INHALTSVERZEICHNIS
Tag 1: Kiel - Esbjerg
Tag 2: Harwich - Wisbech
Tag 3: Wisbech - Pocklington
Tag 4: York - Hardknott Pass
Tag 5: Eskdale - Carsphairn
Tag 6: Carsphairne - Dunoon
Tag 7: Dunoon - N.Ballachulish
Tag 8: Ballachulish - Isle of Skye
Tag 9: Uig - Applecross - Gairloch
Tag 10: Gairloch - Scourie
Tag 11: Scourie - Durness
Tag 12: Durness - Fort Augustus
Tag 13: Fort Augustus
Tag 14: Ft.Augustus - Ballater
Tag 15: Ballater
Tag 16: Ballater - Peebles
Tag 17: Peebles - Osmotherley
Tag 18: Osmotherley - Pocklington
Tag 19: Kilburn, White Horse
Tag 20: Pocklington - Gt. Carlton
Tag 21: Gt. Carlton - Gt. Yarmouth
Tag 22: Gt. Yarmouth - Harwich
Tag 23: Heimkehr und Fazit
Platzhalter
Skizze Reiseroute Tag 12

Ben Loyal Hotel Tongue Flyer

Geldautomat Lairg

Lairg Filling Station

Alness CoOp Supermarket

Cumberlands Campsite


Tag 12 - Durness - Fort Augustus

Svenja baut ihr Zelt abMeine Laune an diesem Morgen ist nicht die beste. Ja, ich habe super geschlafen, ja, ich stehe am schönsten Platz der Welt und ja, zum ersten Mal würde ich sogar länger als eine Nacht an einem Ort bleiben. Das geht aber nicht. Warum nicht...?

Ja warum wohl nicht? Weil ich absoluter Trollo vergessen habe, dass heute Sonntag ist. Deshalb war es gestern im Laden so voll, weil die Highlander am Samstag ihren Wochen­end­ein­kauf erledigt haben. Ich habe zwar auch einge­kauft, aber leider alles gleich aufge­gessen. Die drei leckeren Schweine­koteletts, die Baked Beans, den Käse und ich hab auch die Dose Bier schon ausgetrunken. Grmpf...

Sonntag in den Highlands bedeutet, dass alles zu hat. Die Läden, korrigiere: Der Laden ist geschlossen und sogar die Tankstelle ist zu. Benzin habe ich zum Glück genügend. Der Tank der Green Cow ist mit 7,7 Litern Superbenzin randvoll. Das reicht für mehr als 200 Km.

Die Sonne steht noch nicht lange am Himmel, als die kleine 250er Kawa fertig bepackt zur Abreise bereit ist. Ein letztes Mal genieße ich die atemberaubende Aussicht und bin doch nicht traurig, denn hier komme ich wieder her. Das verpreche ich mir selbst an diesem Morgen ganz fest. Hier kommst du wieder her! Und dann bleibst du vielleicht sogar mal zwei Nächte lang. Habe ich schon erwähnt, dass ich auf Reisen eher der rastlose Typ bin...?!

Motorbike in Durness

Im zweiten Gang tuckere ich leise über den Campingplatz und erinnere mich an das Hinweisschild nach Cocoa Mountain. Vielleicht gibt es dort ja auch Black Pudding? Nein, haben sie leider nicht. Im Cocoa Mountain gibt es nur Pralinen und Schokolade, aber am Sonntagmorgen um halb acht gibt es nicht mal die, denn das Café ist noch geschlossen. Meine Güte, wie lange schlafen manche Menschen eigentlich?

Eine Meile hinter dem Café endet die Straße an einem sagenhaft schönen Sandstrand mit karibischem Flair. Am Ufer eine alte, verfallene Kirche und ein Friedhof. Eine Szene wie aus einem Piratenfilm.

Beach at Balnakeil

Ich lasse das Motorrad zurück und gehe langsam über den alten Friedhof. Viele Grabsteine sind uralt und kaum zu entziffern. Auf einer Hinweistafel erfahre ich, dass ich in Balnakeil stehe und diese Kirche bereits 1617 gebaut wurde. Hier liegt nicht nur ein berühmter Clan­führer der MacLeods begraben, bei dessen Namen ich sofort an Christopher Lambert denken muss, sondern auch die Tante von John Lennon wurde in Balnakeil beigesetzt.

Balnakeil Church Cemetary

Von Balnakeil fahre ich zurück nach Durness und von dort weiter auf der A-838 in Richtung Tongue. Ich spreche es Tongie aus, aber die Einheimischen sagen schlicht Tong. Ich finde mein Tongie aber schöner und bleibe dabei.

Mit der Enduro in den Highlands
Mit dem Motorrad in den Highlands

Auf einer endlos langen Steigung mit Gegenwind entdecke ich in weiter Ferne einen kleinen blauen Fleck am Horizont. Die Jacke kennst du doch? Und zum dritten Mal auf dieser Reise begegne ich Bruce auf seinem Fahrrad. Ich bleibe stehen und wir unterhalten uns. Bruce tut ein wenig genervt und will mir erzählen, er sei beim Wildcampen beinahe von den Midges gefressen worden, aber ich falle auf solche Märchen natürlich nicht herein, denn ich habe noch kein einziges von diesen Fabelwesen gesehen. Aus reiner Höflichkeit tue ich aber trotzdem so, als wenn ich ihm glaube.

Wir verabschieden uns zum dritten Mal auf dieser Reise, diesmal mit der vagen Aussicht auf ein Wiedersehen in Tongue, denn wir sind beide auf der Suche nach einer heißen Tasse Kaffee.

In Tongue ist bis auf das Ben Loyal Hotel alles geschlossen. Ich stelle das Motorrad ab und gehe zur Rezeption. Dort werde ich in den Frühstücksraum verwiesen, wo die Hotelgäste ihr Frühstück schon beendet haben, denn die Tische im Speisesaal werden gerade neu eingedeckt. Ich setze mich an einen Tisch am Fenster, der mit schneeweißem Tischleinen gedeckt ist. In der ledergebundenen Frühstückskarte stehen die leckersten Sachen, aber dafür keine Preise. Das ist ein gutes Zeichen, dann wird es wohl nicht teuer sein.

Eine wirklich hübsche junge Frau im süßen Kellnerinnendress nimmt meine Bestellung auf und ich ordere ein Full Scottish Breakfast mit Kaffee und Toast. Ich darf mich außerdem am Buffet mit Obst und Cerealien bedienen, aber ich verzichte dankend. Ich bin schließlich nicht krank, sondern nur hungrig.

Beschreibung

Als das Mädchen mir echt silbernes Besteck und eine Stoffserviette hinlegt und der Kaffee auf einem Silbertablett serviert wird, bekomme ich Zweifel. Keine Preise in der Karte und Silber­besteck bedeuten doch preiswert, oder...?

Das Frühstück ist jedenfalls unglaublich gut und gerade als ich den ersten Schluck Kaffee trinke, kommt Bruce durch die Tür und setzt sich zu mir an den Tisch. Er ordert ein zweites Breakfast und kurz darauf wolfen wir gemeinsam unsere Sausages, den Bacon und die Baked Beans in uns hinein. Es gibt sogar gebratene Champignons dazu.

Wir frühstücken beide in aller Ruhe und genießen die herrliche Aussicht durch das Panoramafenster in die offenen Highlands hinein. In der Ferne sieht man die Straße nach Lairg, die ich gleich fahren werde. Bruce fährt weiter nach Scrabster in Richtung John O'Goates, hier trennen sich unsere Wege. Zum Abschied zeigt sich Bruce als wahrer Gentleman und lädt mich zum Frühstück ein. Danke, du Lieber. 7,50 £ kostet das Full Scottish Breakfast im Ben Loyal Hotel, das ist mehr als günstig. Also, merke: Silberbesteck und ledergebundene Speisekarten ohne Preise stehen für billig. Und Midges gibt es nicht...

Tongue Lairg Highlands

Als ich zu meinem Motorrad komme, steht eine alte Lady davor. Keine ältere Dame, sondern eine wirklich alte Lady von vielleicht 80 Jahren.

"Nice motorbike.", sagt sie anerkennend und ich denke im Stillen: "Hey Oma, was weißt du denn davon?"

"I have one myself and just rebuilt it from ground up." Uff, so kann man sich täuschen. Ich erfahre, dass die Lady eine Ambassador, Modell 1951 Embassy fährt, bzw. gefahren ist. Sie ist sauer auf ihre Familie, weil sie ihr nicht mehr erlaubt, damit zu fahren.

Dabei ist sie über 30 Jahre lang mit dem Motorrad durch die Highlands zu ihren Schafweiden gefahren und bewundert die grobe Bereifung meiner KLX. Sie hatte damals oft Probleme im sumpfigen Gelände. Granny hat die totale Ahnung von Motorrädern und wir unterhalten uns prächtig, solange bis sie zum Mittagessen muss und in ihrem Ford Focus davon braust.

Endurowandern in den Highlands

Von Tongue aus fahre ich 70 km in vollkommener Einsamkeit durch die Highlands. Endlos schlängelt sich die kleine Single Track Road durch die Landschaft. Ich liebe diese Einsamkeit, welch ein überwältigend schönes Gefühl es ist, mit 70 bis 80 km/h auf dieser Straße zu fahren.

Costcutter Supermarkt Tankstelle Lairg

Tatsächlich sind es genau 111 km bis ich Lairg erreiche und eine geöffnete Tankstelle finde. An einem Geldautomaten reiße ich mit meiner Maestro-Card 250 £ aus der Wand. Das war ein billiger Urlaub bis jetzt. Ich habe pro Tag nur 45 £ ausgegeben für Benzin, Essen, Trinken und Übernachtung. Nicht schlecht, oder?

Lairg Schottland Rapsblüte AlleeMit vollem Tank fahre ich von Lairg weiter in Richtung Süden auf Loch Ness zu. Am frühen Nachmittag komme ich nach Alness und obwohl Sonntag ist, haben die Super­märkte geöffnet. Ich stelle die Kawa vor dem großen The co-operative food store ab und gehe in den Laden. Helm und Handschuhe lasse ich wie immer am Motorrad.

CoOp hat in Schottland eine tolle Fleisch­abteilung und ich weiß kaum was ich nehmen soll. Heute probiere ich mal die Sirloin Steaks. Eine deutsche Entsprechung für Sirloin habe ich nicht gefunden, aber sie erinnern an Rumpsteaks, nur dass sie nicht so ekelig mager, sondern durch und durch mit Fett marmoriert sind.

Ich kaufe knappe 600 g Steak für Pieps und mich, denn es ist ganz erstaunlich, was die kleine Maus so alles verdrücken kann.

Für mich gibt es dazu ein John Smith's Extra Smooth und eine Handvoll Schokoriegel. Der Einkauf passt noch oben in den Tankrucksack und kurz darauf geht es weiter in Richtung Loch Ness. Allmählich mache ich mich auf die Suche nach einem Zeltplatz für die Nacht, aber heute habe ich partout kein Glück und fahre weiter und weiter, ohne etwas Schönes zu finden.

CoOp Alness Scotland

Als ich Loch Ness erreiche, biege ich in südlicher Richtung auf die Uferstraße ein. Im dichten Verkehr quäle ich mich am Loch Ness entlang. Besonders schön ist es hier nicht, kein Vergleich mit dem übrigen Schottland, das ich bisher gesehen habe. Ich fahre an einem Camping­platz vorbei, aber die nehmen keine Zelte auf, sondern nur weiße Ware.

Schließlich erreiche ich Fort Augustus an der Südspitze von Loch Ness, einen kleinen Ort mit einer Aufsehen erregenden Schleusentreppe, wo der Caledonian Canal in das Loch Ness geschleust wird.

Cumberlands Campsite Fort Augustus Loch Ness Scotland

Nachdem ich an der Gulf Tankstelle im Ort getankt habe, fahre ich über die Kanalbrücke und erreiche nach wenigen hundert Metern einen Campingplatz, die Cumberlands Campsite. Der Platz wurde nagelneu angelegt und ist riesen­groß mit wunder­baren Stellflächen.

Fort Augustus Zelt und Motorrad

Vom Loch Ness zieht eine schwarze Wolkenwand herüber, die nichts Gutes verheißt, außer vielleicht wenn man ein Fisch ist, aber das macht mir nichts aus. Von oben ist mein Zelt absolut regendicht und kochen kann ich im Schutz der Apsis.

Trotzdem bin ich mit dem heutigen Tag nicht zufrieden. Ich bin viel zu weit und zu lange gefahren und habe das Gefühl, den schönsten Teil Schottlands vorschnell verlassen zu haben. Diese Rastlosigkeit muss ich mir unbedingt abgewöhnen.

Das Abendessen ist dafür ein echtes Highlight. Scottish Angus Beef ist unüber­troffen. Es hat einen ganz typischen, sehr aroma­tischen Eigenge­schmack und ist so gut gereift, dass es sehr mürbe ist und beim Braten beinahe in der Pfanne zerfällt. Den Unterschied kann man auf dem Foto mit bloßem Auge erkennen, die oberen Steaks sind Angus Beef.

Scottish Angus Beef and beer

MacPieps The Mouse im Zelt

Während das letzte Steak noch in der Pfanne brutzelt, beginnt es zu regnen. Zuerst nur ganz leicht, dann etwas stärker, bis schließlich ein gleichmäßiger Landregen gemütlich aufs Zelt trommelt. Mit dem letzten Bissen Steak und einem Schluck Bier von dem guten John Smith's Extra Smooth lasse ich mich nach hinten auf den Schlafsack sinken. Zum Nachtisch gibt es einen Cadbury Flake Allure, den leckersten Schokoriegel der Welt und danach weiß ich nix mehr. Ich muss wohl gleich eingeschlafen sein...

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Svenja Svendura Panic Coda iMacMade by Svenja Svendura on Apple iMac with Panic Coda and Photoshop Elements.