Reise nach Island
Tag 1: Kiel - Silkeborg
Tag 2: Silkeborg - Hirtshals
Tag 3: Hirtshals - Norröna
Tag 4: Shetlands - Färöer
Tag 5: Seyðisfjörður - Möðrudalur
Tag 6: Vormittag: Zur Askja
Tag 6: Nachmittag: Zur Herdubreid
Tag 7: F88 - Dettifoss - Ásbyrgi
Tag 8: Ásbyrgi - Myvatn
Tag 9: F26 - Sprengisandur
Tag 10: F821 - Akureyri - Blönduos
Tag 11: Kjölur - Kerlingarfjöll
Tag 12: Kjölur-Geysir-Pingvallavatn
Tag 13: Pingvallavatn - Holmavik
Tag 14: Holmavik - Flokalundur
Tag 15: Svalvogur - 622
Tag 16: Flokalundur - Budardalur
Tag 17: Budardalur - Pingvellir
Tag 18: Selfoss - Landmannalaugar
Platzhalter Motorradreise Island
Platzhalter Motorradtour Island
Platzhalter Islandreise
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Platzhalter Islandreise
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Svalvogur - 622

"Good morning. I would like to have breakfast." "Sure. That´s 1900 crones." Ich tippe die PIN meiner VISA Card ins Terminal und werde mit einer einladenden Hand­bewegung in Richtung des Speise­saals ent­lassen: "Just help yourself."

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Pieps und ich sind nicht die ersten Gäste. Am Fenster sitzt ein älteres Ehepaar, unverkennbar Briten, und mitten im Saal frühstückt eine junge Chinesin mit ihrem Mann.

Das Buffet ist keine Überraschung. Es bietet den gewohnt kargen Gegen­entwurf zu den überrüsteten Buffets Hamburger Tagungshotels, aber hier, am Ende der Welt und nur ein paar Schritte hinter meinem Zelt, ist es schlichtweg grandios und jede Krone wert.

Ungewohnt ist allein die Art, in der Bananen serviert werden: Die langen Früchte werden in drei gleich große Stücke zerhackt. Mit Schale.

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Aufschnitt und Käse sind eher basic, aber es gibt auch sauren Hering, und der ist famos. Ich stelle für Pieps und mich zwei bunte Teller zusammen.

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Was auf keinem isländischen Frühstückstisch fehlen darf, ist Liquid Cod Liver Oil, Lebertran. Neben dem Bottich mit Porridge steht eine kleine Flasche der goldgelben Flüssigkeit. Fischöl aus der Leber des Kabeljau.

Ich gieße probehalber eine winzige Portion in einen Becher und nippe vorsichtig daran. Puh, das ist nichts für Anfänger, ein Geschmack, wie abgeleckter Räucheraal. Ich schenke noch einmal nach. Pieps ist "not amused".

Mit einiger Sicherheit ist das kleine Fläschchen nicht nur das gesündeste Nahrungsmittel auf dem Tisch, sondern auch das teuerste. Der Liter kostet etwa 80 €.

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Wer sich dagegen überhaupt keine Gedanken um die Gesundheit macht, das sind die beiden Chinesen am Nebentisch. Sorglos stopfen sie sich schon zum Frühstück mit Süßkram voll: Banane, Melone, ein wenig Voll­kornbrot, etwas Fisch, keine Butter. Dazu trinken sie auch noch schwarzen Tee. Kein Wunder, dass die nicht alt werden, die Chinesen, und eher von mittlerem Wuchs sind.

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Der Fisch ist alle! Pieps, die Chinesen und ich haben das komplette Depot an Hering verputzt. Das wird eine Weile vorhalten. Zeit, sich auf den Weg zu machen. Heute liegen 180 km Endurowandern vor uns. Bevor ich starte, tanke ich am Hotel noch einmal randvoll.

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Bei herrlichstem Sonnenschein geht es hinaus auf die Piste. Der Asphalt endet schon nach hundert Metern. Das Wetter ist unglaublich, so sonnig und klar hatte ich mir Island, und insbesondere die Westfjorde, in meinen kühnsten Träumen nicht vorgestellt. Ich dache, da würde es ständig regnen und das auch nur, wenn es nicht gerade schneit.

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Ein Wildbach schäumt hinunter zum Fjord und verschwindet in der Ferne aus der Sicht. Noch weiß ich nicht, dass es dieser Bach ist, der den Dynjandi Wasserfall bildet.

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Die Westfjorde haben weit weniger Sehenswürdigkeiten zu bieten, als das übrige Island und so wird jede Sache, jede kleine Besonderheit und jeder Blickfang, zwangsläufig zum Publikumsmagneten.

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Es ist Sonntag und der Parkplatz am Dynjandi schon morgens gut besucht. Ich stelle den Motor gerade lange genug ab, um ein paar Schritte auf den Wasserfall zuzugehen und eine Handvoll Aufnahmen zu machen. Mir fehlt die Ruhe, um auch den elfundneunzigsten Wasserfall noch gebührend zu würdigen. Dieser Tag steht ganz im Zeichen der Seegurke, wie ich die 622 wegen der Form der Halbinsel genannt habe und ich bin mindestens so gespannt, wie ich Schiss habe, weil es heißt, die 622 sei nicht ganz ungefährlich. Andererseits, wer, wenn nicht wir, Svenja, Rally und Pieps?! Was uns an Können fehlt, machen wir durch Unbekümmertheit und Leichtsinn mühelos wett.

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Den ersten Dämpfer bekommt meine Euphorie, als ich das Ende der 622 erreiche, da wo ich in einigen Stunden wieder ankommen will, nachdem ich außen um die Halbinsel herum­gefahren bin. Ein Schild verkündet: Durchfahrt verboten. Eiderentenbrut - Betreten verboten.

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Sogar auf Deutsch haben sie es aufgeschrieben. Anderseits will ich nichts betreten, jedenfalls nicht, wenn es gut läuft. Ich will da nur langfahren.

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Ich drehe bei und fahre weiter nach Pingeyri, zu dem Ort, am dem die 622 beginnt. Vielleicht gibt es eine Touristeninformation, die mir sagen kann, ob die Strecke überhaupt freigegeben ist.

Die Piste nach Pingeyri ist allein schon eine Herausforderung: Knackige Serpentinen auf Schotter an einem Bett von Abgrund ohne Leitplanken. Ich lasse die Honda fliegen, bis ich merke, dass chinesische Touristen noch sorgloser als isländische Schafe sind und ich Gas wegnehme, bis wir wieder in dem Bereich unterwegs sind, der für verantwortungsvolle Erwachsene vorgesehen ist.

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Städte im Norden sind meist reine Zweckbauten gegen Kälte und Wetter. `Hübsch` stand nicht im Lastenheft und Pingeyri ist keine Ausnahme, aber wie der kleine Ort am Ufer des Fjords in der Sonne leuchtet, wirkt er wie die wunderschönste Perle der Westfjorde.

Tatsächlich gibt es sogar ein paar Häuser im Ort, die ganz hübsch sind, auch wenn sich die bunten Holzhäuser bei genauem Hinsehen als Wellblechhütten entpuppen.

Richtig schön dagegen und tatsächlich aus dicken Holzbohlen errichtet ist das Haus, in dem die Tourist Information untergebracht ist. Jedenfalls steht das auf einer Klapptafel vorm Eingang.

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Ich parke die Honda und gehe hinein. Der Raum liegt im Halbdunkel, das Haus hat keine Fenster. Nur durch das offene Eingangstor fällt etwas Licht hinein. Der Raum ist voll mit Souvenirs und Handarbeiten. Einige derbe Islandpullover hängen an der Wand. Hinter einem Tisch, auf dem auch eine Registrierkasse und ein Laptop stehen, sitzt eine Frau und sieht mich aus verschmitzten Augen aufmerksam an.

"Hello. Are you the tourist information?"
"Yes, I am."
"I would need some information about a special route around the peninsula." Mir fällt das Wort für Seegurke nicht ein, aber das wäre wohl auch nicht hilfreich: "Is it allowed to drive there on a motorbike?"

"Which bike?", fragt sie unvermittelt, auch wenn ich nicht verstehe, warum eine Frau, die nicht unbedingt so wirkt, als sei sie eine große Enduro­pilotin, sich dafür interessiert.

"Honda two fifty Rally," erwidere ich und zeige auf die Enduro. Sie wirft einen langen Blick auf das Motorrad und sagt: "That will be ok."

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Auf ihre ruhige Art erklärt sie geduldig, dass die Brut der Eiderenten bereits vorüber ist und die Vögel jetzt unten am Wasser sind. Sie hätten nur das Schild noch nicht weggenommen. Es sei trotzdem äußerst wichtig, dass ich den Weg nicht verlasse, schärft sie mir ein.

Sie holt eine wunderhübsch gezeichnete Landkarte der Halbinsel hervor. Darauf ist die 622, der Svalvogar, gut zu erkennen.

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Plötzlich scheint ihr etwas einzufallen. Sie nimmt ihr iPhone und wischtippt: "Oh no. The tide is coming up. That makes it more difficult, if not impossible. You should hurry now."

Mit dem Stift zeigt sie eine Stelle auf der Karte, wo die Piste am Fuß der Klippen verläuft und bei Flut unpassierbar wird.

Pieps und ich sind nicht so weit gereist, um jetzt umzukehren. Bevor ich mich verabschiede, kaufe ich eine der hübschen Landkarten und erstehe für Pieps ein Paar Strickhandschuhe in Mäusegröße. Ich möchte etwas Geld dalassen, wenn schon die gute Beratung nichts gekostet hat.

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Das kurze Stück durch den Ortskern von Pingeyri ist asphaltiert, aber gleich hinter dem letzten Haus geht die Straße wieder in Gravel über. Am Beginn der Piste stehen die üblichen Warn- und Werbeschilder, aber bis hier ist es nicht mehr, als ein sauber planierter Feldweg zwischen saftigen Wiesen. Gefährlich ist hier überhaupt nichts.

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Nicht lange danach verändert sich das Bild. Die Vegetation tritt zurück, bis nur noch ein paar Moose und Gräser für etwas Grün in der Landschaft sorgen. Eine schmale Piste, die wie ein Absatz in die Wand gefräst ist, schlängelt sich am Hang entlang. Im zweiten Gang holpert die Honda höher und höher den Weg hinauf.

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Der Blick hinunter auf den Atlantik ist atemberaubend schön. Bei diesem Licht schimmert das Wasser in fast karibischem Blau. Es ist ganz windstill und der Himmel nahezu wolkenlos blau.

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Ein paar Kilometer weiter führt die Piste von der Küste weg auf ein Hoch­plateau. Ein Bach gurgelt unternehmungslustig durch die saftigen Wiesen. In der Ferne stehen einzelne Bauernhäuser, aber ich kann nicht erkennen, ob die noch unter Dampf sind, oder längst aufgegeben wurden.

Der Trail führt zurück ans Steilufer und plötzlich begreife ich, warum die Frau in Pingeyri meinte, dass es wichtig sei, den Weg nicht zu verlassen: Wichtig im Sinne von "Ich hab´ keine Lust hier zu verrecken" wichtig.

Der Pfad, der kaum breit genug ist für einen Landrover, wurde geradezu in die Wand hineingeschabt und wäre das Gestein nicht so mürbe, könnte man durchaus Vertrauen haben.

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Ich beruhige mich selbst mit dem Versprechen: "Wenn es zu gefährlich wird, drehst du um." Natürlich weiß ich, dass es gelogen ist, aber ich mag den beruhigenden Klang des Gedankens in meinem Kopf.

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Die komplette Seegurke, einmal um die Halbinsel von Pingeyri zurück zur Straße 60, ist 45 km lang. Etwa auf der Hälfte steht ein Leuchtturm, und auch wenn es bloß ein technischer Zweckbau ist und nicht besonders hübsch, so ist er doch eine Sehenswürdigkeit, ein Wegpunkt auf der 622.

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Am Leuchtturm ist außerdem eine der wenigen Stellen, an denen sich zwei Fahrzeuge problemlos begegnen können und es ist sogar Platz genug, um eine Pause einzulegen.

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Bis jetzt war der Weg nicht weiter schwierig oder gefährlich. Ich bin mit einem Einspurfahrzeug auf einem Zweispurweg unterwegs. Was soll da gefährlich sein? Mit einem fetten 4x4 wäre das etwas ganz Anderes. Ich hätte ständig Angst, mit einem Rad über die Kante zu fahren und dann hieße es Rio de la Kacka für Svenja und Pieps.

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Es gibt dramatische Abschnitte, auf denen man das Gefühl hat, mit dem Motorrad auf der höchsten Klippe zu balancieren, aber auch liebliche Passagen, die sogar meine Omi auf ihrem Hollandrad fahren könnte.

Auf einem Schild steht lediglich der Hinweis, dass man sich informieren möge und die Straße nur bei Ebbe passierbar sei. "For 4x4 jeeps only!"



Wenn auf dem Motorrad überhaupt eine Gefahr droht, außer der, dass man so dämlich ist, in den Abgrund zu lenken, dann von oben. Immer wieder liegen frische Brocken auf dem Weg, die aus der steilen Wand gefallen sind. Andererseits denke ich, selbst wenn mich ein kleiner Stein von - sagen wir 1 kg Gewicht - aus 200 m Höhe am Helm trifft, kann das kaum mehr als einen Kratzer im Lack des Helms bedeuten.

Der angeblich schwierigste Teil der Seegurke kommt erst noch, die Fahrt unterhalb der Klippen am Strand. Hoffentlich ist die Flut noch nicht zu hoch. Die Piste fällt allmählich ab und jetzt taucht in der Ferne ein großer alleinstehender Felsen auf. Da muss ich durch.

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Der Weg hinunter zum Strand ist ziemlich rumpelig, aber ist es nicht das, wofür Enduros gemacht sind? Ich fahre im zweiten Gang um einen Fels­vorsprung herum und stoppe. Diesen Anblick muss ich einen Moment auf mich wirken lassen: Vor mir öffnet sich der Strandabschnitt. Kein Sand, wie ich es erwartet hatte, sondern Felsen und derbes Geröll.

Der Atlantik liegt ganz ruhig. Der Flut fehlen sicher noch 80 cm bis zum Weg. Von oben perlen zwei spärliche Wasserfälle herab. Unter einem Felsüberhang steht ein Landrover.

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Die beiden Jungs, die dazugehören, wollen hier schwimmen gehen. "Aber vorher macht ihr noch ein Foto von mir, ja?" Ich stehe am Fuß der Klippen, vor mir das Motorrad, hinter mir der Atlantik und lächele in die Kamera. Ich bin glücklich. Diesen Moment will ich nie vergessen. Es ist gut, dass es ein Foto davon gibt.

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Trotzdem liegt die eigentliche Schwierigkeit noch vor mir. Die Steine am Strand sind viel größer, als es von oben den Anschein hatte. Ein richtiger Weg ist das nicht. Ich bin unsicher, ob ich das schaffen kann. Die Brocken liegen nur lose beieinander und von oben sprüht Wasser drauf.

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Wie immer, wenn ich unsicher bin, wie ich eine Situation lösen soll, denke ich an meine Ausbildung zurück. In diesem Fall an das Trial-Training. Vor Beginn einer Sektion stellt man seine Maschine ab und geht die Sonder­prüfung zu Fuß ab. Man prüft den Untergrund, vergleicht, wägt ab und entscheidet sich schließlich für die eine Spur, die man später fahren will. Soweit die Theorie. Das Dumme ist nur, dass meine aktive Zeit 36 Jahre her ist und ich etwas aus der Übung bin.

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In diesem Moment biegt ein Toyota Landcruiser um die Ecke und gräbt sich mit seinem Allradantrieb langsam durch das Geröllfeld.

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Die Bedingungen sind optimal: Die Sonne scheint, es ist fast windstill und der Atlantik wird frühestens in einer Stunde zum Problem. Ich schnalle den Tankrucksack ab und trage ihn über die komplette Sektion bis zu einer Stelle, wo er in Sicherheit ist und stelle die Kamera auf: „Falls es schief­geht, soll es wenigstens ein geiles Video davon geben“.

Ich starte den Motor, stelle mich in die Rasten und fahre los. Das Motorrad rollt mühelos über das Geröll. Die Steine knirschen und verschieben sich, aber im Grunde ist es viel einfacher, als zu Fuß darüber zu gehen. Jetzt komme ich mir dumm vor, dass ich mir so viele Gedanken gemacht habe. Das war gar nicht so schwierig.



Das Geröllfeld führt zwischen der Halbinsel und dem großen runden Felsen hindurch. Hier ist die tiefste Stelle der Piste, die bei Flut zuerst unter Wasser steht, aber das wird frühestens in einer Stunde der Fall sein. Mit trockenen Reifen knirsche ich über die Steine, bis ich eine Stelle finde, wo ich sicher anhalten kann.

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Ich schnalle den Tankrucksack wieder auf und fahre weiter. Kurz darauf komme ich an einen lauschigen Bach, der kristallklar über den Weg fließt. Hier ist die Landschaft wieder lieblich und schön.

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Der Weg führt wieder hoch und entfernt sich von der Küste. Ich bin traurig und zugleich froh, dass die wirklich spannenden Stellen hinter mir liegen. Die letzten Kilometer sind nur noch ein sehr holperiger Feldweg mit einer sagenhaft schönen Aussicht.

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Kurz vorm Ende der 622 ist noch eine letzte flache Furt zu durchqueren und dann stehe ich wieder an dem Durchfahrt-Verboten-Schild, wo ich vor genau viereinhalb Stunden schon einmal gestanden habe.

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Hier endet die 622, der Svalvogur. Für mich wird es immer die Seegurke bleiben. Ich biege rechts ab und fahre zielstrebig zu der kleinen Kirche, die neben der Piste am Hang steht und von der ich weiß, dass es dort auch ein Café geben soll.

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Die Hrafnseyri Kirche steht hoch über dem Fjord. Ihr rotes Dach leuchtet malerisch in der Sonne. Die Kirche ist zwar aus Holz gebaut, die hübsche Außenseite aber ist aus lackiertem Wellblech.

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Neben der Kirche sind drei Torfhäuser in den Hang gebaut. Darin sind ein Museum und ein Café untergebracht und es ist nicht die Kultur, wegen der Pieps und ich hier sind. Die Menschen müssen früher kleiner gewesen sein, jedenfalls muss ich die meiste Zeit halb gebückt gehen, um mir nicht den Kopf zu stoßen.

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Erst im Café ist die Decke wieder hoch genug. Die Räume sind mit hellem Holz urgemütlich eingerichtet. An einer Seite ist ein kleines Kuchenbuffet aufgebaut. Pieps ist völlig aus dem Häuschen, als sie die Skyr Torte mit Kirschen entdeckt. Damit ist der Schokokuchen aus dem Rennen, denke ich seufzend und bestelle Kaffee und ein Stück Skyr Torte.

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Wir setzen uns draußen vor dem Haus in die Sonne. Der Kaffee ist prima. Richtiger Filterkaffee, wie er in Island und bei mir zuhause üblich ist. Kein Mocha Frappuccino, kein Toffee Nut Latte, kein Chichi. Die Skyr Torte gibt optisch nicht viel her, aber eine gewisse Maus ist schwer begeistert, wie von allem "mit Köörsch".

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Neben mir sitzt ein Pärchen aus Amerika. Gut situierte Leute in meinem Alter. Sie wundern sich, dass es an den Sehenswürdigkeiten in Island keine Security gibt: "No controls, no armed security, no police. They don´t even have guns."

Ich habe andere Sorgen. Pieps hat sich so mit Skyr eingeschmiert, dass es eine Freude ist und außerdem liegen noch etwa 50 km Piste vor uns bis zum Zeltplatz.

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Auf dem Rückweg gebe ich ordentlich Gas. Viele Abschnitte sind gut mit 80 bis 90 km/h fahrbar. Die Piste ist breit und ich bin meist allein darauf unterwegs. Als in der Ferne der Dyniandi Wasserfall auftaucht, bleibe ich kurz stehen und schieße quer über den Fjord ein Foto.

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So teuer Island auch sein mag, eine Sache gibt es, die ist hier umsonst: Das Autowaschen. An vielen Tankstellen gibt es Waschplätze mit Schlauch und Bürste, wo man kostenfrei sein Fahrzeug waschen darf. Auch zu der einzelnen Tanksäule vorm Hotel in Flokalundur gehört ein Waschplatz. Der Wasserdruck in Island ist prima und ich spritze, bürste und wasche die Rally gründlich ab, bis sie in der Sonne glänzt.

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Acht Stunden waren wir heute unterwegs für 180 km Endurowandern, ein Stück Skyr Torte, zwei Tassen Kaffee und eine Seegurke. Ich bin völlig erledigt und fange schon früh mit dem Abendessen an.

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Heute gibt es Hangikjöt und gebratenen Speck. Hangikjöt ist geräuchertes Lammfleisch. Es sieht allerdings leckerer aus, als es schmeckt, aber der gebratene Speck ist über jeden Zweifel erhaben. Zusammen schmeckt beides ganz gut.

Das war ein sagenhafter Tag. Der Svalvogur, der als 622 um die Seegurke herumführt, ist ein wahrhaft epischer Trail für jeden Endurofahrer und jeden Mountainbiker.

Die Straße hat einen Eintrag bei Dangerous Roads, aber das muss nichts bedeuten, denn die Redaktion wurde im Lauf der Zeit immer unkritischer und inzwischen stehen viele einfache Trails darin. Mit dem Auto aber ist die Strecke tatsächlich gefährlich. Da muss man schon genau wissen, was man tut.

Eines kann ich mir ab sofort in den Colt ritzen: Einmal mit dem Motorrad die 622 gefahren zu sein…

zum nächsten Tag...

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Übrigens gibt es eine tolle Beschreibung der 622 einer isländischen Veranstalterin, die Touren um die Seegurke in ihrem Hummer anbietet. Sehr cool, tolle Fotos, viele Informationen. Darin ein Youtube Video über den verrückten Alten, der die Seegurke seit Jahren mit seiner Raupe freihält und dabei jedesmal sein Leben rikiert. Unbedingt sehenswert.

Nachtrag: Als ich beim Schreiben der Story den Namen meines alten Triallehrers, Klaus Perry, googele, lese ich, dass er gestern verstorben ist. Einen Tag bevor ich diesen Text geschrieben habe. Ich war einer seiner ersten Schüler. "Danke Klaus. Für alles."



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Svenja Svendura EndurowandernMade by Svenja Svendura on Apple iMac with Panic Coda and Photoshop Elements.