Herbstreise nach Skagen / DK
Tag 1: Kiel - Bork Havn
Tag 2: Rundtour Ringkøbing Fjord
Tag 3: Bork Havn - Thisted
Tag 4: Thisted - Skiveren
Tag 5: Skagen
Tag 6: Skiveren - Ebeltoft
Tag 7: Ebeltoft - Kiel
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Nørre Lyngvig Fyr

Die Sonne hängt noch ganz flach überm Horizont und malt hübsche Muster in die Welt, als ich im Nachthemd hinüber zum Waschhaus wandere. Frühmorgens auf dem Campingplatz und keine Sorge außer der, wo ich den ersten Kaffee bekomme. Der Inbegriff von Urlaub.

Morgens Campingplatz

Sowie wir angezogen sind, gehe ich mit Pieps zum Købmand und hole frische Brötchen und einen Topf Dänische Leberpastete. Wir frühstücken vorm Zelt in der Sonne. Ich kann mir keinen schöneren Urlaub vorstellen. Warum fahre ich eigentlich immer so weit weg?

Ich schneide die Mohnbrötchen auf und schmiere dick Leberpastete hinein. Die Brötchen sind ganz frisch und die Pastete wunderbar aromatisch dazu. Ich hab nie verstanden, warum Leute Marmelade essen. Zucker ist doch so schädlich.

Früstück draußen

Das Zelt bleibt heute stehen, es ist Jokertag, aber etwas unternehmen möchte ich doch. Ich werde die große Runde um den Ringkøbing Fjord fahren. Das sind ungefähr 100 km und eine sehr schöne Strecke.

Ich räume den Frühstückstisch ab, ziehe die Motorradsachen an und schnalle den Tankruck­sack mit dem Fotoapparat aufs Motorrad. Kurz darauf rolle ich vom Campingplatz hinunter und fahre den kalten Motor auf den ersten Kilometern behutsam warm. Stoppelfelder leuchten golden in der Herbstsonne.

Stoppelfeld im Herbst

Bei Nymindegab biege ich auf den Landevej 11 ein, der auf einem schmalen Landstreifen zwischen Nordsee und Ringkøbing Fjord die Küste hoch nach Norden führt. Am Fjord liegt gut geschützt ein Naturhafen im Schilf, in dem die V6 liegt, ein 100 Jahre altes Fischerboot. Zwischen den Fischerhütten hindurch sieht man das kleine, blau getünchte Boot munter im Wasser dümpeln. Das Boot wurde vor einigen Jahren komplett renoviert und ist heute so seetüchtig, wie eh und je. Nur dass es jetzt mit einem 30 PS Dieselmotor versehen ist.

Fischerhütten

Kurz vor Hvide Sande entdecke ich inmitten der Dünen­land­schaft ein wunderhübsches, rotweißes Bauernhaus mit Strohdach. Davor weht stolz der Dannebrog, was auf Deutsch Flagge der Dänen bedeutet.

Abelines Gaard, ist ein Hof im typischen Baustil Jütlands. Darin untergebracht ist ein Museum, das ich mir eigentlich ansehen sollte, aber heute schwänze ich und halte bloß lange genug an, um ein Foto zu machen.

Abelines Gaard DK

Die erste Stadt auf meiner Runde um den Fjord ist Hvide Sande, Heimathafen einer Fisch­fang­flotte von 40 Schiffen. Jeden Morgen um sieben Uhr findet hier die große Fischauktion statt. Ungefähr 25 Tonnen Fisch werden täglich versteigert, davon etwa 18 Tonnen Scholle und 2 Tonnen Seehecht.

Fischereihafen

Ich fahre runter zum Hafen, um vielleicht noch etwas von der Auktion zu sehen, aber ich bin zu spät. Wie ich erfahre, hätte es ohnehin nicht viel zu sehen gegeben, da der größte Teil inzwischen online gehandelt wird. Die Käufer sitzen in Dänemark, Deutschland, Holland und Spanien vor ihren Bildschirmen und bieten auf Kisten voller Fisch, der im Internet genau beschrieben wird.
*Häufig verlinke ich auf Texte in fremden Sprachen. Im Chrome Browser werden sie automatisch übersetzt, wenn ihr die Erweiterung Google Übersetzer einbindet. Dann lest ihr alles auf Deutsch. Menü: Fenster -> Erweiterungen.

Motorrad am Kai

Auf der Mole gegenüber liegt die große Eisfabrik und Pieps ist sofort völlig aus dem Häuschen, aber leider gibt es dort kein 'Körscheis', da wird lediglich Eis zum Kühlen der Fische hergestellt, das auf den Kuttern und in den Auktionshallen tonnenweise verbraucht wird.

Häfen faszinieren mich und gerade Fischereihäfen haben eine besondere Anziehungs­kraft. Es gibt immer etwas zu sehen und zu fotografieren und die Seemöwen lieben es auch, weil immer etwas für sie abfällt.

Mein nächstes Ziel ist der Leuchtturm Lyngvig Fyr etwa 7 km nördlich von Hvide Sande. Mit 53m Feuerhöhe ist er der höchste Leuchtturm Dänemarks, aber ich glaube, sie mogeln ein wenig, denn der Turm selbst ist 38m hoch, aber er steht auf einer 17m hohen Düne und kommt so auf seine Feuerhöhe. Auf jeden Fall aber ist er wunderhübsch anzusehen.

Leuchtturm Nørre Lyngvig Fyr

Mit diesem Leuchtturm verbindet mich eine besondere Geschichte, denn an seinem Fuß liegt einer der schönsten Campingplätze Jütlands und dort, inmitten der Dünenlandschaft nur wenige Schritte vom feinsten und weißesten Sandstrand entfernt, stand mein Wohnwagen. Ein riesiger Doppelachser, Typ: Schaustellers Delight, davor ein fetter Chevy Van und mittendrin und drumherum meine siebenköpfige Familie plus Hund.

In den Ferien sind wir mit dem Gespann kreuz und quer durch Europa gedüst und sonst stand der Wohnwagen auf seinem Saisonplatz in Nørre Lyngvig Camping. Die Wochenenden haben wir im Camp verbracht und mehr als einmal sind wir bei schönem Wetter quer durch die Dünen zum Leuchtturm gewandert, haben am Kiosk Eis gekauft und sind die 228 Stufen hinauf in den Turm gestiegen.

Nørre Lyngvig Camping

Wenn ich also heute mit Enduro, Zelt und Schlafsack unterwegs bin und leidenschaftlich über Dauercamper und weiße Ware schimpfe, dann möge man das mit einer Prise Salz nehmen.

Ich stelle das Motorrad am Fuß der Düne ab und wandere hinüber zum Kassenhäuschen. 50 Dänische Kronen kostet der Zutritt zum Turm, knapp 7 EUR. Ich löse ein Billet und steige die hölzerne Treppe empor auf die Düne.

Oben angekommen sind es nur wenige Schritte bis zum Leuchtturm. Die Wendeltreppe im Turm ist steil und sehr schmal. Wenn jemand entgegenkommt, steige ich in eine der Fensternischen, um ihn vorbeizulassen.

Nordseeküste Dänemark

Als ich oben ankomme, habe ich 220 Stufen gezählt, es sollten aber 228 sein. Habe ich mich verzählt? Nein, ich muss wohl die acht Stufen der Leiter dazurechnen, die hinaus auf die Galerie führt.

Ich hänge mir die Kamera um den Hals, so dass sie auf dem Rücken baumelt und klettere die senkrechte Stiege empor. Oben führt eine lächerlich kleine Luke ins Freie. Auf Händen und Knien krabbele ich hindurch nach draußen.

Ringkøbing Fjord

Hinter einem breiten Dünengürtel klatschen die Nordseewellen an den weißen Strand. Menschen, die von hier so winzig wie Ameisen sind, wuseln am Meer herum. Ein Pärchen steht auf einer Düne und macht Selfies. Ich gehe außen um den Turm herum. Gegenüber liegt der Ringkøbing Fjord.

Gedankenverloren schaue ich hinunter zum Campingplatz, als sich eine junge Else durch die Luke nach draußen zwängt. Sie ist nicht ganz schlank, aber doppelt hübsch und sommerlich angezogen: Trägertop, Jeansmini, knielange Leggings. Doch irgend etwas an ihr stimmt nicht. Zuerst komme ich nicht drauf, aber dann trifft es mich wie der Blitz: Die ist nicht tätowiert!

Misstrauisch betrachte ich ihre porzellanweiße Haut, scanne Schultern und Haxen nach den bekannten Symbolen, aber nichts: Keine Rose, kein Einhorn, kein Schmetterling, nicht einmal das Schriftzeichen No.17 im Nacken: Gebratener Reis mit Hühnerfleisch.

Wofür hält die sich? Für was Besseres? Ich hänge die Kamera um und zwänge mich wieder durch die Luke nach unten. Missvergnügt stelle ich fest, dass ich selbst nicht ganz ohne Probleme durch diese blöde Luke passe.

Ich klettere sämtliche 228 Stufen wieder herunter und gehe zurück zum Parkplatz. Meinen Helm und sogar die Jacke hatte ich auf dem Motorrad gelassen. Eines Jahres wird mir sicher etwas geklaut werden, aber nicht heute.

Søndervig, DK

Bei Søndervig verlasse ich die Küstenstraße, biege nach Rechts ins Land ab und folge der Uferlinie des Fjords in Richtung Ringkøbing. Am Ortsrand ein Superbrugsen, mein Lieblingsladen und Inbegriff eines dänischen Supermarkts.

Als ich mit dem Korb in der Hand durch die Gänge schlendere, überkommt mich einmal mehr der Eindruck, wie langweilig unsere Märkte zuhause sind. Bei meinem SKY-Markt in Kiel geht es in erster Linie um Billig. Billig können sie. Jedes Prospekt schreit: Wir sind die Billigsten.

Warum heißt es nie: Wir sind die Besten! Wir haben die leckersten und die ausgefallensten Sachen? Die müssen sich wirklich bald etwas einfallen lassen. Ich brauche kein Entrecote für 19,90 pro Kilo, dass zäh wie Suppenfleisch ist, sondern ich will Black Angus Beef und Koteletts vom Iberico Schwein. Das bin ich mir wert. Dafür fahre ich ein lächerlich billiges Motorrad, einen winzigen Smart und wohne in einem möblierten Zimmer. Mein Geld gebe ich aus für Klamotten, Essen, Wein und Bücher. Und Schuhe natürlich...

Zum Mittagessen hole ich uns etwas aus der heißen Theke. Der Blick durch die Scheibe ist wie Kino. Wenn sie nicht so heiß wäre, würde ich mir die Nase daran plattdrücken. Pieps und ich müssen keine Sekunde lang überlegen: "Ein Ribbensteg bitte. Das da in der Mitte, das knusprige."

Zufrieden packe ich die Thermotüte mit dem heißen Braten in unseren Korb und wandere weiter zum Frischetresen. Für heute Abend kaufe ich uns eingelegte Svinekoteletter und dazu für mich einen halben Liter Rotwein. Für Pieps hole ich Nussecken vom Bäcker.

Den Braten essen wir draußen auf dem Parkplatz gleich aus der Tüte. So gut es geht, schneide ich mit dem Messer kleine Stücke davon ab. Eine Gabel haben wir nicht und es wird eine riesige Schweinerei, aber eine schöne. Das muss ich zuhause unbedingt nachkochen. Pieps und ich sind rundherum zufrieden, als wir aufs Motorrad steigen und weiterfahren.

Im Zentrum von Ringkøbing halte ich an einer SHELL-Station und lasse das gute V-Power 99 einlaufen. Ich sage zwar nichts dazu, aber die Smørrebrøds sollen nicht denken, ich hätte das eine fehlende Oktan nicht bemerkt. Wehe da klopft was, oder die Ventile klingeln.

Skjern Enge Wasservögel

Von hier sind es noch 45 Kilometer bis zum Camp. Die Strecke auf dieser Seite des Fjords ist zuerst ein wenig eintönig, aber dann komme ich an die Skjern Enge, ein Vogelreservat für Wassevögel aller Art. Ich halte an für ein Foto, aber heute sitzen mehr Birdies mit langen Brennweiten im Schilf als Seevögel.

Fünf Stunden waren wir von Zuhause weg, als ich den Motor abstelle und die Enduro neben dem Zelt auf den Seitenständer stelle. Ich verstaue die Einkäufe im Zelt, nehme Pieps an die Hand und mache mich auf zum Købmand, Kaffee und Nussecken holen.

Mit einem Becher Kaffee und einer Tüte Nussecken schlendere ich hinunter zum Hafen und setze mich vor der Hütte des Hafenmeisters auf eine Bank. Der Kaffee ist ein bisschen dünn, aber die Nussecken sind wirklich klasse.

Zufrieden blicke ich aufs Wasser. Ein winziger blauweißer Fischkutter läuft mit tuckerndem Motor in den Hafen ein und an einem Steg direkt vor mir macht ein Fischer sein Boot zum Auslaufen fertig.

Fischerhafen

Vielleicht sind das die letzten schönen Tage in diesem Jahr, denke ich, während ich das Gesicht in die Herbstsonne halte. Ich werde Claudia eine SMS schreiben. Ich nehme mein Handy und stoße zwei Einträge hinter Claudies Nummer auf die meines Papas. Zuletzt hatte ich ihn aus Litauen angerufen und begeistert von meinem Urlaub erzählt. Nun ist er tot.

Was macht man eigentlich mit Telefonnummern von Verstorbenen? Ich meine, was ist die empfohlene Vorgenensweise? Löscht man sie sang- und klanglos aus dem Adressbuch, oder lässt man sie drin? Ruft man vieleicht nach einem Jahr dort an, um zu hören, wer jetzt unter dieser Nummer zu erreichen ist?

Hagebutten

Gedankenverloren wandere ich am Wasser entlang zurück zum Campingplatz, vorbei an Hecken voll praller Hagebutten, die so typisch sind für Dänemark und die Küste.

Den Nachmittag verbringe ich lesend, schreibend und dösend am Zelt, während Pieps auf dem Spielplatz ist und dort vermutlich die anderen Kinder ärgert. Sie kommt mir manchmal vor, wie eine Mischung aus Pippi Langstrumpf, Ronja Räubertochter und Catwoman. Wenn überhaupt jemand auf sich selbst aufpassen kann, dann ist das Pieps und solange keine wütenden Eltern bei mir ankommen, ist alles in Ordnung.

Eicheln

Irgendwo auf der Welt ist es sicher schon 17 Uhr, denke ich zufrieden und öffne die Flasche Rotwein. Ich werde nachher einfach die Koteletts in die Pfanne hauen, dann kommt Pieps früher oder später von allein zurück. Meistens früher.

Tatsächlich liegt das erste Kotelett kaum auf dem Teller, als eine gewisse Maus eilig um die Ecke biegt und Sekunden später auf dem Tisch steht. "Kättwumm hat Hunga!", verkündet sie und sieht mich aus großen Augen an, während ich das Fleisch kleinschneide.

Die eingelegten Svinekoteletter sind leider sehr mager, nicht der kleinste Fettrand ist daran zu entdecken. Sie schmecken trotzdem erstaunlich gut, aber in Zukunft muss ich wirklich besser aufpassen beim Einkaufen.

Schweinekotelett ohne Knochen

Morgen fahre ich weiter nach Norden. Es gibt einen schönen Campingplatz in Thysted, direkt oben auf dem Steilufer. Da will ich mein Zelt aufschlagen. In der Gegend war ich noch nie. Skagen werde ich erst in drei Tage erreichen. Ich habe es nicht eilig.

zum nächsten Tag...

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Die Tour um den Ringkøbing Fjord macht Spaß. Man darf Dänemark nicht an seinen Kurven messen, auf die Idee käme bei der Route 66 schließlich auch niemand.

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Ich freu mich doch immer so auf eure Meinungen und Kommentare.








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