Frankreich 2019
Tag 1 Kiel - Hamburg-Altona
Tag 2 Lörrach - Camp Hautoreille
Tag 3 Langres - Parc du Morvan
Tag 4 Morvan - Auvergne
Tag 5 Parc Volcans d'Auvergne
Tag 6 Auvergne - Perigord
Tag 7 Jokertag in Beynac
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Parc Naturel du Morvan

Das muss unser Tisch sein. Ich habe für heute Morgen petit dejeuner, ein Frühstück, vorbestellt. Der Platz im Schatten ist hübsch eingedeckt mit Baguette und Croissant, Aufschnitt und Marmelade, Käse und Ei.

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Der Wirt bringt Kaffee und stellt ein Brioche dazu. Es hat die Gestalt eines Häschens. Das hat seine Tochter gebacken, erklärt er stolz. Pieps ist hingerissen, weil sie darin ganz selbstverständlich eine Maus erkennt, sogar eine besonders entzückende, nämlich sie selbst.

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In einem Schraubglas eine glatte, weiße Creme. Was mag das sein? Das ist Joghurt. Den macht seine Frau selbst. Die machen ihren eigenen Joghurt! Nicht zu fassen. Ich liebe diesen Campingplatz, weil er hübsch ist und von dieser sympathischen Familie mit soviel Herzblut geführt wird.

Wir sitzen im Schatten und blicken auf einen blühenden Garten bunter Blumen. Ein Rasensprenger versprüht zarten Nebel. Der Wirt bringt frischen Kaffee. Es ist der schönste Morgen aller Zeiten.

Mein erstes Ziel heute heißt Langres. Es ist der Nachbarort und ich frage mich seit Jahren, wie man das wohl ausspricht: "How do you pronounce it? Is it called Longresss or Longreeé?"

Der Wirt sieht mich einen Moment lang gütig an, lächelt und erklärt dann: "It's Lông." Er betont es mit langem ´O´ und hinter dem ´G´ ist das Wort schon zu Ende. Es ist frustrierend. Diese Sprache wird sich mir nie erschließen, besonders nicht die Eigennamen.

Wir brechen auf. Ich starte die Enduro, lege den Gang ein und lasse die Kupplung kommen. Am Ende der langen Zufahrt biege ich nach links auf die Landstraße ein. Schon bald taucht Langres in der Ferne auf.

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Es ist Sonntag. In Deutschland sind die Geschäfte geschlossen, aber in Frankreich haben sie zumindest vormittags auf. Ich fahre zu dem großen Intermarché am Kreisverkehr und rolle an die Tankstelle.

Bei 7,24 Liter ist Schluss. Der Tank ist voll. Ich rechne; 257 km, eins hin, zwei im Sinn … das sind unglaubliche 2,8 Liter auf hundert. Hopser ist sogar noch deutlich genügsamer als Greeny.

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Ich schnalle den Tankrucksack wieder auf und tuckere quer über den Platz zum Eingang des Supermarkts. Viel brauchen wir heute nicht, nur etwas Entrecôte und eine frische Knoblauchzwiebel. Der Fleischtresen ist am Sonntag nicht unter Dampf, aber selbst die abgepackten Steaks machen einen passablen Eindruck.

Fleisch und Knoblauch stopfe ich oben in den Tankrucksack auf die Foto­sachen. Bevor ich aus Langres, das sich angeblich Lông spricht, heraus­fahre, trinke ich einen guten Schluck Wasser und ziehe die Zipper über den Lüftern der Endurojacke auf.

Die Landschaft in diesem Teil Frankreichs ist sicher nicht sensationell, aber trotzdem ist es eine Freude hier zu fahren. Oft bin ich ganz allein auf den Routes départementales unterwegs.

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Zuerst habe ich mich darüber gewundert, dass hier so wenig Verkehr ist, aber dann habe ich recherchiert: Wo sich bei uns zu Hause 234 Leute auf den Füßen stehen, sind es in Frankreich bloß 105. Die Bevölkerungsdichte ist nicht einmal halb so groß wie in Deutschland. Kein Wunder also, dass man ungestört cruisen kann.

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Die wenigen Bauerndörfer, durch die ich fahre, liegen allesamt verlassen in der Mittagshitze. Eine graue Katze schreitet gelangweilt über die Straße. Ich fahre so langsam, dass wir uns nicht in die Quere kommen. Sie würdigt mich keines Blickes.

Schon seit einer Weile halte ich Ausschau nach einem der gelb weißen Kilometersteine. Ich möchte ein Foto davon machen. Da vorne steht einer. Ich bremse und halte auf freier Strecke an. Weit und breit ist kein Auto in Sicht. Der Stein, der bei näherem Hinsehen keiner ist, sondern aus Plastik, was ein wenig enttäuschend ist, steht genau auf der Grenze zwischen den Départements Haute-Marne und Côte-d’Or.

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Gegenüber hat eine Herde Charolais Rinder im Schatten einer knorrigen Eiche Schutz vor der Mittagshitze gefunden. Als ich halte, kommen sie neugierig näher. Es sind mächtige Tiere. Als ich ihnen nichts zu bieten habe, trotten sie gemächlich zurück in den Schatten. Bei dieser Wärme sollte jede Bewegung mit Bedacht erfolgen. Kluge Tiere.

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Die Gegend wird immer einsamer. Schon eine Weile bin ich durch kein Dorf mehr gekommen. An der Straße steht ein fast überwuchertes Schild "Parc Naturel Régional du Morvan".

Der Morvan ist eine besonders dünn besiedelte Region. Autun, die größte Stadt der gesamten Gegend hat gerade einmal 13.500 Einwohner. Im Morvan ist buchstäblich der tote Hund begraben. Ich mag das.

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Am Straßenrand blüht Ginster. Überall in der Landschaft sind die gelben Farbtupfer zu sehen. Mitten im Nirgendwo das Hinweisschild zu einem Camping­platz, Camping Plage du Midi. Hier war ich vor ein paar Jahren schon einmal mit Greeny.

Camp Plage du Midi liegt am Ufer des Lac des Settons. Es ist Napoleon­wetter und der öffentliche Strand ist voller Badegäste. Sogar jetzt in der Vorsaison ist der abgelegene Campingplatz gut besucht.

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An der Rezeption stehen die Leute Schlange. Es ist der Sonntag nach Himmelfahrt. Die meisten wollen abreisen. Sie haben einen Brückentag genommen und das lange Wochenende am See verbracht. Heute Abend dürfte es schlagartig leer werden.

Ich checke ein und suche mir einen Zeltplatz im Schatten hoher Platanen. Der Boden ist ausgedörrt, nur unter den Bäumen wächst noch etwas Gras. Bei der Wärme bewege ich mich wie die Charolais Rinder auf der Weide, langsam und bedächtig. Bevor ich die Heringe einschlage, ziehe ich ein leichtes Kleid an. Einen billigen Fummel von Bonprix, genau richtig für den Campingplatz.

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Während ich unser Lager fertig eingerichtet habe, ist es um uns herum allmählich leer geworden. Wo eben noch Zelte und Wohnmobile standen, ist jetzt wieder alles frei. Die Leute sind nach Hause gefahren. Ich schnappe mir Pieps und wandere hinunter zur Bar.

Ich hole mir ein Glas Bier vom Tresen und setze mich auf einen Platz tief im Schatten. Es macht Spaß, die Leute zu beobachten. Männer mit der Sonnen­brille lässig hinter den Ohren, so dass die verspiegel­ten Gläser im Nacken hängen, farbige Armbänder, gegelte Haare, ein Basecap mit dem Schirm nach hinten, goldene Kettchen. Männer waren schon immer auch Modefiguren, genau wie die Frauen. Sie schmücken sich nur anders.

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Nach dem zweiten Bier habe ich genug gesehen und Pieps quengelt, dass sie Hunger hat. Wir gehen zurück und ich bereite das Abendessen vor. Während die erste Scheibe Entrecôte in der Pfanne brät, schäle ich den Knoblauch und schneide ihn in dünne Scheiben.

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Das Fleisch ist klasse und der geröstete Knoblauch frisch aus der Pfanne schmeckt vorzüglich dazu. Solch ein Abendessen gibt es eben nur im Chez Svenja, dem berühmten Steak House im Zelt.



zum nächsten Tag...

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Svenja Svendura EndurowandernMade by Svenja Svendura on Apple iMac with Panic Coda and Photoshop Elements.