Reise mit Hurtigruten
Tag 1: Kiel - Oslo
Tag 2: Ein Tag in Oslo
Tag 3: Oslo - Bergen - Florø
Tag 4: Maløy - Kristiansund
Tag 5: Trondheim - Nesna
Tag 6: Brønnøysund - Svolvaer
Tag 7: Stokmarknes - Tromsø
Tag 8: Hammerfest - Vardø
Tag 9: Kirkenes - Honningsvåg
Tag 10: Havøysund - Finnsnes
Tag 11: Lofoten - Bodø
Tag 12: Ørnes - Trondheim
Tag 13: Trondheim - Oslo - Kiel
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Die Eismeerprinzessin

MS Lofoten"Ladies and gentlemen. In approxi­mately eight minutes we will be crossing the arctic circle. You can see the globe on port side." Ich tusche mir gerade die Wimpern, als die Durchsage über den Laut­sprecher kommt, was bei See­gang gar nicht so einfach ist.

Wochenlang habe ich mich auf diesen Tag vorbereitet und ein passendes Outfit zusam­men­ge­stellt. Ein weißes, grobgestricktes Minikleid mit braunen Lederflecken auf den Ärmeln, eine dunkel­­graue Strumpfhose mit Zopfmuster und braune, handschuh­weiche Wild­leder­stiefel. Dazu trage ich ein weißes Krönchen und behänge mich reichlich mit Perlenschmuck. Ich nenne das Outfit "Die Eismeerprinzessin"

In Windeseile schwebe ich die steile Holztreppe zum Salondeck empor und hoffe nur, dass nicht alle anderen dieselbe Idee hatten und bereits ein Dutzend Eis­meer­prinzes­sinnen an der Reling stehen. Aber nein, diese Befürchtung ist unbegründet. Ich argwöhne sofort, dass viele sich das beste Outfit der Reise für das Captain's Dinner am Schluss aufheben.

Die Landschaft hat über Nacht komplett ihr Gesicht verändert. Es schneit und die rauhe See trägt weiße Mützen auf den Wellenkämmen. Die Landschaft ist mit Schnee bedeckt. Steile Berge ragen schneeweiß aus der tief dunklen See. Auf einem einsamen Felsen im Meer steht ein metallener Globus und markiert den nördlichen Polarkreis.

Ich öffne die schwere Tür zum Außendeck und trete an die Reling um ein Foto zu machen. Dichtes Schneetreiben peitscht mir ins Gesicht und jetzt ernte ich erst recht erstaunte Blicke der Mitreisenden, die so dick eingepackt sind, dass ich kaum ein Gesicht erkennen kann, während ich im Schneegestöber daneben stehe. Farblich passe ich eindeutig besser in die Landschaft.

Svenja Hurtigruten Eismeerprinzessin

"Machen Sie das zuhause bitte nicht nach und informieren sie auch ihre Kinder und ausländischen Nachbarn. Ich bin die Eismeerprinzessin und...", will ich sagen, aber mir klappern so die Zähne, dass ich kein Wort herausbekomme. Die Arktis ist doch nicht so warm, wie ich gedacht habe.

Polarlys

Völlig durchgefroren verschwinde ich wieder im warmen Schiff. Sie wollte sowieso gerade frühstücken gehen, die Eismeerprinzessin.

Nach der dritten Tasse Kaffee erscheint Claudia. Sie trägt das gleiche Kleid wie ich, nur in braun. Wir sitzen noch über eine Stunde gemeinsam beim Frühstück und genießen die Gemütlichkeit des Speisesaals, während eine gewisse Maus den übrigen Gästen die Ohren vollquakt, sie würde lieber schlittenfahren. Pieps sitzt am Fenster und glotzt sehnsüchtig zu den weißen Bergen hinüber, die an uns vorüberziehen.

MS Lofoten

Mittags machen wir in Bodø fest, der Hauptstadt der Provinz Nordland. Der Bus für die Besichtigung des Saltstraumen, des mächtigsten Mahlstromes der Welt, steht schon am Kai bereit. Ich tue das, was ich bei Landausflügen am liebsten tue, ich bleibe an Bord. Claudia erkundet zu Fuß den Hafen, wo sie ein altes Schiff gesehen hat, das ihr bekannt vorkommt, aber es ist nicht die Erling Jarl und nach einer Weile kehrt Claudie ziemlich durchgefroren zurück und ich bin doppelt froh, im kuschelig warmen Eisbärensalon geblieben zu sein.

Beschreibung In Bodø kommt eine Gruppe Studenten an Bord. Ich höre Amerikaner, Franzosen, Deutsche und Norweger. Sie studieren in Tromsø an der nördlichsten Universität der Welt und sind auf der Rückfahrt von einer Studienreise.

Sie schwatzen und lachen, essen Junk Food, trinken Cola und sind so ausgelassen fröhlich, wie man es in diesem Alter eben ist.

Eine blonde Amerikanerin in grünen Gummi­stie­feln bekommt einen Anruf auf dem Handy. "Hi Mom", sagt sie und es klingt wie "Moahm". Die anderen Mädchen spielen Karten und unterhalten sich über einen Hollywoodstar, dessen Namen ich noch nie gehört habe.

Die jungen Leute können es heute noch nicht wissen, aber dieses wird die glücklichste Zeit ihres ganzen Lebens sein. Besser wird es nicht. Ab hier geht es bergab. Langsam, aber stetig und unaufhaltsam. Keine Angst, es wird auch noch einige Highlights geben, der erste gute Job, eine romantische Hochzeit, das eigene Haus, die Geburt des ersten Kindes, aber so unbeschwert glücklich wie an diesem Tag werdet ihr nie wieder sein. Es ist so. Findet euch damit ab.

Oh, natürlich werdet ihr euch verlieben. So sehr, dass es schmerzt, aber dennoch ganz wunderbar ist und ihr werdet unsagbar glücklich sein. Aber früher oder später wird dieser Mensch euch entäuschen. Vermutlich früher. Er wird euch verlassen und euer Herz brechen, vielleicht brennt er mit eurer besten Freundin durch, oder er stirbt einfach nur an irgend etwas, aber auf jeden Fall wird er euch entäuschen und dann werdet ihr leiden, ganz schrecklich leiden. Nur wenn ihr stark bleibt, immer auf euch selbst baut und niemanden an euch heranlasst, werdet ihr niemals entäuscht werden. Aber das könnt ihr jetzt noch nicht wissen.

Für einen Moment erwäge ich, zu den Kids hinüberzugehen und sie über diesen grundlegenden Umstand des Lebens zu informieren, aber das brauche ich nicht, denn früher oder später werden sie es selbst herausfinden. Vermutlich früher...

Postmeister

Während ich diesen herrlich morbiden Gedanken nachhänge und mit tränenverschleiertem Blick in mein Moleskine schreibe, legen wir bei strahlendem Sonnenschein von Bodø ab. Erst das 3-Gänge Menü am Abend heitert mich wieder etwas auf.

Es gibt Blauschimmelkäse auf einem Bett gehackter Walnüsse und Ruccola in Honig. Anschließend geschmortes Rindfleisch mit Gemüselabskaus und zum Nachtisch ein Parfait aus Äpfeln mit karamellisiertem Rohrzucker und frischer Minze. Ich lasse mir nicht anmerken, dass ich bis vor wenigen Minuten nicht einmal wusste, was ein Parfait ist und löffele es mit Gleichmut in mich hinein.

Nach einem kurzen Verdauungsspaziergang an Deck bin ich so durchgefroren, dass ich mich in meine Koje verkrieche und mit einer zusätzlichen Decke warm einkuschele. Claudia bleibt bis Mitternacht auf der Brücke, Hunting the Light, sinngemäß "Ausschau halten nach Nordlicht", dem Mottospruch der Hurtigruten, aber da schlafen Pieps und ich schon ganz fest. Das soll Claudia uns morgen erzählen...

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