Reise in die Bretagne
Tag 1: Kiel - Lörrach
Tag 2: Lörrach - Langres
Tag 3: Langres - Gien
Tag 4: Gien - Saumur
Tag 5: Saumur - Pontorson
Tag 6: Mont Saint Michel
Tag 7: Cancale - Trébeurden
Tag 8: Lannion - Brest - Chateaulin
Tag 9: Chateaulin - Concarneau
Tag 10: Pont Aven - Südbretagne
Tag 11: Salzgärten von Guérande
Tag 12: Saint-Nazaire - Surgères
Tag 13: Cognac - Jumilhac-le-Grand
Tag 14: Jumilhac-le-Grand
Tag 15: Jumilhac-le-Grand - Murol
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In die Auvergne

Lange bevor die Rezeption öffnet, breche ich das Zelt ab und schnalle die Ausrüstung aufs Motorrad. Es war eine ruhige, kühle Nacht, sogar die Grillen haben geschlafen. Ausgeruht und voller Tatendrang starte ich die Maschine. Der vertraute Ruck, als ich den Schalthebel mit dem Fuß herunterdrücke. Die Kupplung schläft noch.

Auf der ruhigen Departementstraße begegnet mir nur selten ein Auto. Es gibt auch nicht viel, wo man hinfahren oder herkommen könnte. Ortschaften sind dünn gesät im Périgord. Erst in Chamberet stoße ich auf eine Autowerkstatt, die auch Benzin verkauft.

Aufmacher wird das Tankstellenfoto

Vor dem Laden stehen drei Tanksäulen in gefälligem Kawasaki Grün: Diesel, Bleifrei 95 und 98. An der 98er Säule hängt kein Schlauch mehr, aber Greeny kommt auch mit 95 Oktan bestens zurecht. Nur E10 für Windradanpuster ist unter unserer Würde.

Ich steige vom Motorrad und nehme den Tankrucksack ab. Ein Mann im grünen Overall kommt aus der Werkstatt und übernimmt das Tanken. Ich drücke ihm einen Zehner in die Hand und mache mich wieder auf den Weg.

Das Périgord ist das Masuren Frankreichs. Schmale Back Roads, winzige Dörfer, Wälder und Hügel. Ab und zu eine namenlose Siedlung, die bloß aus einer Handvoll Häusern, ein paar verwitterten Fensterläden und zwei oder drei Renaults besteht. Die Fahrt macht jeden öden Kilometer wett, den ich je ertragen musste.

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Mit siebzig Sachen gleite ich durch den Parc Périgord Limousin. Viele der Straßen haben keinen Mittelstreifen und keine Randmarkierung. Schlichte schwarze Asphaltbänder, die auf einer hügeligen Landschaft liegen.

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In Maymac halte ich an einem Intermarché. Es ist Samstag und ich will fürs ganze Wochen­ende einkaufen. Heute gibt es Bratwurst, Käse und Wein, aber was kaufe ich für morgen? Haltbar muss es. Mit suchendem Blick schlendere ich an einer Armee von Konservendosen entlang. Mein Blick fällt auf ein besonders lecker fotografiertes Cassoulet. Ich schaue auf die Nährwerte: 101 kcal/100g. Das ist viel für eine Konserve, das nehme ich. Der Geschmack ist mir nicht so wichtig, Hauptsache es macht satt.

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Hinter dem Parc Périgord Limousin geht es geradeaus weiter in die Auvergne. Wie so viele Naturlandschaften, hat auch sie keine klar umrissene Grenze, die man sehen und anfassen kann, aber wenn sie eine hätte, dann läge sie unweit des Château de Val.

Auf den ersten Blick könnte man Château de Val für ein Wasserschloss halten, aber der Eindruck täuscht. Die Burg hat erst nasse Füße bekommen, als sie 1952 den Staudamm gebaut haben. Davor stand sie 500 Jahre lang hoch und erhaben auf einem Felsvorsprung und beherrschte das Tal der Dordogne. Heute rasen sonnengebräunte Typen mit Spiegel­sonnenbrillen auf Motor­booten und Jet Skis am Fuß der Burgmauer entlang.

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Eine Besonderheit der Auvergne sind ihre Berge, alte, längst erloschene Vulkane. Im Herzen des Parc des Volcans d'Auvergne liegt der Ort Mont-Dore und um ihn herum viele bekannte Straßenpässe.

Hinter Mont-Dore verändert sich die Strecke. Sie wird noch schöner, höher und alpiner. Es ist Juni und die Blumen auf den Wiesen stehen in voller Blüte. Ich halte immer wieder an, um Fotos zu machen. Meine Güte, ist das schön hier.

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Auch, wenn die Auvergne die am dünnsten besiedelte Region Frankreichs ist, heute ist hier die Hölle los. Es ist Samstag und ganze Rotten von Motorrädern sind auf den Pässen unterwegs. Ich fahre mein Tempo weiter und versuche mich möglichst nicht von den Knieschleifern in Jeans und Akrapovič ärgern zu lassen.

Auf dem Col de la Croix St.Robert halte ich an. In der Ferne leuchtet blau der Lac Chambon und irgendwo zwischen hier und dem See liegt Camping Serrette. Dort habe ich schon auf meiner letzten Reise in die Auvergne gezeltet.

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Ein paar Minuten später parke ich vor der Rezeption und stelle die Maschine ab. Der Motor knistert leise in der Stille. Ich erkenne die Madame de la Camping sofort wieder. Sie ist etwas grauer geworden, aber das bin ich auch, und sie trägt noch immer den selben kurzen Herren­haar­schnitt, der bei Französinnen ab vierzig so beliebt ist.

Ich bezahle für zwei Übernachtungen und bestelle für morgen ein Frühstück vor, das auf Französisch Petit Dejeuner heißt. Morgen ist Sonntag und das ist kein Tag zum Motorrad­fahren. Am Montag habe ich Landstraßen und Pässe wieder ganz für mich und niemand stört meine Kreise.

Camping Serrette liegt in 1040 m Höhe. Dort ist es im Sommer angenehm kühl, aber trotzdem baue ich das Zelt im Schatten auf. Wann hatte ich auf einer meiner Reisen schon einmal solches Superwetter? Die teuren, neuen Regensachen von Held habe ich noch nicht einmal ausgepackt. Möge es lange so bleiben.

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Sowie unser Lager steht, schnappe ich mir Pieps, mein Geld und die Kamera und wir brechen auf zu unserer traditionellen Platzrunde. Es macht mir jedesmal einen Riesenspaß die anderen Camper zu besichtigen, alles anzusehen und freie Steckdosen zu erkunden, während Pieps sich darum kümmert, wo die nächste Eistruhe steht. In der Rezeption, wie ich kurz darauf erfahre.

Wenn ich früher geschrieben habe, dass man auf Campingplätzen keine Biker mehr sieht, dann stimmt das nicht ganz. Inzwischen hat sich etwas Neues, etwas ganz Famoses aufgetan, das ich schon mehrfach bewundert habe: Da steht ein Wohnmobil. Irgendwas Einfaches am unteren Rand der 80T EUR Klasse, komplett mit Klima, Federkern und Satelliten-TV. Dazu ein Ehepaar Mitte Fünfzig. Dahinter ein Anhänger und darauf ein Motorrad, eine BMW GS1200, die Adventure mit dem 30 Liter Tank und allem, was der Touratech Katalog bietet, inklusive dem großen Kofferset.

Ich beneide die Beiden. Sie könnten Sonntagmorgen auf der GS nach Limoges düsen, den ersten Flieger nach Ibiza nehmen, mittags einen Tauchkurs machen und bevor es mit dem letzten Flieger zurück geht, könnte sie sich eine Rose auf die Schulter stechen lassen und er sich ein Tribal auf die fette Wade, dass ihn im Gegenlicht erscheinen lässt, wie Ragnar Lothbrok auf Cortison. Mehr Urlaub geht nicht.

Doch auch Pieps und ich genießen einen kleinen Luxus und setzen uns ins Restaurant. Ich zahle der kleinen Kneule einen Vorschuss auf ihr Taschengeld aus - nach meiner Rechnung das für September 2019 - und bestelle mir eine Karaffe Weißwein.

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Pieps verschwindet umgehend mit ihrem Vorschuss und meinem neuen Haarreif in Richtung Rezeption. Ich schreibe in mein Tagebuch und genieße die Aussicht hinunter auf den See und auf die Burg. Die wollen wir morgen besichtigen.

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Es ist erstaunlich, welche Wirkung eine Karaffe Wein auf nüchternen Magen hat, denke ich, als ich das Moleskine zuklappe und zurück zum Zelt gehe. Ich sollte wirklich etwas essen. Der Duft von Gebratenem ist ohnehin die schnellste Methode, um Pieps anzulocken. Es gibt Bratwürste mit Kräutern der Provence und dazu Weißbrot in Olivenöl gebraten.

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Später liege ich im Zelt und lausche den Geräuschen um mich herum. Irgendwo klappert Geschirr, jemand hämmert einen Zelthering ein und ein Vater albert mit seinen Kindern. Im Baum über uns gurrt eine Taube. Ich liebe diese vielen unterschiedlichen Geräusche. So vertraut und typisch Campingplatz. Sie machen, dass man sich geborgen fühlt.

Diese Reise ist der völlige Gegenentwurf zu Island im nächsten Jahr. Eine Reise nach Frankreich steht für Ferien, hübsche Campingplätze, weiches Gras, Bäume, Wärme und Sonnenschein, Wein und gutes Essen. Mit einem Wort: Erholung.

Island dagegen wird eine Herausforderung, ein Abenteuer, eine Challenge für Greeny, Pieps und mich. Ich kann es kaum erwarten.

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Diesmal ist es Pieps, die mitten in der Nacht raus muss. Ich ziehe die Ballerinas an und trage die kleine Maus im Halbschlaf hinüber zur Toilette Enfants. Während ich auf das erlösende Geräusch der Klospülung warte, schaue ich hinunter ins Tal. Dort liegt Chambon-sur-Lac und in der Ferne erstrahlt Burg Murol im Licht mächtiger Scheinwerfer.

Nach einer kurzen, aber nicht weniger hitzig geführten Diskussion darüber, ob man sich auch "bei Klein" und "wenn man einklich gaah nix angefasst hat", die Hände waschen muss, trotten wir über den dunklen Platz zurück zum Zelt. Ich will ins Bett, die kühle Nachtluft kriecht allmählich unter mein Nachthemd.

Minuten später liegen wir beide wieder in unserem warmen Schlafsack und träumen neuen, aufregenden Abenteuern entgegen...

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Morgen ist Sonntag und wir wollen uns Burg Murol ansehen, die erhaben über dem Lac Chambon thront und die wir bei unserem letzten Besuch ausgelassen haben.

Wenn ihr mögt, hinterlasst ihr einen Kommentar in meinem Blog. Ich freu mich über euer Feedback.
Achtung: Es gibt 2 Seiten Kommentare: neuere und neueste. Euer erscheint auf Seite 2.








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