Reise in die Bretagne
Tag 1: Kiel - Lörrach
Tag 2: Lörrach - Langres
Tag 3: Langres - Gien
Tag 4: Gien - Saumur
Tag 5: Saumur - Pontorson
Tag 6: Mont Saint Michel
Tag 7: Cancale - Trébeurden
Tag 8: Lannion - Brest - Chateaulin
Tag 9: Chateaulin - Concarneau
Tag 10: Pont Aven - Südbretagne
Tag 11: Salzgärten von Guérande
Tag 12: Saint-Nazaire - Surgères
Tag 13: Cognac - Jumilhac-le-Grand
Tag 14: Jumilhac-le-Grand
Tag 15: Jumilhac-le-Grand - Murol
Tag 16: Château de Murol
Tag 17: Murol - Camp Le Gouffre
Tag 18: Vercors - Chartreuse
Tag 19: St.Claude - Camp Cibourg
Tag 20/21: Cibourg - Lörrach - Kiel
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Im Schweizer Jura

Bevor ich starte, will ich mich noch vom TurboDoc aus Bremen verabschieden. Ihr Zelt steht am anderen Ende des Camps auf einer Anhöhe. Mit der reisefertig beladenen Enduro tuckere ich den Hang hinauf zu ihrem Zelt. Ein toller Platz. Abgeschieden und schattig. Wieso habe ich den gestern nicht entdeckt?

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Claudia kocht gerade Kaffee und lädt mich auf einen Becher ein. Im Nu sind wir erneut in eine Unterhaltung über Motorräder, Reisen und Outdoor Themen vertieft.

"Darf ich mich zum Abschied mal auf deine KTM setzen?" "Klar." Ich schwinge mich in den Sattel der Enduro und da ist es wieder, das alte KTM Feeling. Aber ich habe mir geschworen, keine KTM mehr zu kaufen. Zwei waren genug. Oder waren es nicht?

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Claudia setzt ihren Urlaub auf La Cibourg fort und ich habe ein Treffen mit dem Parc naturel régional du Haut-Jura, dem französischen Teil des Juragebirges. Nach wenigen Kilometern erreiche ich Saint Claude. Auf einer Brücke überquere ich die Bienne.

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Man kann über Plattenbauten denken, was man will, aber hier bei Sonnenschein in dieser wunderschönen Landschaft ... selbst dann sind sie hässlich.

In der Ferne taucht ein Eisenbahnviadukt auf. Es ist eine dieser Landschaften wie aus einem Märklin Katalog, so künstlich hübsch und so gemacht sieht die Szenerie aus. Leider entgeht mir, dass es sogar drei Viadukte sind, die aus dem richtigen Winkel fotografiert ein tolles Bild ergeben.

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Etwa um die Mittagszeit kommt das übliche Jammern und Nörgeln aus dem Tankrucksack: Pieps ist wach und sie hat Hunger. An der Rückseite der Käserei in Saint Antoine steht ein Baguette Automat. Ich ziehe ein frisches Brot aus dem Automaten und klemme es hinten ins Gepäck. Bei nächster Gelegenheit machen wir eine Pause.

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Plötzlich und unerwartet fahre ich auf ein Schild zu: Douane 500 m. Zoll? Eine Grenze? Kommt denn da noch ein Land? Die rote Fahne mit dem weißen Kreuz kenne ich, das ist die Schweiz. Ich wusste bloß nicht, dass die hier in der Gegend auch ein Stück Land besitzen.

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Im Schritttempo pröttele ich am Zoll vorbei. Nein, wir haben nichts zu verzollen. An Bord sind nur Wasser und Brot. Nur Wasser und Brot? Wir müssen unbedingt einkaufen, bevor wir zum Campingplatz kommen.

Gleich im ersten Ort gibt es eine Metzgerei. Boucherie steht außen dran. Mit steifen Beinen stiefele ich zur Tür. Eine Klingel schallt melodisch durch den Laden, als ich sie öffne. Der Laden ist leer, das Fleisch abgedeckt. Mittagspause.

Der Metzger hat die Klingel gehört und kommt nach vorne in den Laden. Er ist nicht amüsiert, der Lehrling hat wohl vergessen, die Tür abzuschließen. "Pech Leute", denke ich. "Wer Fleisch hat und seine Tür nicht abschließt, hat im Nu Svenja und Pieps im Laden."

Laut aber sage ich: "Bonjour" und bestelle zwei Scheiben Entrecôte. Nein, nicht vier. Beachten Sie die Maus am besten gar nicht.

Die Schweizer sind in mehr als einer Hinsicht ein ungewöhnliches Völkchen und die Metzger machen da keine Ausnahme: Jedes Stück Fleisch, wirklich jede Scheibe, ist einzeln in Plastik verschweißt. Der Metzger zieht eine der Plastikscheiben unter der Abdeckung aus dem Tresen, schneidet die Folie auf und legt das Steak auf den Waage: 180 g.

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Hundertachtzig Gramm? Die wollen mich wohl auf den Arm nehmen. Wer hat je von einem Entrecôte gehört, das 180 g wiegt? Er nimmt ein zweites aus dem Tresen, schlägt es aus der Plastikdecke und legt es zu dem ersten auf die Goldwaage. Jetzt sind es genau 360 g. Ich mache besser Schluss. Die Schweizer sind auch für ihre kreative Preisgestaltung bekannt.

Pieps hat inzwischen getrockneten Speck in Tüten entdeckt. Ich lege zwei der Tüten auf den Counter. Die sind ideal für den Autozug. Falls sie so lange überleben, denke ich mit einem zweifelnden Seitenblick auf das graue Knäuel im orangen Pulli.

Der Fleischer tippt drei Artikel in die Kasse: 29,50 Franken. Wie ich erfahre, sind das zufällig genau 29,50 EUR. "Na gut, Leute, aber den Kassenbon hebe ich auf. Wenn die Biester zäh sind, oder auch nur ein bisschen mager, dann bring ich sie zurück."

Ich bin kaum aus dem Laden, da rasseln hinter mir die Rolläden herunter und die Ladentür wird vernehmlich verriegelt. Vermutlich feiern sie jetzt, weil sie den Umsatz für den Rest des Sommers drin haben.

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Unser Campingplatz heute heißt La Cibourg. Er liegt in über tausend Metern Höhe und ist eher ein Freizeitpark, als ein reiner Campingplatz. Schon auf den ersten Blick ist das Camp ein Volltreffer. Es gibt eine Handvoll kuscheliger Pitches mit allerfeinstem Rasen nur für Reisecamper mit Zelt und Bike.

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Auf La Cibourg gibt es auch einen Eselpark für die Kinder. Eine gewisse Maus ist darüber völlig aus dem Häuschen, denn eine Sache, die viele über Pieps nicht wissen, ist diese: Die kleine Maus liebt Esel. Aus irgendeinem Grunde, den ich nie verstanden habe, ist sie ganz entzückt von den grauen, störrischen Biestern mit den großen Ohren.

Esel

Gegen Abend werfe ich die Pfanne an. Wir sind beide hungrig von dem langen Fahrtag. Die Entrcôtes von der Goldwaage des Schweizer Metzgers sind jeden Franken wert. Das Fleisch ist ganz mürbe, es hat einen dicken, gelben Fettrand und ist auch sonst ganz ausgezeichnet. Mit einer Einschränkung: Es sind Rumpsteaks.

Ein letztes Mal auf dieser Reise wandern Pieps und ich mit dem Handtuch überm Arm zum Waschhaus. Eine letzte Nacht im Zelt. Morgen schlafen wir schon im Autozug auf dem Weg nach Hamburg. Von dort sind es nur noch 96 km bis nach Kiel.

Das Reisen mit Motorrad, Zelt und Schlafsack macht etwas mit einem. Alles ist anders als im Alltag. Das Wetter bestimmt den Tag. Man ist völlig außerhalb seiner Komfortzone, aber wenn man häufig genug im Zelt schläft, jeden Abend dasselbe Lager aufschlägt, die Matte ausrollt, den Schlafsack hinlegt und das Nachthemd aufs Kissen legt, dann entsteht ganz allmählich eine neue Komfortzone. Eine andere als zuhause, aber nichtsdestotrotz eine Wohlfühlzone, in die man sich gerne zurückzieht, weil sie vertraut ist und Geborgenheit gibt. Aus dem Notnagel vergangener Jahr, in denen ich mir kein Zimmer leisten konnte,ist eine ganz eigene Premium Reiseform geworden. Ich liebe das Zelten mehr denn je.

Wenn ich einmal alt bin, werde ich mich an diese Tage erinnern. Wie jung ich war, wie gesund und fit, voller Lebensenergie und Tatendrang. Als meine größten Sorgen waren, ob Greeny neue Reifen braucht, das nächste Entrecote fett genug ist, und welche neuen Enduros im Herbst auf der EICMA präsentiert werden.

zum nächsten Tag...

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Das war auf dieser Reise die letzte Nacht im Zelt. Morgen gehen wir auf den Autozug und übermorgen bin ich wieder zuhause in Kiel.

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