Reise mit Hurtigruten
Tag 1: Kiel - Oslo
Tag 2: Ein Tag in Oslo
Tag 3: Oslo - Bergen - Florø
Tag 4: Maløy - Kristiansund
Tag 5: Trondheim - Nesna
Tag 6: Brønnøysund - Svolvaer
Tag 7: Stokmarknes - Tromsø
Tag 8: Hammerfest - Vardø
Tag 9: Kirkenes - Honningsvåg
Tag 10: Havøysund - Finnsnes
Tag 11: Lofoten - Bodø
Tag 12: Ørnes - Trondheim
Tag 13: Trondheim - Oslo - Kiel
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Auf den Lofoten

In Harstad nehmen wir zwei Paletten Wandfarbe, eine Ladung Autoreifen und zwei Dutzend Passagiere an Bord. Während der Nacht gab es auf offener See Probleme mit der Maschine, so dass wir jetzt eine Stunde Verspätung haben.

Harstad

Harstad

Die neuen Passagiere sind überwiegend norwegische Männer zwischen 40 und 50. Verwegene Gestalten, die von einem Wettangeln kommen. Einige von ihnen tragen Messer am Gürtel. Sie machen sich auf ziemlich unangenehme Weise in der Bar, der Cafeteria und im Eisbärsalon breit, wo Claudia, Pieps und ich sitzen und lesen.

Hurtigruten Harstad

Es ist gegen 9.30 Uhr als wir ablegen und bereits die ersten 0,6 l Gläser Ringnes Pilsener auf den Tischen der Norweger stehen. Um kurz nach zehn holt einer der Männer, ein finster dreinblickender Bursche mit Cowboyhut und einem langen Messer am Gürtel, sein drittes Glas Bier für 72 NOK (ca. 9,50 €). Zwischendurch trinkt er aus einer Whiskyflasche, die er dazu jedesmal aus seinem Rucksack hervorholt.

Auch zwei Frauen gehören zu der Gruppe. Sie sind ebenso laut und prollig und passen perfekt ins Bild. Ausgesprochen unangenehme Zeitgenossen. Die meisten Passagiere sind inzwischen aus dem Eisbärsalon geflüchtet und auch wir verziehen uns ein Deck höher in die Observation Lounge.

Risøyrenna

Kurz darauf fahren wir in die Risøyrenna, einen 4,5 km langen Kanal durch eine Meeresuntiefe. Letztlich sieht man nur eine Fahrrinne im Meer und wäre sie nicht zu beiden Seiten mit Seezeichen markiert, würde man gar nicht merken, dass man durch einen Kanal fährt.

Risøyrenna

Das Radarecho auf dem Monitor zeigt uns allerdings, dass der Kapitän sehr genau fahren muss, will er nicht in die Fußstapfen des unrühmlichen Kapitän Schettino treten. Unser Kapitän aber heißt Amundsen und genießt schon daher unser volles Vertrauen.

In Risøyhamm wird ein großes, verschweißtes Paket von Würth ausgeladen und wir füllen den Laderaum mit zwei Paletten Tierfutter in 25 kg Säcken. Nach sagenhaften 9 min. Liegezeit dampfen wir schon wieder ab. Der Kapitän möchte sicher die 42 min. Verspätung wieder hereinholen, aber um ein Haar lassen wir dabei einen der Offiziere an Land zurück, der mit eiligen Schritten aus dem Hafenkontor kommt just in dem Moment, als die Gangway weggezogen wird. Diese wird eigens noch einmal angelegt, Offizier an Bord und weiter gehts.

Das Mittagessen ist heute kein Vergnügen. Der Speisesaal ist overcrowded von zu lauten, zu trinkenden und zu telefonierenden Norwegern, die sich ins Buffet eingekauft haben und sich mehrheitlich wie die Obelixe benehmen. Norwegische Männer lassen sich nicht allein durch ihre guten Manieren, ihren Feinsinn und eine erhabenen Zurückhaltung charakterisieren.

Diese hier benehmen sich jedenfalls wie ausgehungerte Bohrinselarbeiter auf ihrem ersten Urlaub. Betont damenhaft schlinge ich drei Portionen Rentiergulasch in mich hinein und verlasse anschließend feinsinnig und charmant den Speisesaal.

Stokmarknes

Inzwischen haben wir ungemütliches Wetter mit Regen und Wind von vorn. Bei der Einfahrt in den Raftsund kommt ein Boot achter auf und macht längsseits fest, ohne dass die MS Lofoten wesentlich Fahrt wegnimmt.

Es ist das Ausflugsboot für die Seeadlersafari. Die Passagiere, die diese Exkursion für 99 € gebucht haben, steigen über. "Guck doch einfach nach oben." fordert Claudia mich auf. Ich sehe hoch und tatsächlich, da fliegen zwei Seeadler direkt über uns. Auch ohne Safari kann man sie prima erkennen.

Erstaunlich große Biester, diese Seeadler und ich würde gerne teilnehmen, aber eine Nachfrage beim Reiseleiter bringt die Ernüchterung. Wie ich ihn verstanden habe, wird es wohl nicht gern gesehen, wenn man die Seeadler beim Füttern mit der üblichen Methode (Stück Brot, Angelhaken und 5 m Klaviersaite) aus der Luft fängt. Ich verliere das Interesse und gucke anschließend auch nicht mehr hoch.

Raftsund

Raftsund

In Svolvær, der größten Stadt der Lofoten, verlassen uns die fröhlichen Norweger. Bis zur letzten Minute vor dem Anlegen haben sie engagiert weitergetrunken. Als sie die Gangway herunterschwanken, hat das nur wenig mit dem Seegang zu tun. Am Kai wartet bereits eine Gruppe neuer, nur auf den ersten Blick angenehmerer Passagiere auf uns. Es ist eine Gruppe russischer Mädchen auf Klassenreise.

Hurtigruten Svolvaer

Ich zähle 64 Köpfe, bin mir aber nicht sicher, weil sie so aufgeregt durcheinander wuseln. Sie kommen aufs Schiff wie Honig über Ameisen und belegen mit unglaublicher Bravour sämtliche, aber auch wirklich alle Plätze im Eisbärsalon und in der Observation Lounge. Wenigstens bin ich jetzt nicht mehr die Einzige mit hohen Absätzen, denn unter 9 cm trägt kaum eines der russischen Mädchen. "Endlich normale Menschen." seufze ich erleichtert.

Lofoten Stockfisch Trockengestelle

Als ich an diesem Abend in der Koje liege und das Licht ausknipse, ist es gerade 20 Uhr. Obwohl ich jede Nacht bis zu zehn Stunden schlafe, bin ich trotzdem oft müde und Claudia ergeht es ebenso. Auch die Schweizer Passagiere, mit denen ich gesprochen habe, machen dieselbe Beobachtung an sich. Eine Erklärung dafür habe ich nicht gefunden. An der guten Seeluft kann es nicht liegen, denn zuhause in Kiel kann ich kein Fenster öffnen, ohne das Zeug in der Bude zu haben, denn ich wohne nur 900 m vom Meer entfernt.

In dieser Nacht habe ich einen wilden Traum. Ich hänge außen an einem Segelflugzeug, das im wilden Sturzflug auf den Boden zurast und erst im letzten Moment abgefangen wird und wieder steil nach oben schießt. Dann ein kurzer Moment der Schwerelosigkeit, bevor es wieder in den Sturzflug geht.

Von einem Knall in der Kabine werde ich wach. Es ist Claudias schwerer Reisekoffer, der mit Schwung gegen die Kabinentür geknallt ist und sich schon wieder engagiert auf den Rückweg zur gegenüberliegenden Wand macht. Hui, welch ein Seegang. Daher der verrückte Traum. Wir überqueren in dieser Nacht den Vesterfjord und erleben dabei den bisher heftigsten Seegang unserer Reise. Man gewöhnt sich daran und ich schlafe im Nu wieder ein, nachdem der Koffer verkeilt ist.

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