Reise mit Hurtigruten
Tag 1: Kiel - Oslo
Tag 2: Ein Tag in Oslo
Tag 3: Oslo - Bergen - Florø
Tag 4: Maløy - Kristiansund
Tag 5: Trondheim - Nesna
Tag 6: Brønnøysund - Svolvaer
Tag 7: Stokmarknes - Tromsø
Tag 8: Hammerfest - Vardø
Tag 9: Kirkenes - Honningsvåg
Tag 10: Havøysund - Finnsnes
Tag 11: Lofoten - Bodø
Tag 12: Ørnes - Trondheim
Tag 13: Trondheim - Oslo - Kiel
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Platzhalter Egon Oslo Pizza
Platzhalter Egon Oslo Pizza



Ein Tag in Oslo

Color Fantasy Kiel TerminalDer gleißend hell beleuch­tete Spie­gel im Bad un­se­rer Kabine ist gemein. Böse und ge­mein. Er zeigt mir Fält­chen und Poren, die ich nie zuvor gesehen habe. Zur Si­cher­heit gönne ich mir eine extra Schicht MakeUp, schneide mei­nem Spie­gel­bild eine Grimasse und mache mich auf die Suche nach einem Becher Kaffee.

Ich schlendere durch die Einkaufspassage des Schiffs und setze mich ins Promenaden Café. Der Kaffee schmeckt prima. Er ist ziemlich stark und mit 20 NOK für den ersten Becher und 10 NOK (1,30 €) für die Refills, sogar erstaunlich günstig. Als Claudie etwas später dazu­kommt, bin ich just am Boden des zweiten Bechers. Claudia gönnt sich zum Früshtück ein Wienerbrød, was Pieps mit Begeisterung aufnimmt.

Die Fahrt durch den 100 km langen Oslofjord sehen wir bei herrlichem Frühlingswetter durch die Fenster der Observation Lounge. Dieses Schiff ist so riesig, dass wir mehrere Stock­werke über dem Wasser sind und dabei einen herrlichen Blick auf das sonnige Oslo haben.

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Mit hunderten anderer Passagiere stauen, drängeln, stehen und tippeln wir von Bord. Unser Postschiff, die MS Lofoten, entern wir erst morgen in Bergen und deshalb verbringen wir heute eine Nacht in Oslo. Auf dem Parkplatz stehen mehrere Reisebusse bereit, um Reisende zum Flughafen, zum Bahnhof, oder zu ihren Hotels zu bringen. Es ist erst zehn Uhr morgens und damit zu früh, um im Hotel einzuchecken. Vermutlich aus diesem Grund gehört eine Stadtrundfahrt durch Oslo mit zu unserer Hurtigrutenreise.

Ich möchte nichts vorwegnehmen, aber bitte erinnert mich daran, nie, nie, niemals wieder an einer Stadtrundfahrt teilzunehmen. Agnes, die Reiseleiterin im Bus, kommt aus Montabaur und ist eine fröhliche Quasselstrippe, aber schon nach fünf Minuten kommen wir uns vor, wie Oma auf Kaffeefahrt. Dabei sind wir zusammen erst 120 und ich bin doch das Girl, das alleine mit der Enduro durch die Highlands fährt, aber ganz sicher kein Typ für organisierte Rundfahrten im Reisebus.

Unser erster Halt ist die Wintersportanlage Holmenkollen. Der Reisebus entlässt uns auf dem großen Parkplatz in den matschigen Schnee und wir haben 30 Minuten Zeit uns umzusehen. Mir ist kalt, ich habe Angst um meine schönen Schuhe und ich will mich nicht umsehen. Wäre ich bloß im Bus geblieben. Außerdem muss man schon ziemlich bescheuert sein, um auf Skiern diese Schanze herunterzufahren. Endlich geht es weiter.

Beschreibung Der nächste Halt ist ein ganz beson­derer. Wir besichtigen den Vigeland-Skulpturen­park in Oslo. Claudia hatte mich bereits gewarnt vor der Darmverschlingung der Nation und als ich sie nur ver­ständ­nislos ansehe, erleutert sie: "Warte es einfach ab, du wirst sofort wissen, was ich meine."

"Der Bus sammelt uns am gegen­über­liegenden Ende des Parks wieder ein.", verkündet Agnes über das Bordmikrofon und schon öffnen sich die automatischen Türen des Busses. Aussteigen und latschen? Das ist doch nicht euer Ernst, oder? Ich hasse latschen. Weshalb buche ich wohl eine Kreuzfahrt? Ich will mit dem Schiff durch die Gegend geschaukelt und dabei dreimal am Tag gut verpflegt werden. Ist das denn zuviel verlangt?

Ohne jede Begeisterung stöckele ich auf meinen 9 cm Absätzen vorsichtig durch den Schnee­matsch. Nur gut, dass ich nicht die Peep Toes angezogen habe.

Falls es so etwas wie einen nationalsozialistischen Phalluskomplex für Bildhauer gibt, Gustav Vigeland hatte ihn. Eine scheußlichere Monstrosität als seinen Monolithen habe ich wohl nie gesehen und Claudias Umschreibung trifft es auf den Punkt. Der Monolith und die nackten Gestalten, die überall im Park verteilt sind, erinnern mich an Kunst aus dem Dritten Reich. Tatsächlich wird Vigeland von Manchen als ein Sympathisant der Nazis bezeichnet. Ich bin erstaunt, wie unkritisch die Wikipedia Artikel in dieser Hinsicht sind.

Vom Vigelandpark geht es weiter zum Vikingskiphuset, in dem mehrere Funde von Wikinger­schiffen ausgestellt sind. Als Claudia das Oseberg-Schiff entdeckt, ist sie völlig aus dem Häus­chen, weil sie einmal am Institut für Ur- und Frühgeschichte in Berlin gearbeitet hat, wo dieses Schiff ein großes Thema war. Pieps und ich sind ein wenig ist entäuscht. Wir hatten uns Piraten­schiffe irgendwie größer und mit viel mehr Totenkopf­flaggen vorgestellt.

Oseberg Schiff Oslo

Schließlich geht auch die schönste Stadtrundfahrt endlich zuende und wir werden vor unse­rem Hotel abgesetzt. Den wertvollsten Tipp gibt Agnes uns zum Abschied. Sie empfiehlt uns das Restaurant Egon im Hauptbahnhof.

Claudia hat sich nicht lumpen lassen und für uns im Clarion Hotel Royal Christiania eine Suite aus zwei Zimmern und sogar einer Badewanne gebucht. Wir checken ein und machen uns sofort auf den Weg zu Egon. Agnes' Tipp ist Gold wert, denn Oslo ist schrecklich teuer und bei Egon kann man sich vor 18 Uhr in das Pizzabuffet einkaufen. All you can eat für 99 NOK (ca. 13 €). Claudia trinkt dazu einen Apfelsaft und ich ein alkohol­freies Bier. Die kleine Flasche Bier kostet 6,69 €, der Apfelsaft 5,39 € und dabei ist Egon eines der günstigsten Lokale in Norwegen. Ich beschließe, mich mit meinen eigenen Waffen für die unverschämten Preise zu rächen, indem ich so oft zum Buffet latsche, bis ich auch den Preis für das alkohol­freie Bier wieder drin habe und sogar Pieps mir einen verwunderten Blick zuwirft. Das Pizza­buffet bei Egon ist nicht der große Markerschütterer, aber das Brot ist heiß, der Ketchup darauf auch und es wird laufend frisch nachgelegt. Außerdem ist es das einzige Essen, dass wir uns leisten mochten. Als ich die kurz darauf die Preise bei Burger King lese, werde ich fast bewusst­los. Dafür gehe ich in Kiel gepflegt im Ratskeller essen, hmpff...

Gegen Abend verziehen wir uns in unsere Suite. Klugerweise habe ich mir aus dem Super­markt eine Dose Bier mitgenommen, das ich aus einem der Plastik Zahnputzbecher trinke. Entweder man hat Stil, oder man hat ihn eben nicht.

Pieps Nach einer Weile beginnt Claudia ganz unvermittelt, von gekochten Eiern zu fabulieren und wie wunderbar es doch wäre, jetzt ein hartgekochtes Ei zu essen und Pieps stimmt natürlich fröhlich mit ein: "Oh ja, Zim­mer­service, Zim­mer­service." Mir wird schon bei dem Gedanken an die Preise schlecht und kopf­­schüttelnd ver­schwinde ich im Bad.

Als ich wieder ins Zimmer komme, liegt ein gekochtes Ei auf meinem Kissen und Claudia und Pieps grinsen mich breit an. Claudia hat tatsächlich einen Beutel hart­ge­kochter Eier von zuhause mitge­bracht. Eine tolle Idee. Zufrieden mampfen wir drei die Über­ra­schungs­eier in uns hinein.

Den Rest des Abends zappen wir uns durch die 22 Fernseh­pro­gramme, bis wir entnervt aufgeben, weil die Werbung hier noch lauter und dümmer als zuhause ist.

Morgen geht es weiter mit der Bergenbahn und abends sind wir dann endlich auf unserem Postschiff. Gute Nacht, Welt.

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