Reise mit Hurtigruten
Tag 1: Kiel - Oslo
Tag 2: Ein Tag in Oslo
Tag 3: Oslo - Bergen - Florø
Tag 4: Maløy - Kristiansund
Tag 5: Trondheim - Nesna
Tag 6: Brønnøysund - Svolvaer
Tag 7: Stokmarknes - Tromsø
Tag 8: Hammerfest - Vardø
Tag 9: Kirkenes - Honningsvåg
Tag 10: Havøysund - Finnsnes
Tag 11: Lofoten - Bodø
Tag 12: Ørnes - Trondheim
Tag 13: Trondheim - Oslo - Kiel
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Heimreise und ein kühner Plan

Als ich an diesem Morgen in den Speisesaal komme, liegen wir bereits am Hurtigruten Kai in Trondheim. Das letzte Frühstück an Bord der MS Lofoten, denn hier müssen wir aussteigen. Ich schaufele eine Riesenportion gebackener Bohnen, Speck und Würstchen auf meinen Teller, um die Traurigkeit zu vertreiben.

Trondheim Hurtigruten

Nach einer Weile kommt Claudia dazu und füllt sich am Buffet eine Portion Porridge ab, die sie nur deshalb heil zum Tisch balancieren kann, weil wir fest im Hafen liegen. Indigniert tupfe ich mir mit einer Serviette den Mund ab. Das manche Leute sich immer so vollstopfen müssen.

Trondheim Reisebus Hurtigruten

Nach dem Frühstück packen wir unsere Sachen und gehen in Trondheim von Bord. Auf dem Kai steht schon der Bus, der uns zum Bahnhof bringen soll. Es regnet während wir unsere Koffer zum Bus rollen.

Gleisanzeiger Der Bahnhof von Trondheim ist total modern und erinnert ein wenig an eine Hotelhalle. Gerade als ich mich darüber wundere, dass unser Zug als einziger noch keine Gleisanzeige hat, knackt es in der Lautsprecheranlage: "Attention please. The train 8.25 to Oslo has been canceled. Please contact the information." Na bravo. Unser Zug fällt aus und wir sitzen hier fest.

An der Information erfahre ich, dass die Bahnstrecke irgendwo in den Bergen durch einen Erdrutsch weggerissen wurde und wir mit dem Bus nach Berkåk gebracht werden, wo unser Zug auf uns wartet.

Die Fahrt in dem modernen Reisebus macht Spaß. Es ist ein Doppeldecker und wir sitzen oben, von wo wir eine tolle Aussicht auf die verschneite Landschaft haben.

Etwa eine Stunde hinter Trondheim kommen wir an der Stelle vorbei, wo die Gleise verschüttet wurden. Die Gleise, die neben dem Fluss entlangführen, sind nicht mehr zu sehen. Zwei Bagger sind dabei, den Schaden in Ordnung zu bringen.

Erdrutsch Norwegen

In Berkåk werden wir mit dem Bus bis auf den Bahnsteig gefahren, wo der Zug bereits auf uns wartet. Claudia bewacht misstrauisch das Verladen unserer Koffer, während ich mir mit Pieps die Beine vertrete.

Berkåk Bahnhof

Von Berkåk sind es noch 500 km bis nach Oslo. Gerade als ich es mir in den bequemen Sitzen der Bahn gemütlich mache, erwacht der Lautsprecher des Zuges zum Leben und informiert uns quäkend, dass der Zug nur bis Lillehammer fährt, weil die Bahnstrecke ab dort gesperrt ist und es von dort mit dem Bus weitergeht. Meine Güte, welch ein komplizierter Tag das heute ist.

Bahnstrecke durch Norwegen

In Lillehammer setzt ein großer Run auf die wartenden Reisebusse ein, aber Claudia schafft es, uns einen prima Platz zu reservieren. Der Bus ist voll besetzt als wir auf der E6 nach Oslo fahren. Die Norweger tun das, was Norweger immer tun, sie telefonieren. Ein Mann mit Handy am Ohr fragt eine Frau, ob der Platz neben ihr noch frei sei. Er hört dabei keine Sekunde auf zu telefonieren. Als sie sich zu ihm umdreht, um ihm hoffentlich den Kopf zu waschen, sehe ich, dass sie selbst ein Handy am Ort hat und nur stumm nickt, ohne ihr Telefonat zu unter­brechen. Norweger unterhalten sich gerne, nur eben nicht mit Mensch in ihrer Umgebung.

Nach insgesamt acht Stunden setzt der Bus uns in Oslo am Bahnhof ab. Davon habe ich mindestens zwei Stunden im Sitzen geschlafen. Sowas kann ich richtig gut. In dieser Hinsicht habe ich als Beamtin klar die bessere Ausbildung.

In Oslo ist Frühling. Ein wunderschöner Tag, die Leute sitzen in der Sonne, die Girls tragen kurze Röcke und auf dem Platz vor dem Bahnhof hängen die üblichen Schwarznasen herum, wie man sie wohl auf jedem Bahnhof der Welt trifft.

In einem Laden kaufe ich eine große Tüte Wiener Würstchen, eine Tube Senf und zwei Dosen Bier. Für Claudie und Pieps gibt es Apfelsaft und Kviklunch.

Wir rollen die Koffer hinüber ins Clarion Hotel und verschwinden sofort auf unser Zimmer. Als erstes wollen alle unter die heiße Dusche und innerhalb kürzester Zeit verwandelt sich das Bad in eine Hölle aus Wasserdampf und nassen Handtüchern. Frisch geduscht veranstalten wir ein Picknick im Bett. Ich halte mich an Würstchen und Bier, ein gutes Essen für jede Gelegenheit. Und Senf natürlich...

Svenja und Pieps im Bett

Claudia und Pieps sind nach dem Essen innerhalb weniger Minuten eingeschlafen, dabei ist es gerade erst 19 Uhr. Was für Schlafmützen, denke ich, als ich einen Moment später das Kindle zur Seite lege und die kleine Leseleuchte ausknipse. Dass manche Leute im Urlaub so früh schlafen gehen...

Claudia berichtet am nächsten Morgen, dass es in der Nacht Randale auf der Straße gegeben hat. Jugendliche, laut, besoffen, gröhlen, Polizeisirenen, Sound wie aus den USA. Großstadt eben. Ich mag sie nicht sonderlich, egal was sie sonst zu bieten haben und deshalb meide ich sie auf allen meinen Motorradreisen. Die Einsamkeit ziehe ich jederzeit vor.

Color Line Terminal Oslo

Es ist Sonntag und viele Norweger reisen mit uns nach Kiel auf einen Tagesausflug. Die Skandinavier, die aus Göteborg und Stockholm täglich mit den Schiffen in Kiel ankommen, sind ein vertrauter Anblick in unserer Innenstadt. Sie kommen nach Kiel zum Shoppen, Essen und natürlich zum Trinken.

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Bei strahlendem Frühlingswetter fahren wir mit der MS Color Fantasy aus dem Oslo Fjord in Richtung offene See, während die Norweger, jung und alt, sich nach allen Regeln der Kunst mit Bier vollaufen lassen. Sie tun das mit einem tiefen Ernst, der ihrer Handlung eine gewisse Würde verleiht.

Color Line Bier trinken

Die Rückreise mit dem Schiff empfinden wir noch quälender als die Hinreise. Die Color Fantasy erscheint uns als eine schwimmende Mall für reiche Ölscheichs, nur das die nicht Hadschi Halef Omar heißen, sondern Sverdrup oder Nansen. Norwegen ist eine Ölnation und eines der reichsten Länder der Erde. Außer uns scheint sich daher niemand an den völlig unangemessenen Preisen für jede Art von Verzehr an Bord zu stören. Und verzehren muss man auf diesem Schiff, wenn man außerhalb seiner Kabine irgendwo sitzen will.

Claudia ist so aufgebracht, dass sie zur Information geht und entrüstet fragt, ob man auch irgendwo sitzen kann, ohne etwas bestellen zu müssen. Ja, erfahren wir, so einen Ort gibt es, einen sehr schönen sogar. Man darf sich in die dicken Clubsessel der Pianobar setzen und wenn der Ober kommt soll man sagen: "No, thank you, please." Dann geht er wieder, ohne dass man rausfliegt, oder es etwas kostet. Der Platz ist echt klasse, aber ohne zu fragen, wären wir da nie drauf gekommen.

Zum Dinner ziehen wir uns in die Kabine zurück. Pieps drängelt ohnehin schon die ganze Zeit, seit sie die kleine Tüte Orangenkekse gesehen hat, die ich noch in meinem Koffer habe und die sie so "total gerne mag".

Kieler Förde

Als wir am nächsten Morgen in die Kieler Förde einlaufen und ich die altvertrauten Häuser sehe, das Landeshaus, die Wasserschutz und den Rathausturm, an dessen Fuß ich wohne, lasse ich die Reise noch einmal Revue passieren.

Hurtigruten Welch eine besondere Reise die Fahrt mit dem Postschiff der Hurtigruten ist.

"Trotzdem verstehe ich nicht, warum die nicht einfach mit LKW fahren, die sind doch viel schneller und moderner, als so'n alter Kahn, der sich durch die Wellen kämpft.", stelle ich altklug fest.

An Claudias missbilligendem Blick sehe ich, dass sie mal wieder anderer Meinung ist und gleich wieder die Ober­lehrerin hervor­kramen wird. Und tatsächlich, diese Frau entäuscht einen niemals: "Sag mal, Tinky Winky, hast du auch nur eine ungefähre Vorstellung davon, wieviele Kilometer kurvenreicher Straßen man quer durch die Berge, übers Fjell, durch Tunnel und auf Fähren über Fjorde fahren müsste, um all die kleinen Häfen zu besuchen und nach Kirkenes zu gelangen?"

"Nein, keine Ahnung, jedenfalls nicht exakt, aber ich bin ja auch nicht völlig dämlich. Ich schätz mal zwei Tage, ungefähr tausend Kilometer, oder so?"

Claudia sieht mich mit dem nachsichtigen Blick einer Mutter an, die ihrem Kind erklärt, wie weit es bis Afrika ist, wenn es bisher nur den Weg zum Kinder­gar­ten kennt: "Das sind fast 6.500 Kilometer bis Kirkenes, wenn man alle Häfen anfährt, in denen wir mit Hurtigruten gewesen sind."

Ich bin beeindruckt, aber das kann ich mir natürlich nicht anmerken lassen, stattdessen erwidere ich cool: "Weißt du was? Die Strecke müsste man echt mal nachfahren: Hurtigruten an Land mit Motorrad, Zelt und Schlafsack.
Das wäre einmal eine Reise...!"



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