Motocamping Dänemark - Tag 1
Neunzig Minuten hinter Kiel stehen wir am Terminal der Fähre Puttgarden-Rødby. Die Linie der Scandlines von Fehmarn nach Dänemark funktioniert wie ein gut geöltes Uhrwerk: Es bleibt gerade genug Zeit, einmal kurz den Seitenständer auszuklappen und dieses Foto zu machen – jede Menge nichts zu sehen, da winkt ein Lademeister uns bereits aufs Schiff. Die Herbstreise beginnt.

Ich lege den Gang ein und lasse die Kupplung kommen. Wir sollen die Rampe hoch ins obere Fahrzeugdeck. Für Motos gibt es an Bord eine Extraspur, die aussieht wie ein Radweg. Diese Fähre ist das perfekte Schiff zum Üben von Mit-dem-Motorrad-auf-der-Fähre. Einfacher als hier, ist es nirgends.
Ich fahre auf dem Radweg bis nach vorne, stelle den Motor ab und parke neben einem der breiten Gurte, die von der Bordwand hängen. Ich lasse Greeny auf den Seitenständer sinken, lege den Gurt über die Sitzbank, hake ihn auf Deck ein und ziehe ihn fest. Fertig. Schnitzeltime!

Wir müssen uns ein wenig beeilen, denn die Prinsesse Benedikte braucht bloß 45 Minuten bis nach Rødby in Dänemark. Dieses Zeitfenster genügt Pieps und mir, um ein Schnitzel zu verdrücken – mit Pommes und Sauce Béarnaise, im Duty-Free-Shop nach Schokolade zu stöbern und an Deck eine Brise Seeluft zu schnuppern. Fünf Minuten vor der Zeit muss ich wieder unter Deck sein und Greeny startklar machen.

Schnitzel, Pommes, Béarnaise ist für uns der Klassiker an Bord der Fähre. Pieps und ich essen das auf jeder Überfahrt und lieben es. Unseretwegen könnten sie den gesamten Teller mit Béarnaise fluten, der Hollandaise für Feinschmecker. In Dänemark ist die sehr verbreitet. In jedem Supermarkt, der Grillfleisch hat, steht gleich daneben Sauce Béarnaise.

Zehn Minuten vor Dänemark mache ich Greeny startklar und werfe einen Blick auf die Baustelle des Fehmarnbelt-Tunnels. Ab 2031 soll man durch einem 18 km langen Tunnel direkt nach Dänemark fahren können.
Never! Pieps und ich werden weiterhin der Fähre die Treue halten. Nicht wegen Platzangst und Bedenken unterm Meer, sondern allein wegen der schönen Seefahrt, wegen Schnitzel Béarnaise und der tollen Auswahl an Parfum und Schokolade im Duty-Free-Shop an Bord.

Die Bugklappe öffnet sich, die Ampel schaltet Grün und wir rollen von Bord. Es ist jedesmal ein besonderer und erhebender Moment, wenn ich mit dem Motorrad vom Schiff in ein anderes Land hineinfahre. Keine Ahnung, was genau da los ist, aber es macht mich glücklich.

In der Warteschlange vorm Schiff stehen hunderte Fahrzeuge und warten bis endlich alle von Bord sind, damit sie auch zu ihrem Schnitzel kommen. Motorräder stehen ganz vorne am Fuß der Rampe. Ich winke kurz hinüber, aber dann sind sie auch schon vorbei.
Vom Fährhafen geht es am Zoll entlang direkt auf die Autobahn E47. Weil wir als Erste vom Schiff gefahren sind, haben wir buchstäblich freie Bahn. Ich halte Greeny bei 6.000 Touren knapp unter Hundert, während die Landschaft ruhig an uns vorbeigezogen wird.
Das ist auch etwas, dessen ich niemals leid werde. Früher habe ich immer gedacht: „Wenn ich einmal groß bin, dann kaufe ich mir ein richtig starkes, schnelles Motorrad“. Im Lauf der Zeit und vieler Reisen habe ich bemerkt, dass es der Tempobereich bis 100 ist, der mir den größten Spaß macht. Wieso? Keine Ahnung und ist auch nicht von Bedeutung.

Von unserer Haustür in Kiel bis zu dem Quadratmeter Gras auf Møn, der bekannt ist als unser Platz, sind es genau 199 Kilometer, vier Stunden, zwei Fähren und ein Schnitzel Béarnaise. Wobei es heute eine Fähre weniger war, weil die IDA von Stubbekøbing nach Bogø mit Maschinenschaden im Dock liegt und wir stattdessen die Brücke nach Bogø und von dort den Damm nach Møn nehmen mussten.
Bei SuperBrugsen in Stege, der Inselhauptstadt von Møn legen wir einen kurzen Zwischenstopp ein. Mit dem Einkaufskorb in der Hand steuere ich zielstrebig auf den Fleischtresen zu, aber eine gewisse Maus möchte am ersten Abend der Reise statt Entrecôte lieber Lachs essen.
Ich suche uns zwei besonders frische, rosige Stücke Lachsfilet aus und kurz darauf fahren wir raus zum Campingplatz.

Was Camping Hautoreille für unsere Reisen nach Frankreich bedeutet, ist Camp Møns Klint für Reisen nach Dänemark – ein Campingplatz zum Ankommen und Verabschieden, den man über die Jahre mehr und mehr ins Herz geschlossen hat.
Umso erstaunter bin ich, dass sie es hier mit dem Datenschutz nicht sonderlich genau nehmen. Beim Einchecken nenne ich bloß lässig meinen Namen, alle weiteren Daten seien bereits im System gespeichert.
„Sorry, but we delete all customer data at the end of each season.“
Ist das zu glauben? Anstatt meine Daten zu schützen und im Computer zu speichern, muss jedesmal alles neu buchstabiert werden. Keiner erkennt mich hier jemals wieder, einerlei, wie oft ich mit der Enduro bereits den Fußweg zur oberen Zeltwiese hochgebrettert bin.Auf der Website der dänischen Datenschutzbehörde Datatilsynet heißt es: Verdacht auf Datenschutzverletzung? Informieren Sie die dänische Datenschutzbehörde.
Anzeige ist raus. Ihr seid sowas von fällig, Leute!

Mir fällt sofort auf, dass sich in dieser Saison eine Sache verändert hat, von der ich noch nicht weiß, ob ich sie gut oder schlecht finde: Das Camp wurde parzelliert. Wo man sich vorher frei aufstellen konnte, trägt nun jeder Flecken Gras ein Schild mit einer Zahl. Unser hat die Nummer 281.


Der erste Abend auf Møn, der erste Abend im Zelt sind etwas Besonderes. Die gesamte Magie der neuen Reise hängt wie Parfum in der Luft. Endlich geht es wieder los!
Dabei ist Møn nur die erste Station unserer Reise, wir wollen uns Fünen und Langeland ansehen, aber zuerst wollen wir essen, und deshalb müsst ihr jetzt leider nach Hause gehen. Da ist nicht genug Füsch für alle.
„Gute Nacht, Welt. Bis morgen...“
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