Reise in die Bretagne
Tag 1: Kiel - Lörrach
Tag 2: Lörrach - Langres
Tag 3: Langres - Gien
Tag 4: Gien - Saumur
Tag 5: Saumur - Pontorson
Tag 6: Mont Saint Michel
Tag 7: Cancale - Trébeurden
Tag 8: Lannion - Brest - Chateaulin
Tag 9: Chateaulin - Concarneau
Tag 10: Pont Aven - Südbretagne
Tag 11: Salzgärten von Guérande
Tag 12: Saint-Nazaire - Surgères
Tag 13: Cognac - Jumilhac-le-Grand
Tag 14: Jumilhac-le-Grand
Tag 15: Jumilhac-le-Grand - Murol
Platzhalter Motorradreise Bretagne
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Die Stadt im Salz

Für heute Morgen hatte ich Frühstück bestellt, aber als ich beim Restaurant ankomme, stehe ich vor verschlossenen Türen. "Looks deserted", bemerkt ein englischer Herr, der ebenfalls wartet. Zum Glück bin ich gestern schon mit Koteletts an Bord hier gelandet und habe mich nicht darauf verlassen, am Platz etwas zu bekommen.
Platzhalter Svenjas Camp Rule No. 9: "Verlass dich nie auf das Restaurant am Camping­platz. Hab immer alles selbst dabei!"

Geschlossenes Restaurant

Ich gehe zurück zum Zelt, ziehe die Motorradsachen an und starte die Maschine. Heute wollen wir die Salzgärten der Bretagne besuchen, wo das berühmte Fleur de Sel gewonnen wird, das ich mir so gerne aufs Entrecôte streue.

Mein erstes Ziel ist Guérande, die Stadt im Salz. Hier laufen seit dem Mittelalter sämtliche Fäden des Geschäfts mit dem Meersalz zusammen, Ernte und Handel ebenso wie der Verkauf von Souvenirs und der gesamte Tourismus rund ums Salz.

Die mittelalterliche Stadtmauer um das Zentrum von Guérande herum ist vollständig erhalten. Vier Tore gibt es, durch die man hineinfahren könnte, aber das wäre idiotisch, weil die Gassen so eng und Parkraum knapp ist. Nein, diesen Ort möchte ich zu Fuß erkunden.

Guérande Innenstadt

Ich stelle Greeny vor dem Porte Vannetaise ab und schlendere mit neugierigen Augen durch das schmale Tor ins mittelalterliche Zentrum hinein. Es ist verblüffend, wie gut erhalten und gepflegt die französischen Kulturschätze sind.

Guérande Innenstadt

In einer der bunten Gassen entdecke ich eine Boulangerie, in der auch Kaffee ausgeschenkt wird. Eine Seltenheit in Frankreich. Ich bestelle Croissants, einen Croque Monsieur, einen Babyccino für Pieps und für mich Kaffee. Zufrieden stellen wir uns an einen Tisch im Fenster und sehen dem Treiben draußen zu.

Beim Bäcker

Croque Monsieur: Zwei mit Gruyère Käse über­backene, oder gebratene Toastscheiben mit viel zuviel Butter, belegt mit Kochschinken und Käse, mitunter mit etwas Sauce Béchamel. Eine unglaublich leckere Schweinerei. Pieps und ich lieben sie.

Viele der kleinen, hübschen Läden öffnen jetzt. Markisen werden hervorgekurbelt, Gehsteige werden gefegt und Stühle herausgestellt. Ein junger Mann schreibt das Menü des Tages mit Kreide auf eine Tafel. Die Tür eines Salzladens wird geöffnet und im Verkaufsraum das Licht eingeschaltet. Die Stadt im Salz erwacht.

Terre de  Sel

Schon am Mont Saint Michel war es mir aufgefallen und auch in Concarneau war es nicht zu übersehen: Bei allem Kommerz, allem Tourismus und allem Trubel scheint es eine strenge Choreographie für die Gestaltung der mittelalterlichen Stätten zu geben: Keine Handyläden, keine 1-Euro-Shops und keine der großen Ladenketten. Jedes Geschäft ist auf seine Weise stilvoll und einzigartig. Es gibt nur wenig unmittelbare Konkurrenz.

Es fahren kaum Autos in Guérande und es ist ein wahrer Genuss, in Ruhe die Geschäfte und ihre Auslagen zu bewundern, ohne dass geparkte Wagen den freien Blick fürs Auge und die Kamera stören. Welch ein wunderhübscher Ort Guérande ist.

Conserverie

Allmählich wird mir warm in den Motorradsachen und ich möchte weiterfahren. Bevor ich mir aber die Salzgärten ansehe, möchte ich nach Le Croisic fahren. Der malerische Fischerort liegt an der Südspitze der Halbinsel Kervenel, dort wo zweimal täglich frisches Meerwasser mit den Gezeiten in die Salinen fließt.

Die Fahrt von Guérande nach Le Croisic dauert bloß wenige Minuten. Der dichte Verkehr allerdings ist erstaunlich. Reisebusse, LKW und Lieferwagen quälen sich ebenso in den kleinen Ort, wie die Autos der Sommerfrischler, Greeny und ich. Dabei ist die Halbinsel eine Sackgasse. Von hier geht es nicht mehr weiter.

le Croisic Bretagne

Das Motorrad stelle ich neben einem Poller am Hafen ab. Mit der Jacke überm Arm flaniere ich die Hafenpromenade entlang. Die erste Reihe der Häuser blickt direkt aufs Wasser. Cafés und Restaurants von einfach bis nobel wechseln sich ab mit Eis- und Souvenirläden. Viele Menschen spazieren auf dem Quai de Lenigo entlang. Die Restaurants füllen sich.

Schon bei der Planung zuhause in Kiel hatte ich mich auf die Salzgärten der Bretagne gefreut und jetzt will ich sie endlich sehen. Ich steige aufs Motorrad und fahre aus Le Croisic hinaus zu den Salinen.

Zwischen Guérande und Le Croisic erstrecken sich die Marais Salants de Guérande, die Salzsümpfe der Guérande. Die flachen Becken der Salinen werden von der Flut mit frischem Meerwasser versorgt. Die Paludiers, die Salzbauern, betreiben ein ausgeklügeltes System verschiedener Becken, in denen das Wasser durch Sonne und Wind verdunstet und der Salzgehalt sich allmählich erhöht.

Mit Geschick und Erfahrung leiten sie das hochkonzentrierte Salzwasser schließlich ins Erntebecken, wo feine Salzkristalle auf der Oberfläche ausflocken und mit großen Rechen behutsam geerntet werden. Das beste und feinste, das weißeste und wertvollste Salz nennt sich Fleur de Sel, Blume des Salzes.

Salzbecken in der Bretagne

Ein Geflecht von Straßen und Wegen führt mitten durch die Salinenlandschaft. Nichts ist beschildert, oder auf irgendeine Weise mit Namen, oder Nummern versehen. Ich wüsste nie, welches Becken meines ist, aber ich bin auch kein Paludier. Die kennen ihre Becken genau.

Das meiste, das ich über das Geschäft mit dem Salz weiß, habe ich aus Bretonisches Gold, wo mein Kollege Dupin genau hier, zwischen den Salzbecken, ermittelt. Dennoch ist es kaum zu fassen, dass aus dieser sumpfigen Jauche am Ende einmal das schneeweiße, reine Fleur de Sel gewonnen wird.

Eine salzige Schwüle liegt über den Salzsümpfen und als ich mir über die Lippen lecke, schmeckt es salzig. An einem der Becken holt ein Paludier seine Ernte ab. Mit einer Schaufel füllt er das Salz in einen weißen Sack. Daneben steht ein Renault Kangoo mit weit offenem Laderaum.

Paludier bei der Salzernte

Auf den schmalen Laufstegen zwischen den Becken liegen kleine Salzhaufen zum Trocknen in der Sonne. Frisch geerntetes Meersalz, das auf Planen aufgeschichtet darauf wartet, verpackt, abgeholt und verkauft zu werden.

Neben einem Becken liegt eine besonders große Salzpyramide, sicher einen Meter hoch. Ich lasse das Motorrad stehen und wandere durch die Wiesen zu dem Becken. Hier bin ich mitten zwischen den Salinen, tief im Salz. Weit und breit ist keine Menschenseele zu sehen.

Salzernte großer Haufen Salz

Viele Paludiers sind inzwischen in Genossenschaften organisiert und die größte ist Terre de Sel. Auch das weiß ich von meinem Kollegen Dupin, der das im Rahmen seiner Ermittlungen in Erfahrung gebracht hat. Terre de Sel betreibt ein großes Besucherzentrum am Rand der Salinen. Ich hatte meiner Freundin Funny versprochen, ihr ein Päckchen Salzkaramell mitzubringen und hier werde ich es kaufen. Frischer und näher dran am Salz geht nicht.

Terre de Sel Besucherzentrum in der Bretagne

Das Besucherzentrum sieht von innen aus wie eine Mischung aus Museumsshop und Baumarkt. Kleine Andenken warten auf Käufer ebenso wie 5 und 10 Kilo Säcke voller Salz. Ich nehme eine hübsche Blechdose mit Salzkaramell aus dem Regal und für mich selbst eine handliche Salzmühle mit grobem Mühlensalz.

Fast hundert Kilometer bin ich gefahren, das ist eine Menge für einen Jokertag und für heute will ich Feierabend machen. Pieps wird allmählich quengelig. Auf dem Rückweg ins Camp mache ich Halt bei einem großen Carrefour Markt, den ich mir auf dem Hinweg gemerkt hatte. Aber was ist das? Der Laden ist geschlossen. Heute morgen war er doch geöffnet.

Geschlossener Supermarkt

Ich fahre näher an den Eingang heran. Sämtliche Türen sind verrammelt, so als wenn die nie wieder aufmachen: Mittagspause von 12 - 14.30 Uhr. Die sind einmalig, die Franzosen. Das ist doch kein kleiner Tante Emma Laden.

Es ist kurz vor zwei und ich beschließe zu warten. Geduld ist zwar nicht meine Stärke, aber ich will nicht noch einmal losfahren müssen. Nach einer halben Stunde, die sich wie zwei Doppelstunden Verwaltungsrecht bei Döding anfühlen, erwacht Carrefour wieder zum Leben.

Pieps wünscht sich Bratwurst und ich kaufe einen ganzen Strauß Saucisses de Provencale, dazu zwei kleine Speckseiten. Eine für gleich und eine für morgen on-the-road.

Ich heize die letzten Kilometer zurück nach Hause und freu mich, als ich in mein sauber aufgeräumtes Zelt komme. Jedes Stück liegt fein säuberlich an seinem Platz. So mag ich es und deshalb fühle ich mich wohl auch so zuhause.

Es ist ein heißer Frühlingstag für Mitte Juni. Sowie ich die Motorradsachen gegen Rock und Top getauscht habe, schnappe ich mir den Waschbeutel und gehe duschen. Der frühe Nachmittag ist perfekt dafür. Die anderen Camper sind irgendwo unterwegs und das frisch geputzte Waschhaus scheint nur darauf zu warten, dass Pieps und ich es in eine Hölle aus Haaren, Dampf und Seifenschaum verwandeln.

Eine halbe Stunde später hängt unser Handtuch zum Trocknen in der Sonne, während ich den Picknicktisch decke. Pieps ist verrückt nach Picknicks und ich bin es auch. Ich breite die karierte Decke aus, die Claudie mir zu Weihnachten genäht hat, legen den Teller drauf und stelle ein Fläschchen Dijonsenf und die neue Salzmühle dazu.

Karierte Picknickdecke

Der Speck ist salzig und fett und lecker. Mit dem Messer säbele ich derbe Scheiben herunter, die wir uns abwechselnd in den Mund stecken. Auf Wunsch einer einzelnen Maus gibt es dazu Zitronenbrause.

Nach dem Essen mache ich die letzten Eintragungen ins Tagebuch und vertiefe mich danach in den ersten Band der Steampunk Chronicles. Die süße Finley Jayne ist übermenschlich stark und in Verbindung mit ihrer aggressiven Kämpfernatur erlebt mancher eine herbe Überraschung, der sich der süßen Finley gegenüber Frechheiten erlaubt. Eine Geschichte um Liebe und Freundschaft, um Verlust und Verzeihen, aber mit jeder Menge brutaler Action dazwischen.

Mit einem Auge habe ich Pieps im Blick, die nebenan über den Spielplatz tobt. Gerade hat sie den Monstertruck aus Jurassic Park entdeckt, einen total coolen Nachbau für Kinder. Sie kreischt vor Freude und pflanzt sich hinters Steuer des großen Geländewagens.

Hoffentlich kommt jetzt kein anderes Kind, denke ich. Wenn es dem Spielgerät zu nah kommt und dabei auch nur einen begehrlichen Seitenblick auf das bunte Plastiklenkrad wirft, dann kann ich später wieder mit einer wütenden Mutter aus Holland oder England diskutieren, die ein plärrendes Kind im Arm hält. Pieps ist ein wenig wie Finley, nur das es ihr hinterher nicht leid tut, was sie angerichtet hat.

Abendessen am Zelt

Der Nachmittag verläuft friedlich. Kein Kind und kein Camper stören unsere Kreise. Gegen Abend brutzele ich uns die lecker gewürzten Bratwürste der Provence und gönne uns einen kleinen Ziegenkäse zum Nachtisch.

Morgen früh fahren wir weiter und verlassen die Bretagne. Wir werden auf den Spuren von Monsieur Hulot wandeln und uns ansehen, wo er seine Ferien verbracht hat.

Aber das ist eine Geschichte für morgen...

zum nächsten Tag...

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Ein herrlicher Tag in der Bretagne war das. Ich bin richtig begeistert von den vielen interessanten Eindrücken. Ja, hier lässt sich Urlaub machen.

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