INHALTSVERZEICHNIS
Tag 1: Kiel - Esbjerg
Tag 2: Harwich - Wisbech
Tag 3: Wisbech - Pocklington
Tag 4: York - Hardknott Pass
Tag 5: Eskdale - Carsphairn
Tag 6: Carsphairne - Dunoon
Tag 7: Dunoon - N.Ballachulish
Tag 8: Ballachulish - Isle of Skye
Tag 9: Uig - Applecross - Gairloch
Tag 10: Gairloch - Scourie
Tag 11: Scourie - Durness
Tag 12: Durness - Fort Augustus
Tag 13: Fort Augustus
Tag 14: Ft.Augustus - Ballater
Tag 15: Ballater
Tag 16: Ballater - Peebles
Tag 17: Peebles - Osmotherley
Tag 18: Osmotherley - Pocklington
Tag 19: Kilburn, White Horse
Tag 20: Pocklington - Gt. Carlton
Tag 21: Gt. Carlton - Gt. Yarmouth
Tag 22: Gt. Yarmouth - Harwich
Tag 23: Heimkehr und Fazit
Platzhalter
Mablethorpe

Little Chef Receipt

Little Chef Receipt

Motorradfahrer nicht willkommen

Burside Camping Park


Tag 21 - Gt.Carlton - Great Yarmouth

Mablethorpe Chisitts DeliDas Chisitts Deli in Mablethorpe ist so winzig, dass die Kunden draußen sitzen und nur einzeln am Tresen bestellen können. So früh am Morgen ist es aber der einzige Laden mit der Aussicht auf Kaffee.

Der merkwürdige Name der Bar rührt von dem örtlichen Dialekt um Skegness her und ist die Kurz­form von "How much is it?", oder kurz: "Chissit?".

"I'd like to have a white coffee, some toast and butter, please.", gebe ich an dem schmalen Tresen meine Bestel­lung auf.

"One pound, please.", erwidert die junge Frau, die aus Indien stammen könnte.
"How much?", frage ich nach, weil ich glaube, mich verhört zu haben.
"One pound, please", wiederholt sie freundlich.

Ein Frühstück für 1,11 €. Und da heißt es immer, England sei ein so teures Reiseland, nein, diese Erfahrung mache ich auf meiner Reise nicht. Ich bin so verblüfft über den Preis, dass ich sogar vergesse, Tip zu geben, worüber ich mich hinterher ärgere. Knauserig little Me!

Mablethorpe Chisitts Deli

Die Strecke entlang der englischen Ostküste sieht auf der Landkarte sehr attraktiv aus. Dort schlängelt sich die Straße am Wasser entlang durch viele kleine Badeorte. Dennoch täuscht der Eindruck, denn die heruntergekommenen englischen Seebäder verströmen nur noch den morbiden Charme des Verfalls und nicht die bunte, fröhliche Ausgelassenheit, die ich mir in meinen Gedanken vorgestellt hatte.

Besonders Mablethorpe muss bessere Tage gesehen haben. Bingohallen, Take Aways und Nagelstudios reihen sich in renovierungs­bedürftigen Häusern aneinander und sorgen für Tristesse. Was mag mit diesem Ort geschehen sein?

Beach Huts Mablethorpe

Allein die Beach Huts am Strand sehen hübsch bunt aus. Beach Huts sind eine Art über­dimensionierter Strandkörbe und fester Bestandteil der englischen Strandkultur. Man mietet sie tage- oder wochenweise und sie sind nicht einmal teuer.

Sutton Springs Trailerpark

Während die Seebäder finanziell ausgezehrt wirken, reihen sich an ihren Rändern schmucke Trailerparks aneinander, wie ich sie bisher nur aus amerikanischen Spielfilmen kannte. Viel zu große, protzig aussehende Häuser auf Rädern stehen auf riesigen Arealen dicht an dicht an hässlich nebeneinander. Der absolute Höhepunkt aber ist Fantasy Island in Skegness.

Fantasy Island Skegness

Ein Mega-Vergnügungspark, der sicher keine Wünsche offen lässt. Englische Familien buchen ihren Aufenthalt komplett mit allen Eintritt­sgeldern und Übernachtung in einem der Wohnwagen und brauchen das Areal überhaupt nicht zu verlassen. Fast Food Included. Das Publikum, das an diesem Morgen zum Fantasy Island walzt, schockiert mich. Ob man ohne Tätowierung hier nicht reinkommt?

Little Chef Wisbech

Gegen Mittag komme ich durch Wisbech. Ich habe Hunger und die Cow muss tanken. Neben der Tanke gibt es eines dieser roten Little Chef Restaurants. Ich tanke das Motorrad voll und schiebe es hinüber auf den Parkplatz vor dem Restaurant.

Die Einrichtung gleicht der anderer Schnellrestaurants: Sachlich, praktisch, sauber und nicht gemütlich. Ich warte hinter dem Eingang an einem Schild darauf, dass ich platziert werde.

Little Chef Steak Pie Meine Kellnerin heißt Jade und setzt mich an einen Fensterplatz. Sie ist so unglaub­lich hübsch, dass es mir die Sprache ver­schlägt. Mit über 1,80 m ist Jade so groß wie ich, hat wunderschöne dunkle Mandel­augen und wirkt an diesem Ort wie ein Supermodel im Straflager.

"If there's anything I can do for you, Miss, just shout." Sie nennt mich "Miss". Gut für mein Passing aber schlecht für alles sonst.

Die Gerichte auf der Speisekarte sehen vielversprechend aus und ich bestelle ein Steak and Ale Pie für 7,99 £ und Kaffee.

"Instant or ground?" fragt Jade, aber ich weiß nicht, was das bedeutet. "Ground? I don't know what it means. Is it filter coffee?", frage ich nach. Ja, ist es. Der Kaffee wird in einer dieser Selbstdurchdrückmaschinen serviert und schmeckt prima.

Das Essen ist entäuschend. Der Teig der Pastete ist fingerdick, so dass kaum Platz für die Füllung bleibt, eine Art Gulasch in Biersauce. Mein teuerstes Essen in England ist zugleich das schlechteste. Nein, tut mir leid, Jade, wir werden uns hier nicht wiedersehen. Außer ich darf dich abends mal von der Arbeit abholen.

Der Bureside Holiday Park kriegt mich an diesem Tag mit einem ganz andere Trick: Nachdem ich über acht Stunden unterwegs bin, suche ich einen Zeltplatz für die Nacht. Ein Schild "Campsite" an der Hauptstraße kurz vor Great Yarmouth zeigt nach rechts in die Pampa und ich folge ihm. Eine Entfernungsangabe ist nicht dabei. Es geht links und rechts, die Straßen werden immer kleiner. Nach guten zehn Meilen fahre ich über einen staubigen Sandweg zwischen Feldern hindurch und kann nicht glauben, dass ich hier noch richtig bin.

Bin ich aber, denn endlich erreiche ich den Bureside Holiday Park, der in Sachen Gast­freund­lichkeit ganz eigene Akzente setzt. Der Platz steht auf einem ehemaligen Fabrikgelände und ist noch nicht ganz fertig gestellt. Dafür ist die Preisliste aber schon fertig und fordert tapfere 15 £ für eine Übernachtung im Zelt. Als ich mich beschwere, grinst der Typ am Tresen mich nur wortlos an. Wir wissen beide, dass ich jetzt nicht 16 km zur Hauptstraße zurück­fahren werde, um mir einen anderen Platz zu suchen.

Bureside Holiday Park

Ich lächele zurück, bezahle und nehme mir vor, später im Waschraum irgend etwas kaputt zu machen, um das Gleichgewicht wieder­herzu­stellen. Wie sich herausstellt, komme ich zu spät, das haben andere schon erledigt.

Pool Bureside Holiday Camping Park

Heute ist mein letzter Abend in England und ich bin ein bisschen traurig, dass ich ihn auf so einem ätzenden Platz verbringe. Morgen schlafe ich schon auf der Fähre nach Dänemark.

Schräg gegenüber zelten vier Typen, die den ganzen Abend Bierdosen öffnen, sich laut unterhalten und doof zu mir rüberglotzen. Nee, Freunde, auf euch hab ich nun gar keinen Bock. Als ich an ihnen vorbei zum Waschhaus gehe, mache ich mich noch ein paar Zentimeter größer als ich bin und habe vorsichtshalber sowieso meine Motorradklamotten angelassen. Es kommen aber keine dummen Sprüche und ich höre heraus, dass es Typen vom Militär sind, die hier ein Buddy Weekend verbringen und ganz in Ordnung sind.

Bureside Holiday Park Great Yarmouth

Den Abend verbringe ich mit Pieps und den Jungs vom Raumkreuzer Antares bei Bacon, Beans und Bier, bevor Pieps und ich schon sehr früh in unseren Schlafsack krabbeln.

Gute Nacht, Welt...

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