Inhaltsverzeichnis
Anreise
Tag 1: Kiel - Esbjerg
Tag 2: Harwich - Adderbury
Tag 3: Adderbury - Pencelli
Irland
Tag 4: Pencelli - Rosslare
Tag 5: Rosslare - Clonmel
Tag 6: Clonmel -Skibbereen
Tag 7: Beara Peninsula
Tag 8: Ring of Kerry - Dingle
Tag 9: Dingle Peninsula
Tag 10: Cliffs of Moher
Tag 11: Galway und Achill Island
Nordirland
Tag 12: Achill - Lough Erne
Tag 13: Giant's Causeway
Tag 14: Mountains of Mourne
Irland
Tag 15: Wicklow Mountains
Tag 16: Rathdrum
Tag 17: Die Wicklows - Rosslare
Wales
Tag 18: Pembroke - Cardigan
Tag 19: Cardigan - Disserth
Tag 20: Disserth - Porthmadog
Tag 21: Porthmadog
Tag 22: Porthmadog
Tag 23: Snowdonia Rundtour
Tag 24: Brecon Beacons
England
Tag 25: Pencelli - Cotswolds
Tag 26: The Cotswolds
Tag 27: Highfield Farm
Heimreise
Tag 28: Harwich International Port
Tag 29: Esbjerg - Kiel
Fazit der Reise Platzhalter Übersichtskarte
Platzhalter Route
Platzhalter Speisekarte Tea Room
Platzhalter Cafe Rendezvous
Platzhalter
Info: Uhrentürme
Turmuhren gibt es in vielen Ländern an Rathäusern und Kirchen, aber die speziellen Uhrentürme sind typisch für Groß­britannien. Der bekannteste seiner Art dürfte Big Ben in London sein.

Uhrenturm

Clock Tower sind die besonders auf­wendige und edle Ausführung eines Marktkreuzes, mit dem in Markt­städten der Market Square gekenn­zeichnet wird.

In Machynlleth steht der Uhrenturm an der Stelle, wo sich die beiden Haupt­straßen treffen und zu einem Markt­platz verbreitern. Jeden Mittwoch ist dort Farmers Market, was in etwa unserem Wochenmarkt entspricht.
Platzhalter Benzinquittung Motorrad
Platzhalter coop kassenbon england
Platzhalter


Zurück nach Pencelli

Cafe Rendezvous MachynllethUm acht Uhr treibt mich die Sonne aus dem Zelt. Das geheizte Wasch­haus habe ich ganz für mich allein, denn außer mir sind keine Camper mehr da und die Wohn­wagen­leute waschen sich wohl in ihren Trailern. In aller Seelenruhe breche ich das Lager ab und ver­zurre alles sorg­fältig auf dem Motorrad.

Es ist warm in der Morgensonne und meine Fleece­jacke verstaue ich hinten im Gepäck. Ein Fehler, wie sich etwas später in den Ber­gen herausstellen wird, aber das kann ich jetzt noch nicht wissen.

Drei Nächte habe ich in Porthmadog verbracht und bin froh, dass es jetzt endlich weiter­geht. Viel lieber baue ich mein Zelt jeden Tag woanders auf.

Gegen 9 Uhr fahre ich über Pont Britannia und lasse Porthmadog hinter mir. Heute abend werde ich wieder in Pencelli campen, aber zuerst einmal liegt eine tolle Tagesreise durch die Einsamkeit der walisischen Berge vor mir.

Hinter Dolgellau geht es weiter auf der A487, eine kurvenreiche Strecke, die besonders auf der leichten Enduro großen Spaß macht.

Nach einer halben Stunde erreiche ich Machynlleth, das von seinen Bewohnern schlicht 'Mach' genannt wird. Vermutlich können sie es selbst nicht aussprechen. Im Zentrum steht ein wunderhübscher Uhrenturm, wie sie für Groß­britannien so typisch sind. Dieser wurde gerade durch eine große Aktion zur Rettung der Turmuhr erhalten und ich muss schmunzeln, weil mich das an die Aktion zur Rettung einer anderen Uhr erinnert.

Ich bin durchgefroren und mache mich auf die Suche nach heißem Kaffee. Es gibt mehrere Tea Rooms in der High Street und ich entscheide mich für das Café Rendezvous, das mit seinen braunen Sprossenfenstern besonders gemütlich aussieht.

Es gibt nur fünf Tische und einen schmalen Tresen am Durchgang zur Küche. Der winzige Laden ist gut besucht, aber am Fenster ist noch ein Tisch frei, der so klein ist, dass zwei Personen Mühe hätten, ihre Teller abzustellen, ohne die Salzstreuer vom Tisch zu nehmen.

Toast und Kaffee

An den übrigen Tischen sitzen überwiegend ältere Herrschaften und der Raum ist erfüllt von Geschirrklappern und dichtem Stimmengewirr. Trotzdem verstehe ich kein einziges Wort, denn hier wird Gälisch gesprochen, die alte Sprache der Kelten. Nur ganz selten ist einmal ein englisches Wort zu hören.

"How are you today?", fragt mich eine unglaublich dicke Frau und sieht mich dabei freundlich an. Sie hat wohl geahnt, dass Gälisch nicht meine erste Sprache ist.
"Not too bad", antworte ich lässig, weil ich inzwischen weiß, dass die Leute gar kein ehrliches Interesse an meiner Krankengeschichte haben.

"What can I have you, dear?"
"Black coffee and two slices of buttered toast. No jam, please."
"Brown or white toast?"
"One of each."
"That's two twenty. Take a seat, I'll bring it to you."

Der Kaffee ist erstklassig und heißhungrig mache ich mich über den Toast her. Erst jetzt merke ich, wie hungrig ich bin. Es ist gleich 11 Uhr und zuletzt habe ich gestern abend um sechs etwas gegessen. Deshalb heißt es ja auch breakfast, Fasten brechen: "Svenja broke her fast on toast and coffee."

Vielleicht bleibe ich deshalb halbwegs schlank, obwohl ich jeden Tag Entrecote, Koteletts und Cadbury Flakes esse, weil ich ungefähr 16 Stunden faste, bevor ich mich in dem schmalen Zeitfenster zwischen 10 und 18 Uhr richtig sattesse.

Am Boden der ersten Tasse bestelle ich eine weitere, denn ich habe noch keine Lust weiter­zufahren. Hier ist es so gemütlich und durch das Sprossen­fenster sehe ich dem Treiben auf der High Street zu.

Auf dem Weg nach Süden will ich nicht die Hauptstrecke fahren, sondern auf einer kleinen Asphaltstraße durch die Berge. Ich bin mir nur nicht sicher, wo ich den Einstieg in die Route finde. Diese Nebenstrecken sind manchmal schwierig zu finden. Es sind nur wenige Schritte, um die Landkarte aus dem Tankrucksack der Kawasaki zu holen und beim Kaffee die weitere Route zu planen.

Am Nebentisch sitzt ein alter Waliser, dessen Gesicht an eine Karte aus Google Maps erinnert, wenn man die Geländeansicht zuschaltet. Er ist sicher an die 90 und die vier Ladys an seinem Tisch dürften kaum jünger sein, was ihn nicht daran hindert, Hof zu halten, wie ein 1a Gockel. Ich bin beeindruckt, der alte Knabe hat es wirklich drauf. Gebannt hängen die Girls an seinen Lippen.

Trotzdem muss ich kurz stören. Einen Moment lang stehe ich mit der Karte in der Hand am Tisch, bis ich es wage, mich zu räuspern und so die Aufmerksamkeit auf mich zu lenken. Die Damen sehen neugierig zu mir hoch, während sich der ältere Herr eher unwirsch zu mir umdreht. Offensichtlich störe ich seine Kreise.

"Excuse me, please, but I wonder if you could show me how to find the mountain road to..."

...und statt des Ortsnamens Llanidloes zeige ich stumm auf die Karte. Die Aussprache des Walisischen ergibt sich nicht einfach aus der Schreibweise und das doppelt 'L' ist ein besonders fieser Laut. Wie ein Hooligan, der etwas hochholt, kurz bevor er ausspuckt.

Der alte Herr muss keine Sekunde überlegen: "You follow this road to the left until you see the garage up the road and then turn right. You follow the road for what maybe twenty miles and that's it", informiert er mich knurrig und zeigt dabei durchs Fenster auf die High Street mit einer vagen Bewegung nach links.

Ich bedanke mich freundlich, bekomme noch ein 'Have a safe journey' mit auf den Weg und gehe zu meinem Motorrad, um mich startklar zu machen.

Forge Road B4518 Wales

Mit der Beschreibung im Hinterkopf ist der Weg einfach zu finden. Hinter der Garage, damit ist eine Tankstelle gemeint, geht es nach rechts auf die Nebenstrecke. Schon nach wenigen Meilen fange ich wieder an zu frieren und hole die Fleecejacke aus der Gepäckrolle.

Kawasaki KLX250 Enduro Reise durch Wales

Nach der Hälfte der Strecke treffe ich auf die B4518, die ich nordgehend schon gefahren bin. An der A470 biege ich nach Süden ab und folge ihr bis nach Builth Wells, wo ich volltanke und im Tankstellenshop ein paar Vorräte für den Abend besorge. Heute gibt es Lammkoteletts und Schweinesteaks. Die Guten mit dem extra breiten Fettrand. Dazu kaufe ich etwas Ciabatta, einen Schokoriegel und eine Flasche Wasser. Alles zusammen kostet nur 7 £.

Bevor ich weiterfahre kaufe ich mir in der Bäckerei einen Steak Slice, eine Blätterteigtasche mit Rindergulasch, und verdrücke sie im Stehen neben dem Motorrad.

Mit dem Kompass auf meinem Ärmel ist es nicht schwer, die Zufahrt zur B4520 zu finden, die am 456 m hohen Ysgwydd Hwch vorbei nach Brecon führt. Von dort sind es nur noch wenige Meilen bis nach Pencelli Castle, wo ich vor genau drei Wochen schon einmal gezeltet habe und wo ich seinerzeit zur Lady Muhliuster geadelt worden bin.

Enduro und Zelt

Mein Zelt stelle ich wieder auf The Meadow direkt neben einen der Pick­nick­tische. Zur Abwechselung sitze ich heute einmal nicht auf dem Erdboden, sondern bereite mir am Tisch ganz feudal ein hervorragendes Abend­essen zu.

Als erstes brate ich die Lammkoteletts, bis sie schön knusprig sind. Dazu gibt es Ciabatta und einen Becher Merlot. Währenddessen brutzeln bereits die Schweinekoteletts in der Pfanne und sehen mit jeder Minute verführerischer aus. Welch ein schönes Leben ich habe.

Endurotour planen

Nach dem Essen bleibe ich in der untergehenden Sonne sitzen und denke über zukünftige Touren nach. Während ich die Reisepläne in mein Tagebuch schreibe und nebenher Merlot aus dem Becher trinke, der tagsüber am Karabiner von meiner Gepäckrolle baumelt, kann ich mir nicht vorstellen, jemals mit dem Zelten, dem Motorradreisen, dem Sich-nass-regnen-lassen, den Abenteuern und den Entrecotes aus der Titanpfanne aufzuhören.

So viele interessante Ziele schwirren in meinem Kopf herum, die Pieps, Greeny und ich in den nächsten Jahren bereisen wollen. Es gibt noch viel Neues zu entdecken und manches, dass ich gerne wiedersehen möchte.

Morgen beginnt die letzte Woche meiner Irlandreise 2012 und für die habe ich mir ein besonderes Highlight aufgehoben, aber das ist ein Thema für morgen, denn jetzt gehe ich schlafen. Komm, Pieps. Gute Nacht, Welt.

weiter zu Tag 25

zurück nach oben

Die Diskussion läuft hier munter weiter und ich freue mich sehr über eure Kommentare.








Topliste Offroad Motorrad

Svenja Svendura Panic Coda iMacMade by Svenja Svendura on Apple iMac with Panic Coda and Photoshop Elements.