Herbstreise nach Skagen / DK
Tag 1: Kiel - Bork Havn
Tag 2: Rundtour Ringkøbing Fjord
Tag 3: Bork Havn - Thisted
Tag 4: Thisted - Skiveren
Tag 5: Skagen
Tag 6: Skiveren - Ebeltoft
Platzhalter Motorradreise Skagen
Platzhalter Motorradtour Dänemark
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Platzhalter Dänische Speisekarte Fischrestaurant
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Skagen

Mitten in der Nacht wache ich frierend auf. Meine Güte, ist mir kalt. Das Thermometer im Zelt steht bei 5.1°C. Ich nehme das Thermo-Inlet, ziehe es in den Schlafsack ein und winde mich bibbernd hinein. Mir wird schnell wieder warm und ich schlummere selig weiter. Pieps hat von der ganzen Aktion nichts mitbekommen. Mäuse...!

Tautropfen auf einem Zelt

Als ich am Morgen aus dem Zelt krabbele ist es außen voll winziger Tautropfen, die in der aufgehenden Sonne funkeln wie Perlen. Schön ist das, besonders im frühen Streiflicht. Ganz hingerissen nehme ich die Kamera und schieße ein Foto, bevor der Moment vorüber geht.

Der Købmand auf dem Platz hat gestern etwas von Kaffee und Brötchen gesagt, mal sehen, was er hat. Ich wandere nach vorne zur Schranke und gehe in den platzeigenen Supermarkt. Der selbe Mann wie gestern steht am Counter.

"God morgen", sage ich und versuche es richtig auszusprechen.
"Kannst du mir ein Kaffee kochen?"
"Ja, wieviel möchtest du?"
"Zwei Becher und noch drei Dänische Brötchen."

Ich kaufe ein halbes Pfund gesalzene Butter dazu und erfahre nebenbei, dass Dänische Brötchen in Dänemark nur Brötchen heißen. Komisch, bei uns heißen sie Dänische Brötchen und in Kiel gibts die bei jedem Bäcker. Versteh' einer die Smørrebrøds.

Er stellt alles in einen Kuchenkarton, den ich vorsichtig, ganz vorsichtig, zurück zum Zelt balanciere. Nicht ein Tropfen ist übergeschwappt, als ich das Tablett abstelle. Ich decke uns einen Frühstückstisch wie aus der Rama-Reklame, nur dass wir gute Butter haben, und schneide die Brötchen auf.



Es ist unglaublich, wie lecker solch ein einfaches Frühstück sein kann. Bloß die dänischen Brötchen, die hier nur Brötchen heißen, und gute Butter. Kein Fleisch, keine Marmelade, keine Kalorien. Ein Gesundfrühstück und trotzdem so lecker. Das macht die Nordseeluft, denke ich, und streiche noch ein wenig Butter auf den Blätterteig.

Picknick

Nach dem Frühstück schnalle ich den Tankrucksack auf und mache die Enduro startklar. Heute ist unser Skagentag und als erstes wollen wir uns Råbjerg Mile ansehen.

Råbjerg Mile ist eine Wanderdüne auf Skagens Odde, der 6 km breiten Landzunge, an deren Ende Skagen liegt. Sie ist 40 m hoch und bedeckt mehr als einen Quadratkilometer Land. Nichts, was man gerne im Vorgarten haben möchte.

Motorradfahrer mit Helm

Vom Campingplatz sind es 18 km bis Råbjerg Mile. Es ist Sonntagmorgen und der Parkplatz am Fuß der Düne ist gut besucht. Wie Ameisen klettern einzelne Touristen auf dem gewaltigen Sandberg herum.

Die Düne wandert jedes Jahr etwa 15 m weiter und es gibt Schätzungen*, wonach sie im Jahr 2130 die Landstraße nach Skagen erreichen und 30 Jahre später in der Ostsee verschwinden wird. Was immer sich diesem Sandmonster in den Weg stellt, wird zugesandet.
*Quelle: Wikipedia.

Raberg Mile Sanddüne

Ich stelle die Enduro neben einem Toyota mit französischen Kennzeichen ab und wandere auf dem Trampelpfad zum Beginn der Düne. Langsam, einen Fuß vor den anderen setzend, stapfe ich in meinen Motorradstiefeln den Abhang hinauf. Auf drei Schritte rutsche ich einen Schritt zurück. Ich bin noch nicht einmal halb oben, als ich die Motorradjacke ausziehe und über den Arm lege. Die Windjacke folgt fünfzig Schritte später.

Es ist ein tolles Gefühl, auf diesem monumentalen Sandhaufen herumzuklettern. Mit etwas Fantasie fühlt man sich in die Sahara versetzt. Ich würde gerne davon berichten, wie Råbjerg Mile damals Drehort für Dune - Der Wüstenplanet gewesen ist, aber das war sie nicht und deshalb gibt es nichts weiter zu erzählen.

Sanddüne Raberg Mile

Außer Einem vielleicht: Dem Blick von oben. Während man mühsam den Sand hinauf astet, hat man keine Vorstellung davon, was auf der anderen Seite zu sehen ist, aber es muss etwas Gewaltiges sein, etwas Beeindruckendes, eine dramatische Steilküste vielleicht, die zur Nordsee hin abbricht. Nein, das ist es nicht. Die Nordseeküste ist kaum ein Glitzern am Horizont und dazwischen liegen viele kleinere Dünen, etwas Heide und jede Menge Nichts.

Blick von Råbjerg Mile

Råbjerg Mile war touristischer Beifang, eine Sehenswürdigkeit, die am Wegesrand lag, was mich wirklich interessiert ist Den tilsandede Kirke, The burried Church, die im Sand begrabene Kirche. Die Skagener Kirche St. Laurentius wurde um das Jahr 1300 aus Backstein errichtet. Die Ziegelsteine kamen aus Holland und aus Lübeck. Skagen war damals eine große und blühende Stadt inmitten von Äckern und Wiesen.

Etwas später geschah eine Kleine Eiszeit. Das kalte Klima führte global zur Eisbildung und der Meeresspiegel sank um etwa 10 cm. Dieser geringe, im Grunde zu vernachlässigende Unterschied führte dazu, dass an den Küsten größere Flächen Strand dem Wind ausgesetzt waren.

Etwa um 1770 erreichten die Ausläufer der Wanderdüne Kirkemile, vermutlich ein Kumpel von Råbjerg Mile, die Friedhofsmauer um die Kirche. Man schaufelte und fegte den Sand einfach beiseite. Lästig, aber keine Bedrohung, allenfalls eine kleinere Unannehmlichkeit.

Kirkemile aber hatte nicht Råbjerg Miles gemütliches Wesen, sondern bewegte sich eroberungslustig mit 45 m pro Jahr durchs Land. Bereits 1775 konnte der Eingang der Kirche nur noch durch ständiges Sandschaufeln freigehalten werden und 20 Jahre später, an einem Sonntag, war die Kirche nicht mehr zu retten.

Hans Christian Andersen erzählt von diesem Tag in seinem Märchen Eine Geschichte aus den Sanddünen:

Råbjerg Mile Am folgenden Morgen war Sonntag, die Gemeinde und der Pfarrer begaben sich zum Gottesdienst. Der Weg zur Kirche war mühsam gewesen, der Sand hatte den Weg fast ungangbar gemacht, und jetzt, da sie endlich am Ziel waren, lag ein großer Sandhügel hoch aufgetürmt vor dem Eingang zur Kirche, die Kirchentür war verschüttet.

Der Pfarrer sprach ein kurzes Gebet und sagte, Gott habe die Tür dieses seines Hauses verschlossen, die Gemeinde müsse zurückkehren und dem Herrn anderswo ein neues Haus errichten. So sangen sie ein Psalmlied unter freiem Himmel und wanderten zurück in die Häuser.


Im Jahr 1795 wurde St. Laurentius von Christian VII., König von Dänemark und Norwegen, endgültig geschlossen. Der Friedhof wurde noch bis 1810 genutzt, danach lag er selbst begraben unter dem Sand von Kirkemile. Der Turm der ehemals roten Backsteinkirche wurde weiß getüncht und diente fortan als Seezeichen für die Schiffe, die an der gefährlichen Küste entlang segelten.

Die versandete Kirche

Vom Parkplatz geht man etwa einen halben Kilometer durch ein lichtes Wäldchen über Sandwege, bis Den Tilsandede Kirke zwischen den Dünen auftaucht. Der erste Eindruck ist, dass die Kirche erstaunlich gut erhalten aussieht. Ich gehe näher heran, weil ich die Stelle sehen will, wo der Turm aus dem Sand ragt.

Die versandete Kirche

Der Turm steckt tatsächlich fest in der Düne. An der Stelle in der Mauer, wo vor 200 Jahren ein großes, bleiverglastes Kirchenfenster saß, wurde ein Zugang gemauert. Das Tor steht offen und eine Holztreppe führt einige Stufen hinunter bis auf den Boden der Kirche. Von hier kann man auf einer Wendeltreppe nach oben in den Kirchturm steigen.

Die versandete Kirche

Der Turm ist bereits voller Paare und Kinder und manche entblöden sich nicht, sogar ihre Hunde - am besten gleich zwei - mit in den Turm zu nehmen. Es gibt bessere Tage, als den Sonntag für einen Besuch der versandeten Kirche.

Ich verzichte auf die Innenansicht und wandere zurück zum Sandparkplatz, wo mein Motorrad steht. In einem Kiosk werden Eis und Andenken verkauft. Pieps wünscht sich ein grell pinkes Wassereis, das so künstlich aussieht, dass es mich schüttelt, aber eine gewisse Maus ist entzückt. In einer Vitrine stehen winzige Gipsmodelle der versandeten Kirche und ich kaufe eines davon für meine Claudia.

Jetzt sind es nur noch ein paar Kilometer bis in die Innenstadt von Skagen. Ich fahre durch bis zum Hafen und stelle die Maschine irgendwo ab, wo sie nicht stört. Meinen schönen neuen Helm stülpe ich über den Rückspiegel, nehme den Fotoapparat und gehe im Hafen­gelände auf Entdeckungsreise.

Skagen Fischerhütten am Hafen

Auf dem Kai des Sportboothafens stehen die ehemaligen Pack- und Auktionshäuser der Fischer. Heute sind in den malerischen roten Holzhäusern überwiegend Fischrestaurants untergebracht. Im Zeitlupentempo schlendere ich an den verschiedenen Restaurants vorbei. Die Gerichte sind auf hohen Tafeln in Kreide angeschlagen.

Die Auswahl ist unglaublich. Was immer Nord- und Ostsse hergeben, wird hier frisch vom Kutter serviert. Besser wird man wohl nirgendwo Fisch essen können. Man sitzt direkt auf dem Pier ohne jedes schickimicki Kellnergedöns und die Preise sind völlig in Ordnung.

Skagen Fischrestaurant am Hafen

Ein Gericht möchte ich schon lange einmal probieren: Stjerneskud, das bedeutet Sternschnuppe. So ganz genau weiß ich nicht, was es ist, aber ich mag den Namen und es sieht immer sehr hübsch aus.

Das Gericht steht bei jedem der Fischrestaurants auf der Tafel. Ich trete an die Luke von Havnens Fiskehus Skagen und bestelle einmal Stjerneskud und ein Nordic Øl. Fisch muss schwimmen, denke ich. Die Frau gibt mir einen kleinen Diskus, der Signal geben soll, wenn das Essen fertig ist und abgeholt werden kann.

Gedankenverloren nippe ich an dem kalten Carlsberg, als der Diskus wie wild zu vibrieren, zu blinken und zu piepen beginnt. Er macht eine richtige Show. Ich gehe an die Futterluke und tausche den Diskus gegen einen Teller mit dem kunstvoll angerichteten Essen.

Stjerneskud

Stjerneskud ist eine skandinavische Spezialität, bei der auf einem Smørrebrød zwei Schollen­filets angerichtet sind, darüber Cocktailsauce, Krabben, etwas Kaviar und Spargelabschnitte, oben drauf frischer Dill. Die Mischung aus frittiertem Fisch, kühler Mayonnaise, Krabben und Spargel fühlt sich im Mund ganz wunderbar an. Gerade wenn man glaubt, sich den Gaumen zu verbrennen, kommen die kühle Sauce und der Spargel ins Spiel. Und die Krabben und der salzige Kaviar geben noch einmal ihr besonderes Aroma dazu. Ich bin hingerissen und lasse am Ende nur das krause grüne Blatt und die Serviette übrig.

Bevor ich zurück ins Camp fahre, steht noch ein Besuch am dänischen Nordkap an, wo die Wellen der beiden Meere aufeinandertreffen. Wer sich die Mühe macht und bis ganz ans Ende der Landzunge wandert, kann mit einem Fuß in der Nordsee und dem anderen in der Ostsee stehen.

Skagen Grenen

"Wo Svenja nicht hinfahren darf, das besichtigt sie auch nicht", lautet einer meiner liebsten Sinnsprüche, der mir prompt einfällt, wenn ich keine Lust zum Laufen habe und so reicht mir ein Blick aus der Ferne.

Auf dem Rückweg in den Ort hinein komme ich an drei Leuchttürmen vorbei. Der erste ist Skagen Vippefyret, das Wippenfeuer. Etwa 1627 hat man einen Feuerkorb mit einem Wippengestell in den Himmel gehievt, damit es für die Schiffe sichtbar wurde. Der primitive Leuchtturm hat hundert Jahre lang Unmengen von Brennholz verschlungen und damit einen erheblichen Anteil an der Versandung der Gegend, denn es wurde alles abgeholzt, was als Brennmaterial geeignet war.

Skagen Fyr

Nur ein paar Schritte vom Vippefyret entfernt steht sein Nachfolger, Det Hvide Fyr. Er wurde schon mit Kohlen und später mit Öl befeuert. Heute ist darin ein Museum untergebracht.

Skagen Fyr

Der letzte ist Grå Fyr, der Graue Leuchtturm aus dem Jahr 1858, der heute noch im Einsatz ist. Von seiner Spitze aus soll man einen sagenhaften Blick auf Grenen haben, bloß leider wird der Turm gerade renoviert und ich darf nicht hinauf.

Skagen Leuchtturm

Durch das sommerliche Skagen fahre ich zurück in die Stadtmitte und suche mir einen Super Brugsen, wo ich etwas Fleisch und Bier fürs Abendessen besorge.

Dit Smørrebrød Skagen

Es ist ein schönes Gefühl, aus dem "großen Skagen" mit seinen mehr als 8000 Einwohnern wieder hinaus in die Wildnis zum Campingplatz zu fahren. Die letzten Kilometer durch die wilde Heidelandschaft bin ich mit Greeny ganz allein auf der Straße.

Motorrad auf einer Nebenstraße

Zurück im Camp tausche ich die Motorradhose gegen einen Mini und die Daytonas gegen Ballerinas. Pieps und ich legen uns auf der Isomatte in die Sonne und ich lese uns aus dem ersten Band Harry Potter vor. Die kleine Maus ist fasziniert von Ron und Harry, von Hermine, Dumbledore und dem sprechenden Hut und natürlich möchte sie später auch einmal nach Hogwarts gehen.

Kinder sind so voller Träume und wer bin ich, sie zu zerstören? Unsere Welt ist voller Zauber mit Greeny Pieps und Svenja auf Reisen. Wir erleben auch unsere Abenteuer, schlafen im Zelt, fahren Motorrad, haben großen Spaß, sehen schöne Dinge, fremde Orte und manchmal fürchten wir uns auch, aber das gehört zu jeder Reise dazu.

Uns ist nie langweilig und wenn, dann ist das nur für einen Moment und ich weiß, dass wir gerade die ultimative Erholung genießen, so wie auf der Insel Saaremaa in Estland, wo wir so schöne Tage im Sommer verbracht haben.

Manchmal frage ich mich, ob es jetzt besser oder schlechter, schöner oder weniger schön wäre, wenn noch ein weiterer Mensch dabei wäre. Man würde pausenlos reden, sich dauernd bei allem abstimmen und besprechen. Ich würde sicher weniger Zeit für mein Tagebuch haben und vielleicht weniger Fotos machen. Dafür könnten wir uns gut unterhalten, aber das muss nicht so sein. Nein, so wie es ist, ist es gut. Außerdem hab ich schon mit Pieps alle Hände voll zu tun.

Am Beginn von Kapitel 11, wo es um das Quidditch Match zwischen Gryffindor und Slytherin geht, lege ich das Kindle beiseite. Zeit fürs Abendessen. Im Super Brugsen habe ich uns einen kompletten Ribbensteg besorgt. Den decke ich zum Abendbrot auf und kurz darauf sitzen wir in der untergehenden Sonne und mampfen den knusprigen Braten in uns hinein.

Picknick

Die Abendsonne steht tief über dem Platz und taucht mit ihren letzten Strahlen die knorrigen Kiefern in ein goldenes Licht. Morgen werden wir das Lager abbrechen und die Ostseeküste entlang zurück nach Süden wandern.

Herbstliche Kiefer in Dänemark

Minuten später ist der letzte Sonnenstrahl verschwunden und die Wärme des Tages verschwindet im Nu über den klaren Himmel im Weltraum. Pieps und ich putzen unsere Zähne, ziehen unsere Nachthemden an und verschwinden im Schlafsack. Wir sind beide gespannt, wie es in Kapitel 11 weitergeht und ob Harry den blöden Malfoy im Quidditch besiegen wird.

zum nächsten Tag...

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Es ist weit bis dort oben an die Spitze Dänemarks, aber Skagen ist unbedingt einen Besuch wert. Ich hab' viele Fotos gemacht, hoffentlich sind sie was geworden...

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Ich freu mich doch immer so auf eure Meinungen und Kommentare.








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Svenja Svendura EndurowandernMade by Svenja Svendura on Apple iMac with Panic Coda and Photoshop Elements.