter großem Schnauben und Getöse wild fauchend auf die Strecke und ver­schwin­det in der Ferne.

Wir stellen die Motorräder vor dem alten Bahnhof ab und sehen uns um. Die Gleisanlagen der Schmalspurbahn erinnern an längst vergangene Zeiten und wir sind beide fest ent­schlossen, auf die Rückkehr der Dampflok zu warten und ein Foto zu machen.

Eisenbahn Mariefred

Nach einer ganzen Weile tritt der Stations­vorsteher in einer schmucken, historischen Uniform auf den Bahnsteig und kündigt mit wichtiger Miene die Einfahrt des nächsten Zuges an.

Gespannt halten Kai und ich die Kameras bereit und warten. Nach einigen Minuten taucht in der Ferne ein Zug auf, aber die historischen Waggons werden nicht von einer fauchenden Dampflok gezogen, sondern von einer alten Diesellok.

Diesellok Mariefred

Wir haben keine Ruhe, noch auf die Rückkehr der Dampflok zu warten und fahren lieber weiter. Wir steigen auf unsere Motorräder und verlassen Mariefred.

Auf dem Weg nach Nordwesten überqueren wir den Mälaren, den größten See Schwedens nach Vänern und Vättern. Er ist zweimal so groß wie der Bodensee, aber aus der Straßen­perspektive ist er nicht sonderlich sehenswert, eine Wasserfläche eben, von denen es in Schweden unzählige gibt.

Die Schnellstraße führt über zwei hässliche Brücken und den Mälaren nehme ich kaum wahr, was bei diesem Wetter auch kein Wunder ist. Es gießt so stark, dass ich den Aufprall der Tropfen sogar durch die dicke Endurojacke spüre. Unbeirrt ziehen wir unsere Bahn und ich bin froh, den Regenanzug anzuhaben, sonst wäre ich längst bis auf die Haut durchnässt.

Mälaren Regen Motorradfahren

Wir sind beide froh, als in der Ferne eine Statoil Station auftaucht, wo wir die Enduros volltanken und im Verkaufs­raum einen Kaffee trinken, bevor wir wieder starten.

Eine gute Stunde vor Sala wird es Zeit für Kai-Uwe, sich zu verabschieden. Er fährt zurück nach Stockholm und ich ziehe weiter durch nach Norden.

Es ist unglaublich, was Kai auf sich genommen hat: Er hat bei Regen gezeltet, ist stunden­lang im Regen Motorrad gefahren und hat sich von mir noch sein halbes Steak wegfressen lassen. Danke, alter Schwede, wir sehen uns ganz sicher wieder.

Motorradfahren Sonne Regen

Der Regen hört schlagartig auf und im selben Moment bricht die Sonne durch die schwarzen Wolken. Die Regenkombi lasse ich trotzdem an, denn von hier führt mein Weg auf einer Naturpiste durch den Wald.

Nur der orange Plastikanzug rettet mich davor, in kurzer Zeit wie ein Ferkel auszusehen, denn von den Stollenreifen spritzt schlammiges Wasser hoch und nicht alle Pfützen lassen sich umfahren. Heute Abend muss ich unbedingt die Kette schmieren, die dürfte bis dahin trockenge­laufen sein.

Schotterpiste Schweden

Kurz vor Sala mündet die Piste wieder auf die Landstraße und bald darauf erreiche ich die Stadt. An einer Shell Station tanke ich voll und fahre weiter zum nächsten Supermarkt.

Es ist erstaunlich, wie sich Entrecôte in Schweden durchgesetzt hat. Noch vor drei Jahren waren diese Steaks kaum zu finden, teuer und von mieser Qualität. Hier bei Willys gibt es fünf verschiedene Sorten von schwedisch für 28 Euro, bis zu Nebraska Premium für 40 Euro.

Ich suche mir die ansehnlichsten Stücke mit den dicksten Fettaugen aus und sehe zu, dass ich weiterkomme. Das Wetter ist schwer zu lesen und ich möchte im Trockenen aufbauen.

Zehn Kilometer hinter der Stadt liegt Silvköparens Camping. Dort habe ich schon einmal gezeltet, auf dem Rückweg vom Nordkap, und war begeistert von der prachtvollen Zeltwiese am See, die aussieht, wie aus einem Musterprospekt für Zeltcamping.

Nur bei der Anmeldung hat es beim letzten Mal Probleme gegeben, weil das Buchungs­system so kompliziert war, dass niemand es bedienen konnte, vor allem die Angestellten nicht. Pieps bekam sogar ein Eis geschenkt, weil wir ewig warten mussten und niemand in der Lage war, das Magnum Eis korrekt zu verbuchen.

Silvkoparen Camping Rezeption

Auch heute scheint es wieder ein Problem mit dem Computer zu geben: "Sorry, it's my first Day on the Job", entschuldigt sich der sympathische, junge Mann in der Rezeption, während er erfolglos tippt und klickt. Es ist unmöglich, kein Deja Vu zu empfinden.

"Sorry, I'll get Assistance", murmelt er und verschwindet, um Hilfe zu holen. Kurz darauf kommt er in Begleitung seines Supervisors zurück, einer jungen Frau, die aus jeder Pore Energie und Kompetenz ausstrahlt. Entschlossen stellt sie sich an die Maschine und zeigt dem Jungen, wie ich zu verbuchen bin.

Jeden einzelnen Bedienschritt erläutert sie, aber schon bald werden ihre Erklärungen spärlicher und das Klicken auf der Windows Maschine zunehmend verzweifelt. Das sieht nicht gut aus und was dann folgt ist keine Überraschung: "Sorry, I need Assistance."

Mit hochrotem Kopf greift sie zum Telefon und wählt die Nummer des Chief Supervisors. Mit vereinten Kräften wird geklickt, getippt, hinterfragt, gelöscht, telefoniert und supergevised, bis endlich ein kleiner Papierstreifen aus dem Drucker rollt und ich eingecheckt bin.

Die beiden entschuldigen sich noch einmal wortreich für die Wartezeit, aber ich bin überhaupt nicht böse, "That's ok, I'm on Holiday", erkläre ich gelassen, denn ich habe mich tatsächlich keine Sekunde gelangweilt. Dieses Buchungssystem hat wirklich einen enormen Unterhal­tungs­wert. Nur schade, dass es diesmal kein Eis geschenkt gibt.

Schären Badestelle

Die schöne Zeltwiese am Wasser habe ich wieder ganz für mich allein und es dauert nicht lange, bis das Zelt steht. Inzwischen scheint sogar die Sonne und es ist wieder schön warm.

Motorrad Zelt Sala

Jetzt gehe ich mit Pieps ein Eis essen. Die Auswahl in der Truhe am Empfang ist riesig und alle Sorten, die auf der bunten Eistafel stehen, sind auch vorrätig, darunter alleine sechs Sorten Kirscheis, Pieps absoluter Lieblingssorte.

Doch worauf zeigt das kleine Woll­knäuel? Auf etwas mit "Körsch"? Nein, sondern auf ein stink­normales Vanilleeis mit Schokoglasur. Wer mit Kindern reist, kennt solche Situationen.

Kinder Eis essen

Wir setzen uns eine Weile auf einen Felsen am Wasser und sehen den Anglern zu, bevor wir zurück zum Zelt gehen und uns in die Sonne legen.

Gegen Abend wird es Zeit für die Entrecôtes und ich bin begeistert von der Qualität. Die sind richtig klasse mit ihren großen, gelben Fettaugen und der Fetakäse in Öl passt perfekt dazu.

Entrecôte
 braten

Auf der Wiese gegenüber stehen Dauercamper, die bisher kein Wort rausgekriegt haben und nicht einmal richtig zurückgegrüßt habe, als ich vorbeiging, aber jetzt, gegen Abend, kommen sie allmählich aus der Höhle.

Offensichtlich haben die Camper sich im Vorzelt ordentlich Stimmung angetrunken, denn das Lachen der Dämchen wird zunehmend schriller und das der Männer prolliger. Einer lässt sich bis in die Nacht hinein immer wieder zu lauten "Ole, ole, ole, ole..." Gesängen hinreißen.

Schweden und Alkohol, eine ätzende Mischung, aber ich habe auch nicht die Energie, rüber­zu­gehen und Ruhe einzufordern. Über den Punkt sind die Typen längst hinweg.

Gute Nacht, Welt, ich lese noch ein wenig, bis ich es endlich schaffe, einzuschlafen.

zum nächsten Tag...

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Das war heute eine reine Verbindungsetappe von einem Urlaubsgebiet ins nächste, aber Spaß gemacht hat es trotzdem. Immerhin habe ich noch eine ganze Woche Urlaub. Wenn ihr einen Kommentar beisteuern mögt, dann klickt bitte hier. Ich würde mich freuen.








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