Svenja mit nacktem Oberkörper neben ihrer KTM
Mein letztes Jahr als Sven. Heute stelle ich mich in den Pausen nur noch selten mit nacktem Oberkörper neben meine Enduro :-)


Kurze Reise nach Jütland

Mein Kumpel Ralph und ich hatten uns spontan zu einem Kurztrip nach Dänemark entschlossen. Es sollte zugleich die erste Tour mit meiner nagelneuen KTM Adventure werden.

Ich kann es kaum erwarten endlich loszufahren. Bereits am Vorabend habe ich alles eingepackt und bestimmt 1000 Mal kontrolliert. Die Ausrüstung passt prima in die Gepäckrolle und den Tankrucksack. Nur die Isomatte schnalle ich obenauf. Sieht irgendwie cooler aus, obwohl ich sie vielleicht noch in die Rolle bekommen hätte :-)

Gegen Mittag starten Ralph und ich bei strahlendem Sonnenschein nach Dänemark. Es ist mörderheiß und wir schwitzten von Anfang an unter unseren dicken Motorradsachen. Einfach herrlich nach dem wochenlangen Regen zuvor.


Landstraße bei Schleswig, hinter mir fährt Ralph

Ich habe für das Aufsteigen auf die vollbeladene KTM eine besondere Starttechnik entwickelt. Weil der Ortlieb Sack so hoch ist, dass ich das Bein nicht drüber schwingen kann, steige ich auf solange die Katy noch auf dem Hauptständer steht. Anschließend die Maschine mit einem beherzten Schwung nach vorne vom Ständer wuppen und versuchen nicht sofort umzukippen. Sieht irgendwie wichtig aus, jedenfalls erwartet mich bei jeder Abfahrt ein interessiertes Publikum. Keine Ahnung, wie lange der Hauptständer das mitmacht, bevor er weich wird.

Auf Nebenstrecken düsen wir von Trappenkamp aus über Kiel und Eckernförde nach Flensburg. Ich fahre wie immer vorneweg und lasse den Digitaltacho der KTM irgendwo zwischen 110 und 120 km/h pendeln. Ralph cruist auf seiner Honda VFC 750 Magna stur hinterher und lässt sich durch kein Überholmanöver beirren.

Die Katy läuft einfach klasse. An die Vibrationen habe ich mich schnell gewöhnt. Leider lassen die Sitzbank und mein Allerwertester nicht die gleiche Reichweite zu, wie der riesige Tank der KTM. Macht aber nichts, da Ralph mit seinem 13l Winztank ohnehin jede dritte Tanke anlaufen muss. Ich kann dann gönnerhaft auf ihn warten und meinem Sitzfleisch verstohlen eine kurze Erholungspause gönnen.

An der Grenze in Flensburg tauschen wir erstmal ein paar dänische Kronen ein. Nach den Erfahrungen im letzten Jahr, wo wir in Schweden ohne passendes Geld an den Automatentankstellen spritmäßig verhungert waren, wollen wir diesmal kein Risiko eingehen. Dänemark ist schließlich kein Euroland. Clevere Jungs, die Smörebröds..

Auf der Landstrasse 170 fahren wir weiter in Richtung Aabenraa. Die Strecke führt durch typische, dänische Landschaft aus Feldern und Wiesen, nur ab und zu unterbrochen von einem kleinen Wäldchen, dessen Bäume sich mühsam gegen den Wind stemmen.

Wir machen unterwegs Pause auf einem schönen Rastplatz mit Tischen und Bänken. Einige dänische Urlauber sind bereits dort und begrüssen uns freundlich mit Kopfnicken. Ein älterer Mann spricht uns an: "Snakker du Dansk?" "Nein", antworten wir, "leider sprechen wir kein dänisch." Schade auch. Die Skandinavier verblüffen mich stets aufs neue mit ihrer freundlichen und dabei doch zurückhaltenden Art.


Die erste Rast in Dänemark "Snakker du Dansk?"

Ein herrenloser Hund scheint diesen Rastplatz zu bewohnen und begrüsst ebenfalls jeden Neuankömmling durch einen kurzen Besuch. Ich überlege kurz, ob ich mich mit einer Beefy erkenntlich zeigen soll, entscheide mich dann aber doch dagegen. Die Vorräte sind unterwegs schließlich knapp.

Wir machen noch ein paar Fotos mit Selbstauslöser und freuen uns schon auf die Weiterfahrt.

Es geht weiter auf der 170 durch Haderslev, Kolding und Vejle bis nach Horsens, wo wir auf die 451 in Richtung Odder abbiegen. Unterwegs haben wir mehrfach einen schönen Blick auf das Meer und beneiden die Badegäste am Strand.

Unser Ziel ist ein kleiner Campingplatz an der Ostsee südlich von Arhus. Der Ort heißt Saksild und zeichnet sich durch seinen schönen, weißen Sandstrand aus.


Zelt und KTM

Auf dem Campingplatz angekommen, bauen wir unser Zelt in der hintersten Ecke auf und haben einen schönen großen Platz für uns allein. Meine Isomatte liegt schon im Zelt, während Ralph noch an seiner Luftmatratze pumpt.

Von unserer Schwedentour ist ein Einweggrill übrig geblieben, den wir diesmal ausprobieren wollen. In Schweden hatten wir ihn nicht gebraucht, weil wir dort ein Lagerfeuer machen konnten.


Der Einweggrill, vielleicht die wichtigste Erfindung seit dem tiefen Teller

Ralph zaubert Unmengen von Bratwürsten aus seinen Seitenkoffern hervor. Der kleine Grill funktioniert erstklassig und einige Dutzend Würste später liegen wir beide satt und zufrieden vor dem Zelt im Gras. Aus dem Supermarkt am Campingplatz holen wir uns einen Sechszylinder Heineken Bier und schmieden Pläne für künftige Touren.

Ralph hat seinen kleinen Dreibeinhocker mit und will mich von den Vorzügen des Campingmöbels überzeugen, aber ich liege lieber auf der Decke im Gras. Irgendwie riecht mir der Hocker schon zu sehr nach Dauercamping, Wohnwagen und Gartenzwerg.

Gegen Abend kühlt es sich schlagartig ab und alles wird nass von Tau. Unser Zelt steht nur fünfzig Meter vom Strand entfernt. Während ich im Schlafsack liege, kann ich deutlich die Brandung hören. Es dauert keine zwei Minuten und ich schlafe tief und fest. In der Nacht ist mir viel zu warm, kein Wunder, ich habe vergessen mein Halstuch abzunehmen. Sowas dusseliges... lag bestimmt am Heineken!

Am nächsten Morgen ist Ralph schon um 8 Uhr hoch. Er ist irgendwie ein unruhiger Geist, oder vielleicht ist er auch nur ein Kaffee-Junkie und kann die erste Tasse nicht abwarten. Jedenfalls stehe ich zwanzig Minuten später auch schon auf und mache den Gaskocher klar. Merkwürdig, wie einem auf Bikertour sogar der billige, lösliche Kaffee schmeckt, den man zuhause in hundert Jahren nicht anrühren würde.

An diesem Morgen beneide ich Ralph um seinen Hocker. Er tront erhaben auf seinem Dreibein, während ich auf der Motorradjacke im nassen Gras sitze.

Nach dem Kaffee wollen wir mit den Maschinen einen kurzen Trip nach Århus unternehmen. Århus ist mit einer viertel Million Einwohnern die zweitgrößte Stadt in Dänemark und liegt an der Bucht von Århus. Die Stadt wird auch bezeichnet als die kleinste Großstadt der Welt.

Die Fahrt ist wunderschön. Wir nehmen die kleine Küstenstraße und genießen die Kurvenstrecke. Die Gegend erinnert mich stark an Ostholstein. In Dänemark gibt es unzählige Kreisel, mit denen die Dänen in den letzten Jahren fast alle Kreuzungen entschärft haben. Es macht jedesmal einen Heidenspaß mit Speed in den Kreisel einzufahren, in Schräglage zu fallen und im 2.Gang mit Power aus dem Kreiseverkehr herauszubeschleunigen.

Århus selbst ist eine Entäuschung. Der dichte Berufsverkehr geht uns schnell auf die Nerven und wir beschliessen, nach Odder auszuweichen. Odder ist der geographische Mittelpunkt Dänemarks und mit seinen 20.000 Einwohnern eine gemütliche dänische Kleinstadt. Dort angekommen gehen wir in das Kvickly Shoppingcenter, wo wir den ersten vernünftigen Kaffee des Tages bekommen. Ich gönne mir zum Frühstück zwei HotDogs mit den berühmt, berüchtigten dänischen Pölsern. Wer diese knallroten Würstchen nicht kennt, hat vielleicht nichts versäumt, aber sie gehören zu Dänemark wie der Wind und das Wetter.

Neben dem Supermarkt ist ein dänisches Bettenlager. Dort werde ich entgültig weich und kaufe mir für 20 dänische Kronen auch einen Campinghocker. Das sind nur knapp drei EUR und ich kann es verschmerzen. Zu meiner Entschuldigung kann ich nur sagen: ich habe die ganze Zeit nur einmal kurz draufgesessen!


30° C - die Kati spendet Schatten

Wir sind nachmittags zurück am Zelt und machen einen langen Spaziergang am Strand. Lang heißt in diesem Fall fast eine Stunde. Wir sind beide nicht die großen Wanderfreunde und mit der Katy darf ich hier nicht am Strand fahren. Die Badegäste wären bestimmt nicht amüsiert.

Es sind über 30° im Schatten und wir belohnen uns nach unserem "Gewaltmarsch" mit einem Besuch der OpenAir Strandbar. Dort essen wir einen der schlechtesten Hamburger aller Zeiten, an dem Ralph noch tagelang zu kauen hat. Wir spülen mit einem eisgekühlten Fad Öl nach und beschließen, dort nie wieder zu essen. Solltet ihr einmal nach Saksild kommen, so hütet euch vor dem großen BaconBurger! Groß sind daran nur der Preis und das Brot. Wir waren von Schweden wesentlich Besseres gewohnt.

Das Bier an der Strandbar kostet frisch gezapft 25 DKR, knapp 3,40 EUR. Das ist für den Becher 0,4 nicht einmal teuer und reisst den Laden wieder ein bischen raus :-)


Strandbar Saksild, das Bier ist kühl und läuft gut.

Den restlichen Abend genießen wir mit lesen, schlafen und faulenzen vor dem Zelt. Ein herrlicher Tag.

Wir haben uns zuvor in Odder mit jeder Menge Grillfleisch eingedeckt und lassen die kleine Grillschale nicht mehr ausgehen.

Es wird wieder sehr früh kalt und nass. Ich habe nur ein dünnes Shirt mit und ärgere mich ein bischen, dass ich nicht wenigstens einen Pulli mitgenommen habe. Im Schlafsack ist es aber schön warm. Ich lese noch ein bischen, was Ralph auch gerne tun würde. Nur hatte er vorher seine Taschenlampe verliehen und nicht gemerkt, dass jetzt die Batterien leer sind. Danke Familie Husner! Um ein Haar hätte ich wieder vorlesen müssen :-)

In der Nacht gibt es einen heftigen Regenguss, von dem mir Ralph am nächsten Morgen berichtet. Ich habe davon nichts mitbekommen und bin erst überzeugt, als ich die nasse Landschaft vor dem Zelt sehe. Wir sind natürlich wieder um kurz nach 8 hoch. Habe ich erwähnt, dass Ralph ein unruhiger Geist ist? Ich tippe langsam auf präsenile Bettflucht :-)


Ja, ja.. auch Biker müssen abwaschen

Wir sind beide in etwas trüber Aufbruchstimmung und brechen schon früh das Lager ab, ohne uns noch einen Löslichen zu kochen. In Odder gibt es dafür Kaffee satt und wir können draussen sitzen. Es ist warm, aber das Wetter sieht nicht gut aus. Wir beschließen nach kurzer Diskussion auf Regenklamotten zu verzichten. Tatsächlich wird es später superheiß und wir geniessen eine tolle Rückfahrt auf dem Weg, den wir gekommen sind.


Es ist heiß in Dänemark, schade dass wir schon zurückfahren müssen.

Auf der ganzen Strecke von 677 km musste ich mit der KTM nur einmal tanken. Der Tank ist mit 28l wirklich riesig.

Dänemark war wie immer. Schön, windig und manchmal ein bischen langweilig. Kein Vergleich zu Schweden im letzten Jahr, aber dafür auch als Wochenend Kurztrip unbedingt empfehlenswert.










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Svenja Svendura EndurowandernMade by Svenja Svendura on Apple iMac with Panic Coda and Photoshop Elements.