Inhaltsverzeichnis
Anreise
Tag 1: Kiel - Esbjerg
Tag 2: Harwich - Adderbury
Tag 3: Adderbury - Pencelli
Irland
Tag 4: Pencelli - Rosslare
Tag 5: Rosslare - Clonmel
Tag 6: Clonmel -Skibbereen
Tag 7: Beara Peninsula
Tag 8: Ring of Kerry - Dingle
Tag 9: Dingle Peninsula
Tag 10: Cliffs of Moher
Tag 11: Galway und Achill Island
Nordirland
Tag 12: Achill - Lough Erne
Tag 13: Giant's Causeway
Tag 14: Mountains of Mourne
Irland
Tag 15: Wicklow Mountains
Tag 16: Rathdrum
Tag 17: Die Wicklows - Rosslare
Wales
Tag 18: Pembroke - Cardigan
Tag 19: Cardigan - Disserth
Tag 20: Disserth - Porthmadog
Tag 21: Porthmadog
Tag 22: Porthmadog
Tag 23: Snowdonia Rundtour
Tag 24: Brecon Beacons
England
Tag 25: Pencelli - Cotswolds
Tag 26: The Cotswolds
Tag 27: Highfield Farm
Heimreise
Tag 28: Harwich International Port
Tag 29: Esbjerg - Kiel
Fazit der Reise Platzhalter Route Irland 2012
Platzhalter Route Irland
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Info: Straßen in Irland
Das Straßensystem in Irland kennt vier Kategorien:

- M = Motorway (Autobahn)
- N = National Road (Bundesstraße)
- R = Regional Road (Landstraße)
- L - Sonstige (L mit 4 Ziffern)
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Info: High Street
High Street ist in Großbritannien und Irland die Bezeichnung für die Haupt­ein­kaufstraße eines Ortes. Der wahre Straßen­name kann anders lauten, ist aber tatsächlich oft High Street.
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Info: Kilkenny Castle
Kilkenny Castle, oder Castle of Butlers, ist eine Normannenburg, die 1391 als Familiensitz der Ormonds errichtet wurde.
Kilkenny Castle

Die Familie bewohnte das Schloß bis 1935. Der letzte Ormond verkaufte das Schloß für die Summe von 50 £ an den irischen Staat.

Das Schloss und seine Gärten wurden restauriert und können heute von Touristen besichtigt werden.
Platzhalter Vodafone
Platzhalter Butcher's Note
Platzhalter Guiness Reklame
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Info: Powers-the-Pot Camping
Powers-the-Pots Farm Camping ist ein Campingplatz auf einer Farm in den Comeragh Mountains.

Bei meinem Besuch 2012 entsprach der Platz in keiner Weise mehr dem Platz, wie er auf der Website präsentiert wird. Es entstand der Eindruck, dass der Campingplatz nicht weiter betrieben wird und dem Verfall gewidmet ist.

Preis 2012: Für Zelt, Motorrad und mich 8 €.

Würde ich dort noch einmal zelten?
Nein. Unter keinen Umständen.

Weniger schön: Dreckig, verkommen, zugemüllt, erledigt.



Kilkenny und das gruselige Camp

Brecon Wales Um drei Uhr in der Nacht weckt mich ein leichter Regen, der sanft aufs Zelt trommelt. Ich drehe mich um, rücke das kleine Out­door­kis­sen zu­recht und schlafe mit dem wohligen Gefühl von Geborgenheit wieder ein.

Am Morgen hat der Regen aufge­hört und dichter Nebel liegt über den Wiesen. Ich breche das Lager ab und ziehe meine Regenkombi an, denn auf dem Motorrad ist Nebel kaum anders als Regen. Die feinen Tröpfchen dringen in jede Ritze. Erwartungsvoll starte ich zu meinem ersten Reisetag durch Irland.

Heute werde ich Kilkenny besuchen, aber dazu muss ich zuerst den Weg nach Bridgetown finden. Die R736, die auf der Karte so einfach erschien, ent­puppt sich als üble Schlag­loch­piste mit vielen Kreuzungen, die nicht beschildert sind.

An einer Einmündung stoppe ich und werfe einen Blick auf die Karte. Ein Lieferwagen hält mitten auf der Straße an. Ein Mann sitzt am Steuer und auf dem Beifahrer­sitz ein Junge in Schuluniform. Der Fahrer dreht das Fenster herunter: "You lost?", ruft er. "Yes", erwidere ich kleinlaut. "Wait, I'll turn over."

Er fährt den Van an den Straßenrand, steigt aus und kommt zu mir herüber. Inzwischen regnet es wieder. Er sieht sich die Route auf meiner Karte an und schüttelt den Kopf: "No signposts and too many crossroads", keine Wegweiser und zuviele Kreuzungen. Für einen Fremden sei die kaum zu finden. In epischer Breite beschreibt er einen anderen Weg. Sein Oberhemd ist längst durchnässt und ich denke, dass auch sein Sohn inzwischen zu spät zur Schule kommt. "Thank you very much", bedanke ich mich. "Have a save Journey", erwidert er und ich fahre weiter.

New Ross

Mit Hilfe meines Kompass und der Landkarte gelingt es mir schließlich doch, der R736 bis Bridgetown zu folgen, wobei ich mich nur zweimal ein bisschen verfahre.

New Ross ist die erste Stadt, durch die ich in Irland fahre. Mit 7.700 Einwohnern ist sie der drittgrößte Ort der Gegend. Der River Barrow fließt mitten durch und der Nachbau eines Segelschiffes aus dem 19. Jahrhundert liegt als Wahrzeichen hier vor Anker.

New Ross

Ich parke das Motorrad neben einem Denkmal, ziehe die Regenkombi aus und schlendere die High Street entlang. New Ross ist bunt und lebendig, mit vielen kleinen Läden, die durch ihre farbigen Holzfassaden ganz einzigartig sind. Die Stadt gefällt mir und vielleicht finde ich einen netten Tea Room, wo ich frühstücken kann.

New Ross High Street

Das Sugar & Spice sieht einladend aus. Es wird von zwei Frauen geführt, von denen eine gleich meine Bestellung aufnimmt. "Coffee and Toast. Two slices, white and brown, please." Vier Euro kostet das kleine Frühstück und ich finde es noch immer strange, im Ausland mit 'deutschem' Geld zu bezahlen.

Svenja im Sugar and Spice New Ross Irland

Während ich in aller Ruhe den leckeren Knuspertoast esse und meinen Kaffee dazu trinke, schreibe ich ausführlich ins Tagebuch, was ich heute morgen erlebt habe. Auf jedes neue Blatt schreibe ich die Seitenzahl und male einen Kreis darum. 24 steht jetzt oben und ich bin noch lange nicht fertig. Ich bestelle einen weitere Tasse Kaffee.

Dunbrody New Ross Irland

Als ich mit dem Frühstücken fertig bin und nach Kilkenny starte, verstaue ich die Leder­hand­schuhe im Tankrucksack und fahre mit den luftigen MotoCross Gloves. Damit lässt sich auch die Kamera bedienen und sie sind bei der Wärme angenehmer zu tragen.

Svenja Endurowandern Irland

Kilkenny ist um die Mittagszeit bereits völlig overcrowded. Heerscharen von Touristen sind in den engen Gassen unter­wegs und Autos schieben sich in einer endlosen Kolonne im Zeit­lupen­tempo durch die High Street. Vor dem Kilkenny Castle lenke ich die KLX auf den Geh­weg und stelle sie dort ab.

Die Sonne scheint und es ist ein herrlicher Sommertag. Davon muss ich unbedingt Claudia erzählen. Ich nehme mein Handy und wähle ihre Nummer, aber der Ruf geht nicht raus und auch SMS funktionieren nicht. Dabei ging es in Wales noch ganz problemlos. Ich drehe um und suche einen Telefonladen.

Kilkenny Castle

Es sind nur wenige hundert Meter zurück in die High Street, aber obwohl die Kawa so schlank ist, werde ich sie nur durch entschlossenes Falschparken auf dem Gehweg los. Im Vorbei­fahren habe ich einen der typischen, roten Vodafone Shops entdeckt. Vielleicht kann man mir dort helfen.

Der kleine Laden ist gut besucht und ich muss eine Weile warten, bis ich an der Reihe bin. Die Mädchen hinter dem Verkaufstresen machen einen kompetenten Eindruck, haben aber auch keine Lösung. Schon mehrere Touristen hätten von Roaming­problemen berichtet, ohne dass man helfen konnte.

Ich löse das Problem selbst, indem ich eine irische Vodafone SIM-Karte kaufe, die ohnehin viel günstiger ist. Die Karte kostet 10 € und ich lasse sie mit weiteren 30 € aufladen. Außerdem bekomme ich 180 Freiminuten ins Ausland dazu und obwohl Deutschland ja kein Ausland ist, gehört es in diesem Falle doch dazu.

Nach wenigen Minuten bin ich unter der neuen Nummer erreichbar, ohne dass auch nur nach meinem Namen gefragt wurde. Jetzt weiß niemand, wem diese Rufnummer gehört. Ich werde wohl endlich ein paar Stöhnanrufe erledigen.

Dores Butcher Kilkenny

In dem Gewimmel aus Menschen und Autos habe ich gar nicht gemerkt, dass der Vodafone Laden genau neben einem großen Butcher Shop liegt. Das muss ein Zeichen sein.

Hinter der Theke steht ein Butcher in seiner rotweißen Tracht: "How you doin' and what can I do for you?", begrüßt er mich. Es sieht alles sehr verlockend aus und ich brauche eine Weile, um mich für die Striploin Steaks zu entscheiden. Striploin, oder auch Club Steak, ist ein besonderer Cut aus dem Roastbeef des Black Angus Rind, den ich zuhause noch bei keinem Schlachter gefunden habe. Vier Stück für 10 €, ein fantastisches Angebot.

Als das Geschäftliche erledigt ist, fragt der Fleischer nach meinem Motorrad, denn er hat ge­se­hen, wie ich es gegenüber abgestellt habe. Wir kommen ins Gespräch und er berichtet von einem tollen Campingplatz, wo er am letzten Sonntag mit seiner Frau gewe­sen ist. Der Name des Camps fällt ihm aber partout nicht ein. "Just a Moment. I'll call my Boss".

Er wischt seine Hände ab, nimmt das Handy und wählt eine Nummer. "My Wife", erklärt er mit einem Augenzwinkern in meine Richtung und einen Moment später: "Honey, where did we stay just the other weekend camping?" Doch seine Frau erinnert sich auch nicht mehr, kennt aber jemanden, der den Namen weiß. Sie will zurückrufen, sobald sie ihn herausgefunden hat.

Dores Premium Butcher Shop Kilkenny

Inzwischen stehen drei Kundinnen im Laden und warten darauf, bedient zu werden. "Just a minute, please", ermahnt er sie mit energischer Stimme. Im selben Moment klingelt sein Handy, der Lady Boss. "Clogheen? Parson's camping? Spell it, please." Er nimmt einen Stift und schreibt die Daten auf ein Stück Karton. Ich bedanke mich überschwänglich und verab­schiede mich. Butcher und ich, das scheint eine natürlich Verbindung zu sein.

Kilkenny ist wirklich schön, aber heute ist es mir zu voll und zu hektisch. New Ross hat mir fast besser gefallen. Es ist kleiner und weniger schön, aber irgendwie auch echter und nicht so auf Tourismus gestylt. Es dauert eine Weile, sich aus der High Street heraus zu winden. Stop and Go geht es am Flußufer des River Nore entlang, während auf der anderen Straßen­seite ein Einkaufs­zentrum liegt. Fleisch habe ich jetzt, aber ich brauche auch Getränke und Schokoriegel.

River Nore Kilkenny Castle

Dunnes Stores ist erstaunlich groß für eine kleine Stadt wie Kilkenny mit ihren 22.000 Einwohnern. Ich gehe zuerst in den Schnappsladen und nehme mir Guinness und ein Smithwick's aus dem Regal.

"Could you please give me a bag", frage ich an der Kasse nach einer Tüte. "Makes a funny sight, a woman in the middle of the day carrying two cans of beer in her hands", füge ich erklärend hinzu, dass es merkwürdig aussähe, wenn ich mit zwei Bierdosen in den Händen herumlaufe.

"Of course", sagt der junge Mann hinterm Tresen und steckt die Bierdosen in eine braune Papier­tüte, wie ich sie in amerikanischen Filmen so cool finde. "Otherwise that's a common sight in this area", fügt er lachend hinzu.

Die Textilabteilung erinnert an eine Mischung aus Woolworth und C&A. Ich nehme eine rosa Leggings vom Ständer und mache mich auf die Suche nach einem schwarzen Shirt. "Do you have a Shirt like this with Sleeves", frage ich eine Verkäuferin, die gerade Ware einsortiert und halte ihr ein ärmelloses Shirt entgegen. Ärmellos trage ich nicht gern, weil ich darin aussehe, wie Klitschko im Trägertop. "Rosalie? This Lady needs your Assistance", ruft sie quer durch den Laden einer Kollegin zu.

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Ein schwarzes Longsleeve hat Rosalie nicht anzubieten, stattdessen zeigt sie mir eine gemusterte Bluse, die so unglaublich bunt, hässlich und mit Blumenmuster ist, dass ich beginne, an ihrem Urteils­vermögen zu zweifeln. "No, thank you. Its lovely, but I think, I'll stick to this shirt", lüge ich die Bluse hastig fort und gehe mit Klitschkos Trägertop und der Leggings zur Kasse. Wer konnte denn auch ahnen, dass Irland im Mai so heiß ist?

Über Carrick-on-Suir fahre ich weiter zu einem Campingplatz, den ich schon zuhause bei der Planung ausgesucht habe. Außer in der Nähe seiner Highlights, sind Campingplätze in Irland eher dünn gesäht und es ist klug, eine Vorauswahl zu treffen. Für jeden Tag meiner Reise habe ich zwei Plätze auf der Landkarte markiert.

Irland

Der Zeltplatz liegt irgendwo in der Pampa im völligen Nichts. Es gibt nur Berge, Schafe und Ginster in mehreren Meilen Umkreis. Beim ersten Anlauf fahre ich an dem Schild vorbei. Powers The Pot Farm Camping steht darauf, aber es ist schwer zu sehen, weil es von Gras überwuchert ist. Ich rolle auf den Hof und bleibe vor dem Gebäude stehen, das ich für die Rezeption halte.

"Hello, anybody there?", rufe ich und betrachte die Plaketten der Camping­verbände an der Tür. Der des British Caravan Club ist von 2004. Ein Mann ist aus dem Haus gekommen und geht auf mich zu. Er mag Ende 50 sein, hat einen Schnauzer und trägt eine Brille mit dunklen Gläsern. Er öffnet die Tür zur Rezeption und wir gehen hinein. Auf einem Bewer­tungs­portal habe ich von einer gemütlichen Bar gelesen und nach der Beschreibung muss das einmal dieser Raum gewesen sein. Inzwischen ist er mit allerlei Kram vollgestellt und wirkt völlig herunter­ge­kommen. Ich zahle 8 € und bin damit eingecheckt.

Der Campingplatz ist überraschend groß. Ein paar windschiefe und vor langer Zeit erblindete Laternen erinnern an bessere Zeiten. Vor dem Waschhaus steht ein ausrangierter Wohn­wa­gen mit eingeschlagenen Scheiben, der allmählich ins Grundwasser sickert. Ansonsten bin ich ganz allein. Kein weiteres Zelt, kein Wohnmobil, nicht einmal ein vertrockneter Dauer­cam­per. Nur dieser vergammelte, alte Bauernhof. Gedanken an die Pickton Farm werden wach.

Powers-the-Pot Camping 2012

Aus der löcherigen Dachrinne des Waschhauses tropft rostiges Wasser auf den Beton. Vor der Tür hat sich eine braune Pfütze gebildet. Innen drei kleine Waschbecken, ein leerer Papierspender und eine viertel Rolle Lokuspapier in einem der drei Verschläge.

Ich frage Mr. Unheimlich, ob ich der einzige Campinggast sei und er verneint. Ganz sicher würden später noch weitere Gäste kommen, aber ich denke, wir wissen beide, dass er lügt. Heute wäre mir sogar ein Lehrerehepaar recht, denen ich nur zu gerne zusehen würde, wie sie in Birkenstocks vor ihrem Wohnmobil sitzen und Blasentee trinken. Alles ist besser, als allein hier zu sein.

Svenja und Pieps in Irland

Endlich ist es Zeit fürs Essen. Ich werfe den Kocher an, stelle die Titanpfanne darauf und gebe ein paar Tropfen Biskin hinein. Innerhalb von Sekunden ist das dünne Metall heiß und mit einem Zischen lege ich die Steaks ins heiße Fett. Das Fleisch ist göttlich. Perfekt abge­hangen und mürbe. An jedem Stück hängt ein dickes Fettauge wie ein kleines Pendel herab. Welch ein toller Cut. Die verstehen ihr Handwerk, die Butcher in diesem Land.

Striploin Steaks

Trotzdem gebe ich nach dem dritten Steak auf. Das vierte packe ich mir zum Frühstück in eine der weißen Tüten, die ich vom Schiff mitgebracht habe. Sie lagen dort auf allen Decks bereit und sind von innen beschichtet, damit nichts durchsuppt. Ich wusste doch, dass ich die noch einmal gut gebrauchen kann.

Als ich später im Zelt liege, achte ich auf jedes Geräusch, das zu hören ist. Na warte, denke ich. Zuhause werde ich meine Eindrücke in jeder Community dieses Planeten hinterlassen. Mit diesem wohl­tuenden Rachege­danken schlafe ich ein.

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In meinem Blog könnt ihr einen Kommentar zur Reise abgeben und darüber würde ich mich sehr freuen, damit ich weiß, dass überhaupt jemand das hier gelesen hat...








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Svenja Svendura Panic Coda iMacMade by Svenja Svendura on Apple iMac with Panic Coda and Photoshop Elements.